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Norddeutschland Gefährliche Exoten erobern den Norden
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18:43 04.03.2019
Die gefährliche Hyalomma-Zecke aus dem Süden ist zum ersten Mal auch in Schleswig-Holstein nachgewiesen worden. Quelle: Robert Koch-Institut
Lübeck

.Beim Putzen ihres Pferdes entdeckt eine Pferdebesitzerin eine bisher in Schleswig-Holstein nicht aufgetretene aber gefährliche Zeckenart. Eine andere Zecke macht das Emsland derzeit erstmals zu einem Risikogebiet für einen bestimmten Virus. Und es gibt noch andere kleine Tiere, die hierzulande nicht zu Hause sind, aber für jede Menge Ärger – und Schmerzen sorgen können.

Hyalomma marginatum: Die für Menschen gefährliche Zeckenart aus dem Süden ist zum ersten Mal auch in Schleswig-Holstein nachgewiesen worden. Eine Pferdebesitzerin aus Bokelholm (Kreis-Rendsburg) hatte am Schweif des Pferdes eine vollgesogene Zecke mit ungewöhnlichen gestreiften Beinen entdeckt und sie ans Robert-Koch-Institut (RKI) nach Berlin geschickt. Dort stellte sich heraus, dass es sich um eine Zecke der Art Hyalomma marginatum handelte. Hyalomma-Zecken können Träger des für Menschen unter Umständen sogar tödlichen Krim-Kongo-Virus sein. Todesfälle gab es unter anderem in der Türkei. Hyalomma-Zecken sind eigentlich in Südeuropa, Asien und Afrika verbreitet.

Gegen Zecken vorbeugen

Das Robert-Koch-Institut empfiehlt, Zecken immer umgehend zu entfernen und die Wunde zu desinfizieren. Helle, geschlossene Kleidung könne Zeckenstichen vorbeugen helfen, ebenso das Vermeiden von Unterholz und hohem Gras. Menschen, die in Risikogebieten Kontakt zu Zecken haben könnten, wird eine Schutzimpfung empfohlen. Nach einem Zeckenstich bildet sich dann oft ein charakteristischer roter Ring auf der Haut. Weitere Symptome können Muskel- und Gelenkschmerzen sowie Fieber sein. Es gibt Antibiotika gegen die Krankheit. Unbehandelt sind jedoch verschiedene Spätfolgen möglich.

„Seit einigen Jahren sind einzelne solcher Zecken auch in mehreren Bundesländern nachgewiesen worden“, sagte RKI-Zeckenforscher Peter Hagedorn. „Im vergangenen Jahr hatten wir 19 Fälle. Keine der untersuchten Zecken trug allerdings das Krim-Kongo-Virus in sich.“ Hyalomma-Zecken sind fünf Mal so groß wie die in Deutschland heimische Zeckenart Holzbock. „Mit ihren auffällig gestreiften, behaarten Beinen kann sie schnell laufen und jagt ihre Opfer bis zu 100 Meter weit“, sagte Hagedorn. Die Wissenschaft geht davon aus, dass die Zecken mit den Zugvögeln nach Deutschland kommen. Die in Bokelholm gefundene Zecke dürfte einem Gentest zufolge aus Iran stammen, sagte Hagedorn. „Die entscheidende Frage für die Zukunft ist, ob diese Tiere eine eigene Population in Deutschland aufbauen. Das könnte die Gefahr schwerer Erkrankungen erhöhen.“

Gemeiner Holzbock: Die Zecke gilt als Hauptüberträger von Hirnhautentzündung FSME

Ein vollgesogener Gemeiner Holzbock. Quelle: Felix Fellhauer/Wikipedia

(Frühsommer-Meningoenzephalitis). Zecken gibt es zwar natürlich auch im Norden, nur die gefährlichen Infektionen waren bislang eher ein süddeutsches Problem. Doch FSME breitet sich aus. So ist mit dem Emsland jetzt erstmals sogar ein norddeutscher Kreis zum FSME-Risikogebiet erklärt worden. Bundesweit wurde mit 583 gemeldeten Fällen von Frühsommer-Meningoenzephalitis der bisherige Höchstwert aus dem Jahr 2006 (546) überschritten. Laut Robert-Koch-Institut habe vermutlich der gute Sommer 2018 günstige Bedingungen für die Übertragung von FSME-Viren geschaffen.

Falsche Witwe: Ihr Biss ist sehr schmerzhaft, wirklich gefährlich aber nicht. Die falsche Witwe,

Die Falsche Witwe. Quelle: imago

die der hochgiftigen Schwarzen Witwe zum Verwechseln ähnlich sieht, ist ursprünglich auf der portugiesischen Insel Madeira sowie auf den Kanarischen Inseln heimisch, hat ihren Lebensraum in den vergangenen 100 Jahren allerdings extrem vergrößert. Auch in Deutschland haben sich nach Angaben von Wissenschaftlern zwei Populationen der Steatoda nobilis in Gartencentern angesiedelt. Dort herrscht ein ähnliches Klima wie in den natürlichen Verbreitungsgebieten. Denn: Die giftige Spinne hat sich über den Pflanzenhandel ausgebreitet. Dort, wo sie geeignete Umweltbedingungen vorfindet, dürfte sich die Art in den kommenden Jahren hingegen rasch verbreiten, meinen Experten.

Petermännchen: Die so ungefährlich aussehenden Fische sind eigentlich im Atlantik, Mittelmeer und Schwarzen Meer zu Hause. Doch immer häufiger kommen sie auch bei uns in der Ostsee vor.

Das Große Petermännchen (Trachinus draco) Quelle: HFR

Laut Experten sollen die Exoten durch erhebliche Salzwassereinträge durch Herbststürme aus der Nordsee in die Ostsee geschwemmt worden sein. Die Stacheln der Fische sind giftig, aber nicht tödlich. Wenn Badegäste mit dem Fuß auf sie treten, müssen die schmerzhaften Stichverletzungen aber meist im Krankenhaus behandelt werden. Erst im vergangenen wurden mehrere Badegäste auf Fehmarn verletzt.

Ammen-Dornfinger: Die giftige Spinne aus dem Mittelmeerraum ist in Deutschland auf dem

Ein Ammen-Dornfinger. Quelle: Tanja M. Marotzke

Vormarsch. Einzelfunde gab es bereits in Schleswig-Holstein. Zuletzt waren Fälle aus Berlin und Brandenburg dokumentiert. Der Biss ist unangenehm, die Folgen reichen von Schwellungen bis hin zu Fieber.

Jan Wulf

Wussten Sie, dass man in der Ostsee einem der giftigsten Tiere Europas begegnen kann? Klicken Sie sich durch die Bildergalerie, um Gefahren der Ostsee kennenzulernen.
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