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Norddeutschland Immer wieder Angriffe auf Seeadler
Nachrichten Norddeutschland Immer wieder Angriffe auf Seeadler
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15:57 24.06.2015
Mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,50 Metern ist der Seeadler der größte Greifvogel, der in Mitteleuropa heimisch ist. Quelle: Mario Müller
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St. Michaelisdonn

Vogelschützer haben in der Nähe von St. Michaelisdonn im Kreis Dithmarschen drei tote Seeadler entdeckt, einen erwachsenen und zwei Jungtiere. „Aufgrund der Umstände muss es sich um eine Vergiftung handeln“, sagt Bernd Struwe-Juhl, Geschäftsführer der Projektgruppe Seeadlerschutz. Denn neben den Vögeln lagen auch ein Schweinebein und eine tote Taube — möglicherweise Köder. Beides wird nun, genauso wie die toten Seeadler, an der Universität Göttingen toxikologisch untersucht. Die Ergebnisse sollen in drei bis vier Wochen vorliegen.

„Wir wollen Klarheit über die Todesursache und mögliche Schadstoffe erhalten“, sagt Nicola Kabel, Sprecherin des Umweltministeriums in Kiel. Es sei Strafanzeige gestellt worden. Denn wer einen Seeadler vergifte, verstoße gegen das Naturschutzgesetz und das Jagdrecht, erklärt Struwe-Juhl. Die Seeadler hätten in diesem Frühjahr erstmals in der Region einen Horst gebaut. „Die Jungtiere waren elf Wochen alt, sie wären wahrscheinlich in der nächsten oder übernächsten Woche ausgeflogen.“ 2014 waren in Schleswig-Holstein 84 Seeadlerreviere besetzt. Besonders viele Brutpaare gab es in den Kreisen Plön (20), Ostholstein (14) und im Herzogtum Lauenburg (9). Im Kreis Segeberg waren sieben Reviere besetzt, in Stormarn zwei und in Lübeck eines.

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Klaus-Hinnerk Baasch, Präsident des Landesjagdverbandes, fordert eine lückenlose Aufklärung des Falls im Sinne der 2008 unterzeichneten Kieler Greifvogelerklärung. Darin verpflichten sich Umweltministerium, Landesjagdverband sowie die Ornithologische Arbeitsgemeinschaft für Schleswig-Holstein und Hamburg, Greifvögel zu schützen.

Die Karte zeigt besetzte Seeadlerhorste in Schleswig-Holstein 2014.


Dennoch waren in den vergangenen Jahren in Schleswig-Holstein immer wieder Seeadler mit Verdacht auf Vergiftung entdeckt worden, das Umweltministerium spricht von mindestens zehn Tieren. Sieben dieser Vögel seien nachweislich vergiftet worden — fünf mit Mevinphos, einer mit Carbofuran und einer mit Parathion. Alle drei Wirkstoffe sind laut Ministerium in der Europäischen Union in Pflanzenschutzmitteln verboten.

Im Kreis Ostholstein waren 2013 zwei tote Seeadler in der Gemeinde Wangels gefunden worden, ein Jahr zuvor waren im Lübecker Stadtforst zwei der Vögel vergiftet worden. Zuletzt sorgte ein Fall in Stangheck (Kreis Schleswig-Flensburg) bei Naturschützern für Entsetzen. Unbekannte hatten dort im Februar dieses Jahres einen 140 Jahre alten Baum gefällt und dadurch einen Seeadlerhorst zerstört.

Die Tiere wurden bei der Aktion nicht verletzt, aber vertrieben. Einen Monat später wurde in der Nähe von Heide (Kreis Dithmarschen) ein geschwächter Seeadler entdeckt, der kurz darauf starb. Auch er soll mit Parathion vergiftet worden sein. „Es macht uns schon hellhörig, dass es gerade immer wieder in dieser Region passiert“, sagt Struwe-Juhl. Zumal in dem Gebiet auch reihenweise andere tote Tiere gefunden worden seien, zum Beispiel Mäusebussarde und auch ein Hund. Bei ihnen sei ebenfalls Gift nachgewiesen worden.

„Die Täter wurden nie gefasst“, sagt Diplom-Biologe Volker Latendorf von der Projektgruppe Seeadlerschutz. „Dabei wurde in einigen Fällen sogar eine Belohnung ausgesetzt.“ Es sei allerdings auch schwierig, jemandem so eine Tat nachzuweisen. Die Vogelschützer hoffen deshalb auf Hinweise aus der Bevölkerung.

Janina Dietrich