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Norddeutschland Hofcafés im Norden wieder geöffnet - neue Broschüre listet alle Betriebe
Nachrichten Norddeutschland Hofcafés im Norden wieder geöffnet - neue Broschüre listet alle Betriebe
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18:10 31.03.2018
Ob Beeren-Schoko-Torte, Himbeerbaiser oder Sanddorntorte: In den Hofcafés in Schleswig-Holstein werden feinste Backwaren angeboten.
Ob Beeren-Schoko-Torte, Himbeerbaiser oder Sanddorntorte: In den Hofcafés in Schleswig-Holstein werden feinste Backwaren angeboten.
Heringsdorf/Holstein

Es wurde Zeit, dass es wieder losgeht. „Ich habe das Backen schon richtig vermisst“, sagt Anna Domin. Liebevoll drückt die 37-Jährige üppige Sahnetupfer auf den Obstkuchen. Mandarinenschnitten, Streuselkuchen, Görtzer Welle, Philadelphia-Torte, Pfirsichtraum – die köstlichen Backwerke entstehen in der Küche des Herrenhauses von Gut Görtz nahe Heringsdorf (Kreis Ostholstein). „Wir verwenden keine künstlichen Stoffe, es ist alles Natur“, erklärt Senior-Chefin Annegret Weilandt (79). Auf großen viereckigen Blechen werden die Kuchen gebacken. Das gibt „schöne, glatte Stücke“. Sie werden im Scheunen-Café gegenüber angeboten.

Das letzte Staubkörnchen ist weggepustet, die Glasvitrine poliert, der Tresen gewischt: Das Scheunen-Café auf Gut Görtz ist startklar für die Saison. Ab sofort gibt es auf dem Land wieder köstliche Kuchen und Torten. Insgesamt warten in Schleswig-Holstein 83 Hofcafés auf Besucher.

Die Idee stammt von Annegret Weilandt. „Verwandte von mir hatten ein Café in Neumünster. Das fand ich toll“, erzählt die leidenschaftliche Kuchen-Bäckerin. Als die Kinder 1990 aus dem Haus waren, legte sie los – mit einem der ersten Hofcafés in der Gegend. „Sonst hätten wir die Gebäude gar nicht erhalten können“, ergänzt ihr Sohn Johannes (53), der heute noch Ackerbau betreibt. Raps, Weizen und Gerste werden angebaut. Die schmucke Gutsanlage ist seit 1913 im Besitz der Familie. In den 80er Jahren standen viele Gebäude leer, weil man den Viehbetrieb aufgegeben hatte. Mit dem Café, das im ehemaligen Jungviehstall eingerichtet wurde, begann der Wandel. In der Kornscheune ist inzwischen ein Hofladen untergebracht, im Pferdestall werden Arbeiten verschiedener Kunsthandwerker gezeigt.

Die 79-Jährige rührt inzwischen nicht mehr selbst den Teig. „Aber die Grundrezepte sind geblieben.“ Dazu gibt es auch täglich selbstgebackenes Brot, deftig mit Schmalz, Wurst oder Käse belegt. „Wir haben viele Stammgäste, die schon seit 25 Jahren in jedem Ostseeurlaub zu uns kommen“, sagt sie. Aber auch Leute aus der Nachbarschaft finden sich gern sonntags zum Kuchenessen im alten Stall ein, in dessen Mitte an kühlen Tagen ein Kaminfeuer lodert. „Hier ist jeder gern gesehen“, betont Annegret Weilandt.

Petra (69) und Werner Zwirner (70) gehören zu den Gästen der ersten Stunde. Das Ehepaar aus Berlin kam früher einmal im Jahr im Urlaub zum Kaffeetrinken. Seit zwölf Jahren wohnen sie jetzt in Neustadt – und sind immer noch gern Gäste auf Gut Görtz. „Die Atmosphäre, die ganze Anlage und natürlich der Kuchen gefällt uns“, berichtet Werner Zwirner. Sein Favorit ist der Mandelkuchen. „Aber wir testen alles mal durch“, sagt seine Frau Petra.

Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein beobachtet einen „regelrechten Café-Tourismus“. Gerade Städter und Touristen ziehe es im Frühling aufs Land, berichtet Sprecherin Daniela Rixen. Das seien Rentner, aber auch junge Familien. In der Broschüre „Gemütlich Kaffeetrinken und stilvoll feiern auf dem Lande 2018/2019“ sind 83 Hofcafés aufgelistet – übersichtlich nach Kreisen und kreisfreien Städten sortiert. In den 90er Jahren waren es nach Auskunft der Kammer nur etwa 20 Betriebe.

„Damit wollen wir Lust auf Torten und Kuchen machen“, erklärt Kammerpräsident Claus Heller. Zugleich aber könnten die Cafés für Landwirte eine Einkommensalternative in schwierigen Zeiten sein. Durch die Milchkrise sei bei vielen Bauern das Bewusstsein, sich breiter aufzustellen, größer geworden, ergänzt Rixen.

Die Broschüre wird alle zwei Jahre überarbeitet und ist gerade zum 16. Mal erschienen. 75000 Exemplare sind gedruckt worden. Das Heft ist bei der Landwirtschaftskammer erhältlich (Ansprechpartnerin ist Martina Arp, Telefon: 04331/9453-223).

 Von Julia Paulat