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Norddeutschland „Höhle der Löwen“-Star Ralf Dümmel im Interview: Mehr Mensch als Löwe
Nachrichten Norddeutschland „Höhle der Löwen“-Star Ralf Dümmel im Interview: Mehr Mensch als Löwe
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10:18 22.09.2019
Ralf Dümmel im Showroom von DS-Produkte. Quelle: 54° / Christian Schaffrath
Stapelfeld

Die neue Staffel der Gründer-Show „Die Höhle der Löwen“ läuft derzeit wieder im Fernsehen. Mit dabei ist der Investor Ralf Dümmel (52). Der gebürtige Segeberger ist Gesellschafter und Geschäftsführer des Stormarner Unternehmens DS-Produkte und so beliebt bei den Zuschauern wie kein anderer Investor.

Herr Dümmel, mögen Sie lieber das Sie oder das Du?

Ich duze Menschen lieber, wir duzen uns auch alle in der Firma. Wir können im Interview auch gerne zum Du wechseln.

Sehr gerne. Viele Unternehmenschefs schwören ja noch auf das Sie...

Ich bin auch kein Chef, sondern eher ein Teamleiter, weil ich glaube, dass es nur im Team funktioniert. Und die Mannschaft rückt auch enger zusammen, wenn man sich duzt. Ich brauche keinen Respekt, der sich ausschließlich durch das Siezen definiert. Meine Mitarbeiter respektieren mich, weil sie sagen: Der weiß, wovon er spricht. Ich mag übrigens schon das Wort Chef nicht. Wenn ich mit zwei Angestellten zusammensitze und die sagen rot und ich sage blau, dann diskutieren wir. Wenn die beiden dabei bleiben, dann sage ich fast immer: ,Okay, dann zwei zu eins.’ Ich bin ja nicht allwissend. Ich habe viele Mitarbeiter, die in ihren Bereichen besser sind als ich.

In der TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“ bist Du der Publikumsliebling, viele Zuschauer denken, dass man mit Ralf Dümmel bestimmt auch gut ein Bier trinken gehen kann. Bist Du wirklich so nahbar?

Das freut mich, weil ich finde, dass das Menschliche auch im Business-Alltag immer das Wichtigste ist. Ich bin nichts wert ohne das Team hinter mir, denn die schmeißen die Maschine an, wenn es in der TV-Sendung einen Deal gibt. Daher sind motivierte Mitarbeiter das Wichtigste für eine Firma und dafür ist Menschlichkeit sehr wichtig. Von daher ist das total richtig, was die Zuschauer denken. Außer das mit dem Bier, das trinke ich nämlich nicht gern. Aber wenn es Cola Zero gibt, dann komme ich mit in die Kneipe (lacht).

Du bist ein Genussmensch, magst gutes Essen, gute Kleidung, lehnst aber Alkohol ab. Woher kommt das?

Erst mal muss ich sagen, dass gutes Essen für mich leider eher das ungesunde Essen ist. Ich gehe lieber in den Imbiss als in ein Sternerestaurant. Alkohol mag ich einfach nicht. Vielleicht weil ich mit 13 Jahren mal eine Dummheit gemacht habe. Ich bin sturzbetrunken zum Fußballtraining gegangen. Da gab es zuhause den größten Ärger aller Zeiten. Das Erlebnis hat mich geprägt. Außerdem tanze ich bei Parties auch ohne Alkohol gerne auf dem Tisch (lacht).

Nimm uns mal mit zurück in Deine Kindheit. Du bis elf Jahre alt, wie sah ein typischer Tag für Dich aus?

Ich war nie ein Schul-Fan und habe meiner Mutter immer gesagt, dass ich keine Hausaufgaben aufhabe, und war mit meinen Kumpels fast immer draußen, Fußball spielen oder Blödsinn machen. Allein war ich nie unterwegs. Man sagt über mich, ich hätte ein Einsamkeitssyndrom. Ich brauche immer Leute um mich herum und war und bin kein Typ, der allein in den Wald geht. Ich rede auch heute noch immer viel und muss immer Leute um mich haben, die mir zuhören oder die mir was erzählen.

Warum hast Du Dich mit der Schule so schwergetan?

Ich weiß noch, wie ich das erste Mal einen Zirkel in der Hand gehabt habe und dachte: ,Wie viele Menschen siehst du da draußen, die einen Zirkel in der Hand haben? Vielleicht braucht das ein Bauzeichner, aber warum soll ich so viele Dinge lernen, die ich für mein Leben nicht brauche.’

Als Du nach der Schule dann zu Möbel Kraft wolltest, kam es wegen Deines Abschlusses zu einem Problem. Es ist die Geschichte von deinem ersten Deal: Du hast versprochen Deinen Realschulabschluss nachzuholen, wenn Du dafür einen Ausbildungsplatz kriegst. Warst Du damals schon so selbstbewusst ...

