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Norddeutschland Sana-Übernahme: Viele Fragen sind noch immer offen
Nachrichten Norddeutschland Sana-Übernahme: Viele Fragen sind noch immer offen
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11:02 29.03.2019
Noch immer steht der Name Sana an der Klinik in Eutin, die am 1. Januar 2019 eigentlich in den Ameos-Konzern übergehen sollte. Das Verfahren wurde aber gestoppt.
Noch immer steht der Name Sana an der Klinik in Eutin, die am 1. Januar 2019 eigentlich in den Ameos-Konzern übergehen sollte. Das Verfahren wurde aber gestoppt. Quelle: Susanne Peyronnet
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Eutin/Kiel

 „Die Pläne für die umfassende Sanierung sind nicht vorangetrieben worden“, erklärte Sana-Ostholstein-Geschäftsführer Florian Glück am Donnerstag in einer Sondersitzung des Ausschusses. Nur „laufende Sanierungen“ seien erfolgt. Ausschussvorsitzender Werner Kalinka (CDU) hakte nach: laufende Sanierungen? Na ja, es seien eher „laufende Instandhaltungen“, sagte Glück. Ob er das von FDP-Sozialminister Heiner Garg bis zum 9. April eingeforderte Sanierungskonzept vorlegen wird, ließ Glück offen. „Wir werden zum 9. April eine Antwort formulieren“, sagte er zum Minister-Ultimatum nur.

Vor einem Jahr drängte Sana noch auf einen Neubau

Im Ausschuss sorgte das für wachsende Empörung. Noch vor einem Jahr hätte Sana den Zustand des Hauses in düstersten Farben geschildert, sagte Bernd Heinemann (SPD) – man könne nicht mal mehr einen Nagel in die Wand schlagen, ohne dass es woanders sofort einen Schaden gäbe. Eine Sanierung, ein Neubau gar, seien schleunigst erforderlich. Am Donnerstag betonte Glück immer wieder: „Wir sind betriebsfähig in sämtlichen Bereichen.“

Politiker im Ausschuss fühlen sich „veräppelt“

Er wisse nicht, was seinen Vorgänger damals zu der Darstellung bewogen habe, sagte Glück. Und überhaupt müsse ja auch der künftige Betreiber Ameos erst mal ein Konzept vorlegen, wie er die Krankenversorgung an den vier Standorten im Kreis aufstellen will.

„Ich fühle mich, vorsichtig gesagt, veräppelt“, konterte die SPD-Abgeordnete Birte Pauls. Tatsächlich schildern Insider den Zustand des Eutiner Klinikgebäudes ganz anders. Ständig gebe es Wassereinbrüche. Das Wasser ziehe selbst in kürzlich erst sanierten Stationen schon wieder bis zu einen Meter hoch in die Wände. Es schimmele dahinter. Ein Sana-Mitarbeiter sei täglich nur damit beschäftigt nachzuforschen, ob wieder irgendwo im Gebäude Wasser fließe, wo es nicht hingehöre.

Vier Kliniken, 1200 Mitarbeiter

Eigentlich sollte die Schweizer Ameos-Gruppe die Sana-Kliniken in Eutin, Middelburg, Oldenburg und Fehmarn schon zum 1. Januar 2019 übernehmen. Zunächst verzögerte sich das, weil das Kartellamt erst im April darüber entscheiden wollte. Jetzt zogen die Vertragspartner ihren Antrag dort vorläufig ganz zurück. An den vier Standorten demonstrieren viele der 1200 Sana-Mitarbeiter in Ostholstein seit Monaten schon gegen die Übernahme. Sie fürchten, dass sich ihre Arbeitsbedingungen verschlechtern werden. Erste Mitarbeiter wurden bereits von einem zum anderen Standort versetzt.

Auch Ameos-Vorstand Michael Dieckmann bestätigt: Das gesamte Wassernetz müsse erneuert werden. Und weil die Rohre in den Wänden liegen, müsse das Gebäude komplett entkernt werden. Ameos immerhin will bis zum 9. April ein Sanierungskonzept vorlegen. Auf dem Klinikgelände soll ein Ausweich-Gebäude errichtet werden, in dem übergangsweise die OP-Säle und je drei übereinander liegende Stationen untergebracht werden, sagt Dieckmann. Deren Trakt im alten Gebäude werde dann komplett saniert. Danach ziehen die nächsten drei Stationen ins Ausweich-Gebäude um. Das Ganze werde „Jahre dauern“, kündigt Dieckmann an.

Was sind „Probleme bei der Transaktionsstruktur“?

Voraussetzung dafür bleibt, dass die Übernahme überhaupt stattfindet. Ameos und Sana haben den Antrag dafür beim Kartellamt vor wenigen Tagen zurückgezogen. Der Kaufvertrag gelte allerdings weiterhin, betonten Glück und Dieckmann im Ausschuss. Die Gründe für die Verzögerung? Es seien Probleme bei der Transaktionsstruktur aufgetaucht, sagen die Manager zum Beispiel. Die vier Sana-Kliniken hätten derzeit ja sehr unterschiedliche medizinische Schwerpunkte, und es sei noch unklar, welche künftig wo angeboten werden sollen. Oder auch: Es sei komplexer als erwartet, die Verbindungen von Sana-Ostholstein zu anderen Sana-Kliniken zu „entflechten“. Da sei ihnen schlicht „die Zeit davongelaufen“.

Übernahme verzögert sich mindestens um einige Monate

Ameos-Nord-Regional-Geschäftsführer Frank-Ulrich Wiener versucht ein Beispiel. So habe man festgestellt, dass etwa die Formulare zur Qualitätssicherung im Sana-Intranet stünden. Die müsse man da jetzt erst herauslösen und in ein eigenes Netz überführen. Ob das denn so unüblich sei, bei einer Übernahme auf solche Detail-Probleme zu stoßen? Nein, eigentlich nicht, heißt es dann plötzlich wieder. Einen neuen Termin für die Übernahme könne man jedenfalls noch nicht nennen. Man hoffe, die Transaktion „in wenigen Monaten“ umsetzen zu könne, sagt Dieckmann dann noch.

Minister: Fördergeld steht längst bereit

Dem Gesundheitsminister reißt angesichts solcher Aussagen offenbar langsam der Geduldsfaden. Man werde sich jetzt sehr genau darlegen lassen, ob und wie die Versorgungssicherheit der Bevölkerung in Ostholstein in Sachen Kliniken gewährleistet ist. Das alles sei umso unverständlicher, als dass das Land schon seit 2012 neun Millionen Euro als Fördergeld für eine Sanierung bereit halte. Verzögerungen könne er jetzt nicht länger akzeptieren.

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Wolfram Hammer