Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Kieler Uni lässt es auf Klage ankommen und hält an Schleier-Verbot fest
Nachrichten Norddeutschland Kieler Uni lässt es auf Klage ankommen und hält an Schleier-Verbot fest
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:56 19.02.2019
Eine Frau trägt einen Niqab. Die Kieler Uni verbietet Vollverschleierung in Lehrveranstaltungen. Quelle: Peter Endig/dpa (Symbolfoto)
Anzeige
Kiel

Das Uni-Präsidium hatte wie berichtet das Tragen von Gesichtsschleiern im Lehr- und Prüfungsbetrieb untersagt, nachdem die Konvertitin Katharina K. (21) im Niqab zu einem Tutorium erschienen war. Katharina K. kündigte nicht nur juristische Schritte gegen die Uni an, sondern betonte auch, ihr Studium der Ernährungswissenschaft im Niqab fortsetzen zu wollen. Das Verschleierungsverbot hält sie für einen unzulässigen Eingriff in die im Grundgesetz garantierte Religionsfreiheit.

„Wir sind dabei, eine Handreichung für Lehrende zu erarbeiten“, berichtete Pistor-Hatam. Dozenten sollen eine Studentin mit Gesichtsschleier demnach künftig auffordern, die Lehr-Veranstaltung zu verlassen. Weigere sich die Studentin, solle sie aber nicht mit Gewalt aus dem Raum getragen werden. „Man würde das tolerieren, aber ihre Leistung nicht als Studienleistung anerkennen.“

Kein Eingriff in Religionsfreiheit

Die Islamwissenschaftlerin betonte gegenüber den Kieler Nachrichten, dass ein Schleier-Verbot kein Eingriff in die Religionsfreiheit sei. Aus dem Koran ließen sich Burka und Niqab nicht ableiten. „Unter den Islam-Gelehrten ist es deshalb Mehrheitsmeinung, dass der Gesichtsschleier nicht Pflicht ist“, so Pistor-Hatam. Wie Gerichte das Schleierverbot bewerten, sei offen. Eine Klarstellung des Landes durch einen Anti-Schleier-Erlass oder eine Änderung des Hochschulgesetzes wäre „auf jeden Fall hilfreich“.

Wissenschaftsministerin Karin Prien (CDU) sagte der Uni „volle Rückendeckung“ zu. „Als ultima ratio werden wir auch prüfen, ob eine Hochschulgesetzesänderung möglich und geboten ist.“ Eine entsprechende Klarstellung im Schulgesetz hatte Prien bereits angekündigt.

Mehr zum Thema

Von Ulf Billmayer-Christen/RND