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Norddeutschland 20 Grad: Ostsee bricht den Temperatur-Rekord
Nachrichten Norddeutschland 20 Grad: Ostsee bricht den Temperatur-Rekord
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20:45 10.08.2018
Wellen am Strand der Ostsee. Das Meer hat sich über Wochen hinweg aufgeheizt und jetzt den höchsten Juli-Mittelwert seit Beginn der Aufzeichnungen erzielt. Quelle: Stefan Sauer/dpa
Lübeck/Hamburg

Damit liegt der Wert nach Angaben des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) 0,5 Grad über dem bisherigen Spitzen-Juli 2014 und sogar 2,8 Grad über dem Langzeitmittel der vergangenen 30 Jahre. Verantwortlich dafür ist die stabile Hochdrucklage. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Wassertemperatur in den kommenden Wochen weiter steigen wird.

Durch das Unwetter hat sich das Wasser durchmischt

„Die Höchsttemperaturen werden normalerweise im August erreicht“, sagt Bernd Brügge, Leiter der Abteilung Meereskunde beim BSH in Hamburg. Seit 1990 erhebt die Behörde via Satellit die Ostsee-Daten. Dabei wird das Meerwasser an verschiedenen Punkten in unterschiedlichen Tiefen gemessen. Noch am Donnerstag hatte die Ostsee im Fehmarnbelt 23 Grad – in ein, drei und sogar in sechs Meter Tiefe, berichtet Brügge. In 20 Meter Tiefe wurden 13 Grad gemessen. Durch das Unwetter sei das Wasser nun durchmischt worden. Die Temperatur hat sich in der „oberflächennahen Schicht“ etwas abgekühlt – in 20 Meter Tiefe sind es nun aber 18 Grad. „Das ist wahnsinnig viel“, sagt Brügge. „Wir beobachten seit langem, dass Nord- und Ostsee immer wärmer werden.“ Die Nordsee wies im Juli mit 16,3 Grad im Mittel die zweithöchste Oberflächentemperatur seit 50 Jahren auf.

Experten warnen seit langem vor einem Temperaturanstieg. Dabei werde nicht jeder Sommer so heiß sein wie der aktuelle, prophezeien die Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Doch mit steigenden globalen Temperaturen steige infolge des Klimawandels auch die Wahrscheinlichkeit für heiße Sommer und Dürren.

Jetzt heißt es messen: Blaualgen, Sauerstoffgehalt, Vibrionen

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Die hohen Wassertemperaturen haben Auswirkungen auf die Qualität, denn sie rufen Bakterien auf den Plan. So werden die sogenannten Vibrionen erst angesichts des bis zu 25 Grad erwärmten Wassers aktiv. Zugleich breiten sich Blaualgen aus. Angaben über den Sauerstoffgehalt des Wassers will das BSH in der nächsten Woche präsentieren. Fische kommen bisher noch gut zurecht. „Sie können sich in tiefere und kühlere Regionen zurückziehen“, sagt Daniel Stepputtis vom Thünen-Institut für Ostseefischerei in Rostock. Kurzfristige Störungen könnten von der Natur abgefedert werden. Langfristig aber könne der Temperaturanstieg der Ostsee zu einem Problem werden. „Er führt zu einer Änderung des Ökosystems.“

Nach Auskunft der WetterWelt GmbH in Kiel steht uns nun erst einmal wechselhaftes Wetter mit Hochs und Tiefs bevor. „Dabei kann es vorübergehend auch wieder heiß werden“, meint Meteorologe Andree Nather. Wie der Herbst wird, steht noch in den Sternen. Zwar seien Nord- und Ostsee gute Wärmespeicher, so Nather. „Die Frage ist aber auch, wie ist die Wetterlage, wie weht der Wind, wohin werden die Warmwassermassen gedrückt.“

jup

Wussten Sie, dass man in der Ostsee einem der giftigsten Tiere Europas begegnen kann? Klicken Sie sich durch die Bildergalerie, um Gefahren der Ostsee kennenzulernen.
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