Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Illegale Gülle-Entsorgung: Bauern-Chef kritisiert „schwarze Schafe“
Nachrichten Norddeutschland Illegale Gülle-Entsorgung: Bauern-Chef kritisiert „schwarze Schafe“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:46 02.12.2019
Gülle darf erst im Frühjahr wieder auf die Felder ausgebracht werden. Bis dahin soll sich die Natur erholen. Quelle: Philipp Schulze/dpa
Lübeck/Rendsburg

Einen gewissen Zeitraum im Jahr ruht die Vegetation. Die Pflanzen haben im Winter kaum Nährstoffbedarf. Einige Monate lang darf deswegen keine Gülle ausgebracht werden. Eine Sperrfrist für Acker- und Grünland, die der Gesetzgeber bestimmt hat.

Bauern fallen Berufskollegen in den Rücken

Doch in Schleswig-Holstein halten sich offensichtlich nicht alle Landwirte daran. Der Präsident des Landes-Bauernverbandes Schwarz hat am Montag in Rendsburg Einzelfälle von Verstößen gegen das Düngerecht scharf kritisiert.

Zum Beispiel hätten einige Landwirt Gülle auf abgeerntete Maisflächen ausgebracht. Dies sei nicht nur rechtswidrig und rücksichtslos gegenüber der Umwelt, sondern man falle mit einem solchen Verhalten den Berufskollegen in den Rücken, die gerade gegen weitere Verschärfungen des Düngerechts kämpften.

Gülle zeitweise verboten

Die Düngeverordnung des Bundes untersagt grundsätzlich das Aufbringen von Gülle auf Ackerland nach der Ernte bis zum 31. Januar, auf Grünland in der Zeit vom 1. November bis 31. Januar. Das teilt der Nabu Schleswig-Holstein mit. Der Zeitraum kann demnach von den Bundesländern allerdings um bis zu einen Monat verschoben werden, ohne den Gesamtzeitraum, in dem keine Düngemittel ausgebracht werden dürfen, zu verkürzen. Auf Antrag kann in Schleswig-Holstein ohne Verkürzung des Gesamtzeitraums bereits ab dem 15. Januar Düngemittel unter Auflagen aufgebracht werden. Das Aufbringen von Gülle und anderen stickstoff- und phosphathaltigen Düngemitteln ist darüber hinaus immer verboten, wenn der Boden „überschwemmt, wassergesättigt, gefroren oder schneebedeckt ist“. Quelle: Nabu Schleswig-Holstein

Schwarz sagte: „Wir wehren uns gegen die zum Teil überzogenen Vorwürfe gegenüber der Landwirtschaft, aber durch solche Aktionen entziehen wir uns dann in dieser Diskussion die Glaubwürdigkeit.“ Seit Wochen protestieren die Landwirte in Deutschland gegen die Agrarpolitik. Zuletzt sorgten die Bauern mit einer Trecker-Sternfahrt nach Berlin für Aufsehen.

Bauern müssen für Gülle-Entsorgung zahlen

Laut Schwarz sei die illegale Gülle-Entsorgung aber auch in einer anderen Weise in höchstem Maße unsolidarisch gegenüber den Berufskollegen. Die Landwirte würden sich schließlich einen ungerechtfertigten Wettbewerbsvorteil verschaffen, gegenüber der großen Mehrheit der Landwirte, die die Bestimmungen einhalten und zum Beispiel erhebliche Kosten für Behälterbau oder die Abgabe von Gülle an andere Betriebe investierten.

Landwirte sollen Kollegen ansprechen

Es sind zwar nur Einzelfälle, so der Verbandspräsident, aber solche Aktionen, die das genaue Gegenteil von guter Landwirtschaft seien, zeichneten ein verheerendes Bild. „Wir überlegen schon lange wie wir gegen das Phänomen der schwarzen Schafe in der Landwirtschaft vorgehen. Allgemeine Hinweise und Appelle reichen offenbar nicht“, so Schwarz.

Konkreter wird er allerdings nicht. Schwarz schlägt aber vor: „Wer als Landwirt und damit Fachmann solches Fehlverhalten beobachtet, sollte den Berufskollegen darauf anzusprechen und ihm sein branchenschädigendes Verhalten deutlich machen.“

Bisher keine Anzeigen

Laut Kieler Umweltministerium liegen derzeit keine Anzeigen wegen unzulässiger Ausbringung von Gülle vor. In Einzelfällen erhalte das Ministerium relativ schnell Hinweise aus der Bevölkerung. Die sei bisher aber nicht der Fall.

Lesen Sie auch:

Von Jan Wulf

Das Urteil ist gesprochen: Das Gericht in Hamburg ist sich sicher, dass ein 75-Jähriger in Hamburg-Rissen eine 91-Jährige mit einem Kissen erstickt hat. Am Tattag sei der vermeintliche Freund vormittags zu ihr gekommen. Besonders heimtückisch, so das Gericht.

02.12.2019

Jetzt ist es geschehen: Das umstrittene Bauwerk, mit dem Dänemark seine Grenze zu Deutschland vor Wildschweinen schützen möchte, ist fertig. 70 Kilometer lang ist der Zaun – hat aber einige potentielle Schwachstellen.

02.12.2019

Exporte in Länder außerhalb der Euro-Zone sanken um 5,3 Prozent. Der großen Industriebetrieben in Schleswig-Holstein können aber zufrieden sein mit ihrem Umsatz.

02.12.2019