Nein, ich hatte noch überhaupt kein Selbstbewusstsein. Ich weiß noch, wie der Personalchef sagte, dass es ein tolles Bewerbungsgespräch war. Dann macht er eine kleine Pause und ich dachte, jetzt holt er den Vertrag raus, aber dann sagte er, dass es leider nichts wird, weil man keine Hauptschüler nehmen würde. Für mich ist in dem Moment eine Welt zusammengebrochen. Da habe ich einfach nur verzweifelt einen Strohhalm gesucht und gesagt, dass ich den Realschulabschluss nachhole und dann dort anfange. Für mich war immer klar: Ich fange bei Möbel Kraft an.

Warum wolltest Du unbedingt Verkäufer bei Möbel Kraft werden?

Mein Vater hatte in leitender Funktion im Lager des Unternehmens gearbeitet. Er ist immer früh morgens zu Möbel Kraft gefahren und dann spät abends nach Hause gekommen. Als ich klein war, dachte ich immer, uns gehört der Laden (lacht). Und Verkaufen fand ich spannend, weil man da mit Menschen zu tun hat.

Hat es sich gelohnt, den Abschluss nachzuholen?

Ja, die Ausbildung war einfach toll. Wir hatten zum Beispiel Verkaufspsychologie, da haben wir viel gelernt. Wenn du Wasser und Cola zu Hause hast, dann frag deine Gäste nicht, was sie trinken wollen, sondern frag: „Möchtest du ein Wasser oder eine Cola?“ Das war ganz anders als in der Schule, das waren Dinge, die konnte ich nicht nur in meinem Beruf, sondern auch in meinem privaten Leben anwenden. Da hat mir das Lernen einfach Spaß gemacht.

Hast du schon mal einen Deal aus Mitleid abgeschlossen?

Nein, das ist ja keine Spendengala. Aber das Menschliche ist enorm wichtig. Ich würde keinen Deal machen, wenn der Mensch nicht zu mir passt, auch nicht, wenn ich sicher bin, dass ich damit Geld verdienen kann. Und na klar, wenn DuGründer hast, die eine tolle Idee haben, es aber nicht allein in den Handel bekommen, macht das besonders viel Spaß, wenn ich denen helfen kann. Da freue ich mich richtig.

Kannst Du immer helfen?

Nein. Manche denken, wenn sie bei der Sendung mitmachen und dann noch einen Deal mit Ralf Dümmel haben, dann ist das ein Sechser im Lotto. Und ja, die Wahrscheinlichkeit ist relativ hoch, dass es ein Sechser wird. Aber auch nach über 30 Jahren liege ich manchmal noch falsch. Deshalb bleibt es immer spannend.

Du hast den Gründer der DS-Produkte, Dieter Schwarz, kennengelernt, weil Du dort Babysitten warst. Da spielte also auch Glück eine Rolle. Aber wie ist es mit Deinem Ehrgeiz. Was glaubst Du, wenn Du bei Möbel Kraft geblieben wärst, wärst Du da heute Geschäftsführer?

Ich weiß es nicht, aber ich würde eher Nein sagen. Das was ich heute bei DS Produkte mache, ist eher eine Berufung. Ich mache diesen Job aus Leidenschaft und fahre jeden Morgen gerne zur Arbeit. Ich liebe es, mit den Menschen und den Produkten hier umzugehen. Das ist genau das, was ich mir wünsche, was ich gut mache und vielleicht ist es auch so, dass ich nichts anderes gut kann. Deswegen würde ich nie sagen, dass ich auch für andere Unternehmen als Geschäftsführer geeignet wäre. DS Produkte ist mein Leben, diese Firma habe ich mit Dieter Schwarz, einem der wichtigsten Menschen in meinem Leben, aufgebaut. Das ist mein Baby und jeder der Kinder hat, weiß, die liebst du auch noch genauso, wenn sie groß sind. So ist es auch mit DS Produkte. Die Firma ist jetzt groß, aber ich habe sie immer noch so lieb wie damals. Mensch, da kriege ich selber Gänsehaut, wenn ich das erzähle. Aber genau so ist es.

Mit Deinem Einstieg in die Show 2016 wurdest Du in ganz Deutschland bekannt. Wenn man Prominente nach den Folgen fragt, klagen sie oft darüber, dass sie nirgendwo mehr unerkannt hingehen können.

