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Norddeutschland Hunde am Strand: Neues Gesetz schafft Verwirrung
Nachrichten Norddeutschland Hunde am Strand: Neues Gesetz schafft Verwirrung
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20:13 19.09.2017
Trotz der Gesetzesänderung der Küstenkoalition bleibt beispielsweise in Travemünde und Heiligenhafen alles beim Alten.  Quelle: Fotolia
Lübeck/Kiel

In Travemünde und Heiligenhafen beispielsweise bleibt alles beim Alten. Ein Schlupfloch im Gesetz, das den Gemeinden eine „Sondernutzung“ erlaubt, macht es möglich.

„Kein Bedarf für eine Änderung“, teilt Lübecks Stadtsprecherin Nicole Dorel mit. „Wir bleiben bei der alten Regelung, dass Hunde sich vom 1. Oktober bis zum 31. März an Travemündes Kurstränden austoben dürfen.“ Auch Heiligenhafen lässt Hunde wie gewohnt ab Oktober an den Strand. „Wir sehen das ganz entspannt“, sagt Tourismusleiter Manfred Wohnrade. Es gebe von Einheimischen und Gästen ohnehin kaum Beschwerden. „Außerdem nimmt die Zahl der Hundehalter zu. Dem wollen wir Rechnung tragen.“

In Grömitz dagegen haben sich die Gemeindevertreter für die Neuregelung entschieden. Vierbeiner dürfen erst ab November ans Wasser – analog zum Einsatz von Lenkdrachen und Drohnen. „Es macht Sinn, solche Regelungen stringent umzusetzen“, sagt Lars Widder, Betriebsleiter Verwaltung und Finanzen, „wir wollten eine einheitliche Linie.“ Angeblich stammt die Idee für die verkürzte Hundesaison aus Grömitz. Die gewollte einheitliche Linie an der Küste gibt es nun aber nicht, stattdessen einen Flickenteppich und viel Verwirrung.

Kellenhusen steht an der Seite von Grömitz. „Im Sinne unserer Gäste wollen wir Hunde nicht vor November am Strand“, teilt Touristikleiter Thorsten Brandt mit. Er betont auch: „Eine einheitliche Umsetzung wäre sinnvoll, um Klarheit für Urlauber und einheimische Bevölkerung zu schaffen.“ Fehmarn beschäftigt sich erst im nächsten Jahr mit einer Satzungsänderung.

Bei den Landtagsfraktionen von SPD und Grünen hält sich das Bedauern in Grenzen, dass die Neuregelung im Naturschutzgesetz kaum Anwendung findet. Man finde es gut, dass Gemeinden vor Ort selbst entscheiden können, sagen Sandra Redmann (SPD) und Marlies Fritzen (Grüne) unisono. Aus Naturschutzgründen sei es völlig egal, ob Hunde ab Oktober oder ab November an den Strand gelassen werden. „Es geht um touristische Belange“, erklärt die grüne Abgeordnete. Letztlich entscheidend sei, wie Hundehalter sich mit ihren Tieren benehmen würden. Immerhin: Wo es keine Strandsatzung gibt, greift das Verbot automatisch.

Strandkorbvermieter hatten das neue Gesetz begrüßt. Wer wie die Landesregierung für eine verlängerte Saison plädiert, müsse dafür sorgen, dass Hunde Strandbesucher nicht verschreckten. Wer mit seinem Hund unbedingt ans Meer wolle, dem würden allein zwischen Travemünde und Kiel über 20 Hundestrände angeboten, deren Nutzung zeitlich nicht limitiert ist.

Von Curd Tönnemann