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Norddeutschland Immer weniger Grundschüler können Rad fahren
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09:13 25.08.2019
Marcin Grzegorzek (42) und sein Sohn Miro (8) fahren gern zusammen Fahrrad. In ihrer ehemaligen Heimat Siegen in Nordrhein-Westfalen war das wegen der bergigen Landschaft schwer. In Lübeck hingegen ginge das wunderbar. Hier kann Miro sogar allein zur Schule fahren. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Kiel/Lübeck

Dass Kinder bereits in der Grundschule Fahrrad fahren können, ist längst nicht mehr selbstverständlich. Laut ADAC beherrscht gerade mal jeder zweite Schüler die Grundfähigkeiten. Immer mehr Viertklässler fallen bei der Schulprüfung für den Fahrradführerschein der Landespolizei durch. Schuld daran sei vor allem Bewegungsmangel sowie die Vernachlässigung durch die Eltern, sagen Experten.

Zahl der Radunfälle auf dem Höchststand

Die Zahl der Radunfälle von Kindern ist so hoch wie seit zehn Jahren nicht mehr. Das geht aus dem Verkehrssicherheitsbericht 2018 der Landespolizei hervor. Zuletzt wurden insgesamt 1310 Verkehrsunfälle aufgenommen, an denen Kinder beteiligt waren. 650 davon waren Radunfälle. Das sind knapp 100 mehr als noch vor fünf Jahren. Besonders häufig sind Kinder zwischen zehn und 15 Jahren betroffen.

„Gerade nach dem Wechsel von der Grund- auf die weiterführenden Schulen verunglücken Kinder mit dem Fahrrad im öffentlichen Straßenverkehr“, sagt Torge Stelck vom Landespolizeiamt. Das Erlernen der Verkehrsregeln und psychomotorischer Leistungen wie Gleichgewicht halten, Lenken und Bremsen seien von elementarer Bedeutung und stehen im Fokus der Radfahrausbildung der Landespolizei für 25 000 Viertklässler.

Ursache ist vor allem Bewegungsmangel

Elisabeth Pier, Vorsitzende der Landesverkehrswacht, geht davon aus, dass die Ursache in einem veränderten Freizeitverhalten der Kinder liegt. „Anstatt Sport zu treiben oder draußen auf Bäume zu klettern, sitzen Kinder an den Spielekonsolen, was sich negativ auf ihre Motorik auswirkt“, sagt sie. Allerdings gebe es Unterschiede: „Kinder vom Land sind meist sicherer auf dem Rad als Stadtkinder.“

Hier berichten Eltern, wann und wie sie ihren Sprösslingen das Fahrradfahren beigebracht haben und warum das so wichtig ist

Das bestätigt auch Hauptkommissar Cay-Dietrich Fischer von der Lübecker Polizei. Er unterrichtet in der Jugendverkehrsschule seit Jahren Grundschüler im Fahrradfahren und weiß: „Theoretisch bereiten die Lehrer die Kinder gut vor, aber motorisch gibt es oft große Schwierigkeiten.“ Deshalb hätten die Beamten 2011 eine Unterrichtseinheit für Drittklässler für motorisches Fahren eingeführt. Dabei lernen die Kleinen zunächst Bewegungsabläufe auf dem Rad, wie zum Beispiel Handzeichen zu geben, sich umzudrehen oder abzubiegen. Regelkonformes Verhalten wird erst in der vierten Klasse geübt, bevor dann die Prüfung zum Fahrradführerschein ansteht.

Der Lübecker Polizeihauptkommissar Cay-Dietrich Fischer unterrichtet seit Jahren Grundschüler im Fahrradfahren. Aus Erfahrung weiß er: „Theoretisch bereiten die Lehrer die Kinder gut vor, aber motorisch gibt es oft große Schwierigkeiten.“ Quelle: Rabea Osol

Kinder mit Fahrradführerschein sind keine fertigen Radfahrer

„Die Eltern erhalten im Anschluss einen Brief, in dem steht, was sie mit ihren Kindern noch üben sollten“, erklärt Fischer. Gemeinsames Üben zu Hause sei von großer Wichtigkeit, damit junge Radfahrer sicher im Straßenverkehr unterwegs sind. Fischer mahnt: „Auch wenn die Kinder in der vierten Klasse die Prüfung bestanden haben, sind sie noch keine fertigen Radfahrer. Dann haben sie gerade mal die Grundzüge gelernt.“ Deshalb sollten Eltern ihre Sprösslinge auch weiterhin begleiten, zum Beispiel auf dem Schulweg.

Dabei dürften Erwachsene nie vergessen, dass sie eine Vorbildfunktion einnehmen. „Kinder beobachten die Älteren ganz genau und ahmen sie nach“, betont Fischer. Hauptkommissarin Silke Ziemann ergänzt: „Wenn der Straßenverkehr sicherer werden soll, müssen wir alles daran setzen, gute Vorbilder zu sein.“ Für Kinder werde es im Verkehr schnell gefährlich, da sie Gefahrensituationen oft nicht richtig einschätzen können. „Deshalb appellieren wir an die Eltern und an alle anderen Verkehrsteilnehmer, sich an die Regeln zu halten und aufeinander Acht zu geben“, sagt Ziemann, die selbst Mutter ist.

Minister: Auch Eltern tragen Verantwortung

Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) mahnt, die Verantwortung nicht auf Schule und Polizei abzuwälzen: „Radfahrer haben keine Knautschzone, Väter und Mütter sollten größtes Interesse haben, ihren Nachwuchs sicher auf die Sättel zu kriegen.“ Unterstützung erhält Buchholz vom ADAC. Sprecher Ulf Evert sieht Eltern in der Pflicht, „mit ihren Kindern die Fahrradtauglichkeit zu trainieren“.

Mutter: Radfahren macht Kinder selbstständiger

Für viele Eltern ist das tatsächlich selbstverständlich. Daniela Ahrens (44) aus Lübeck sagt: „Es ist wichtig, dass die Kinder früh Radfahren lernen, damit sie selbstständiger werden und sich sicher als Teilnehmer im Straßenverkehr bewegen können.“ Zudem trainiere das Fahren das Gleichgewicht und die Koordinationsfähigkeit der Kleinen. Ihre achtjährige Tochter Svenja fährt deshalb stets mit dem Rad zur Schule, zu Freunden oder zum Schauspielunterricht.

Auch Claudia Dömer (48) meint: „Die Kinder sollen sich im Straßenverkehr sicher fühlen. Deshalb ist es wichtig, schon früh gemeinsam zu üben.“ Ihre Tochter Helen (8) geht in die dritte Klasse und fährt täglich mit dem Rad zur Schule, meist mit Freunden zusammen. „Das ist für uns selbstverständlich geworden“, sagt Dömer.

Radfahren macht Spaß – besonders in Lübeck

Marcin Grzegorzek (42) wohnt mit seiner Familie seit vier Wochen in Lübeck. „Hier kann man wunderbar Fahrrad fahren“, schwärmt er. Zuvor lebte der 42-Jährige in Siegen, Nordrhein-Westfalen. Die bergige Landschaft dort erschwerte das Radfahren. Sein Sohn Miro (8) lernte es deshalb auf einem Parkplatz. „Wir mussten dafür extra Stellen finden, die flach sind.“ In Lübeck kann Miro nun sogar allein zur Schule fahren. „Die ersten Tage bin ich noch mitgefahren, von nun an fährt er aber allein“, sagt Vater Grzegorzek stolz.

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Von Bastian Modrow und Rabea Osol

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