Ja, ich werde oft angesprochen, und dass das so extrem ist, hätte ich damals nicht gedacht. Vor 2016 gab es ja nicht mal ein Bild bei Google von mir. Gerade heute Morgen wurde ich wieder angehupt und einer macht die Scheibe runter und fragt: Sind Sie es wirklich? Aber ich finde es nicht schlimm erkannt und angesprochen zu werden, ganz im Gegenteil, es freut mich. Die Menschen, die auf mich zukommen, sind extrem nett. Oft kriege ich auch ein positives Feedback. Wenn Dir jemand sagt, dass er Dich sympathisch findet, ist das doch ein schönes Kompliment.

Ich habe Menschen gefragt, die Dich mal kennengelernt haben, wie sie Dich einschätzen. Dabei ist Folgendes heraus gekommen: Ralf Dümmel ist korrekt, offen, zugänglich, freundlich, sympathisch, herzlich, zielstrebig, als Schiedsrichter war er auch ein bisschen von sich eingenommen, er gefällt sich in seiner Rolle, er kann auch knallhart sein.

Ja, das kommt so hin. Wie Du rausbekommen hast, war ich als Fußballer so schlecht, dass ich Schiedsrichter geworden bin (lacht). Da war ich dann recht erfolgreich. Als Schiri kannst Du natürlich nicht nachgiebig sein, trotzdem stimmt knallhart als einziges nicht. Ich kann nicht gut knallhart sein und ich möchte es auch nicht. Ich habe auch noch nie in meinem Geschäftsleben einen Mitarbeiter angeschrien. Lauter sein ist nicht die Lösung.

Wann bist Du zuletzt wütend gewesen?

Keine Ahnung, wenn dann über mich selbst, weil ich erst mal denke, dass ich etwas falsch gemacht habe. Aber ich bin ein sehr lebensfroher Mensch und dankbar für alles. Dafür, dass es meiner Familie, mir und der Firma gut geht. Da hat Wut wenig Platz. Wenn ich mich mal ärgere, sage ich mir immer: ,Mach abends die Tageschau an, dann weißt Du, worüber Menschen wütend oder traurig sein können.’

Wenn Menschen über Dich reden, reden sie auch immer über deine Kleidung ...

Ja, willst du gucken, ob ich passende Strümpfe zum lila Einstecktuch habe? Habe ich (lacht). Ich finde das witzig, wenn das Hemd passend zu den Strümpfen ist. Und mit dem Einstecktuch ersetze ich die Krawatte, die ist immer so eng am Hals. Aber jeder sollte das anziehen, was er mag. Ein Typ in T-Shirt und Jeans kann genau so gut und clever sein wie ein Typ im Anzug. Das ändert sich ja auch gerade alles etwas. Zuhause auf dem Sofa mache ich mir aber keine Gedanken über die Socken und da laufe ich auch nicht im Anzug rum.

Welches von deinen Produkten benutzt Du selbst am häufigsten?.

Die Heißluftfritteuse. Ich kann nicht kochen und da kann man nichts verkehrt machen, außer wenn Du Dein Essen da eingepackt reinlegst. Außerdem kann ich so Pommes ohne Fett machen.

Zu welchem Produkt hast du die emotionalste Beziehung?

Zu dem Wassermaxx, der heute SodaTrend heißt. Vor über 21 Jahren habe ich dieses Gerät, das aus Leitungswasser Sprudel macht, erfunden. Das war ein Meilenstein für unser Unternehmen. Früher waren wir vor allem im Versandhandel, aber das Gerät war unsere Eintrittskarte zu den Drogerien, Discountern und Supermärkten.

Wenn Du Dich entscheiden müsstest zwischen einem wirtschaftlich erfolgreichen Produkt und einem Produkt, das nicht so viel Geld einbringt, Dich aber als Erfinder in die Geschichtsbücher bringt. Was würdest du wählen?

Eine gemeine Frage. Wenn es eine Erfindung ist, die Kranke heilt oder so, dann ist das immer am wichtigsten. Aber nicht wegen mir, ich gehöre nicht ins Geschichtsbuch. Daher nehme ich bei allen anderen Produkten lieber die, die für das Unternehmen wirtschaftlich wichtiger sind.

Was macht Ralf Dümmel in zehn Jahren?

Ich mache keine Pläne und ich möchte beruflich nichts anderes machen als das hier. Der Zeitpunkt aufzuhören kommt erst, wenn ich mal nicht mehr der richtige für den Job bin. Ich sage meinen Mitarbeitern auch, dass sie mir das dann sagen sollen. Das ist für mich gedanklich aber noch weit weg. Aber wenn ich mal gehe, wünschen ich mir nur, dass es DS Produkte weit über mich hinaus gibt und die Menschen hier ein berufliches Zuhause finden. Und wenn dann die Leute sich in 50 Jahren mal erinnern, dass es da in der Firma einen Ralf Dümmel gab und der das mit auf den Weg gebracht hat, ist das doch schön.

Von Sven Wehde