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Norddeutschland Angst vor dem Wolf: Land zahlt Schutzzäune für Schafherden
Nachrichten Norddeutschland Angst vor dem Wolf: Land zahlt Schutzzäune für Schafherden
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18:24 13.02.2019
Die Wölfe werden auch in Schleswig-Holstein heimisch. Tierschützer freut es, Tierhalter protestieren. Die Landesregierung bezahlt Schäfern in vier Kreisen jetzt Schutzzäune. Quelle: Swen Pförtner/dpa
Bad Segeberg/Kiel

In Schleswig-Holstein steht die Bildung eines Wolfsrudels offenbar kurz bevor. Im Kreis Segeberg gilt die Wölfin „GW1120f“ als sesshaft, in den Kreisen Pinneberg/Steinburg und in Dithmarschen ist es je ein Rüde. „Es ist nicht auszuschließen, dass diese Tiere sich paaren“, sagt Kiels Grünen-Umweltminister Jan Philipp Albrecht. Ein weiterer Rüde streift zudem bislang unstet durchs Land. In den vier Kreisen lässt das Umweltministerium deshalb jetzt auf seine Kosten alle großen Schafherden einzäunen.

Schutzzäune für Schafhalter – mit den großen geht’s los

Die Kreise werden als „Wolfs-Präventionsgebiete“ ausgewiesen, erläuterte Albrecht am Mittwoch in Kiel. Zunächst finanziert das Land allen Schafhaltern ab einer Herdengröße von 500 Tieren einen stabilen Herdenschutzzaun. Aufgestellt werden müssen sie von den Haltern, ausgenommen sind nur die Schafherden auf den Deichen. Sind die Zäune dort errichtet, sollen auch alle Schafhalter mit weniger Tieren Zäune bekommen. Wer keinen Zaun aufbaut, bekommt im Falle eines Wolfsrisses keine Entschädigung mehr.

Schleswig-Holsteins Grünen-Umweltminister Jan Philipp Albrecht betont: Die Prävention geht vor, der Abschuss von „Problem-Wölfen“ bleibe eine Ausnahme. Quelle: Carsten Rehder/dpa

In Dithmarschen sind zunächst 35 Halter betroffen. Insgesamt gibt es dort 241 Betriebe mit zusammen 62 366 Schafen – das ist nahezu ein Drittel des Schaf-Bestandes in Schleswig-Holstein. In Steinburg sind es zunächst drei von insgesamt 104 Haltern. Im Kreis gibt es insgesamt 10 020 Tiere. In Pinneberg sind es zunächst sechs von 55 Haltern, zusammen haben die 55 Besitzer 10 017 Tiere. Im Kreis Segeberg werden die 72 Schafhalter erst in der zweiten Runde zum Zaun-Bau verpflichtet. Sie haben insgesamt nur 2943 Tiere, keiner von ihnen hat mehr als 500.

Bald sollen auch Pferde- und Rinderhalter Zäune errichten

Die Wolfs-Population entwickle sich eben so, dass entsprechende Konzepte erarbeitet werden müssten, sagt Albrecht. Die Zäune müssen 1,20 Meter hoch und mit Strom-Litzen oben und in 20 Zentimeter Höhe gesichert sein. Später könnte es solche Zäune auch für Halter von Pferden und Rindern geben.

Die Sorge kommt nicht von ungefähr. In Niedersachsen haben Wölfe zuletzt ein acht Monate altes Islandpony-Fohlen gerissen. Auch Rinder wurden dort bereits Beute des Wolfs. In Dithmarschen rissen die Wölfe immer wieder Schafe, der mittlerweile zum Abschuss freigegebene „Problem-Wolf“ GW924m überwand sogar Herdenschutzzäune. Seit 2007 gab es landesweit 98 Attacken auf Nutztiere, 2018 fielen denen allein 75 Tiere zum Opfer. Erst am Dienstag wurde in Rethwisch im Kreis Steinburg erneut ein Schaf gerissen. „Alle Nachbarn sind in Sorge“, sagt der Rethwischer Landwirt Klaus Otto Magnussen. Viele würden ihre Kinder nun morgens zur Schule fahren, damit sie nicht im Dunkeln auf den Bus warten müssen.

Wolf oder Weide: Bauernprotest am Mittwoch in Wöhrden im Kreis Steinburg. Schafhalter blockierten aus Protest gegen die wolfsfreundliche Politik der Landesregierung die Bundesstraße 203. Quelle: Carsten Rehder/dpa

In Wöhrden in Dithmarschen trieb das am Mittwoch 200 Bürger auf die Straße. Sie protestierten lautstark gegen die Wolfs-Politik der Jamaika-Landesregierung in Kiel. Auf ihren Plakaten prangte neben einem grimmigen Wolf ein Porträt von Grünen-Ex-Umweltminister Robert Habeck. „Der will nur spielen“, wurde dem Politiker per Sprechblase in den Mund gelegt. „Der Wolf macht uns Schäfern das Leben schwer“, erklärte Henning Hinz, Landesvorsitzender des Schafzuchtverbandes. Mehrere Bauern blockierten mit ihren Treckern die Bundesstraße 203.

Verhaltensforscherin fordert höhere Zäune

Die Kieler Verhaltensforscherin Dorit Feddersen-Petersen fordert derweil höhere Schutzzäune. Mindestens 1,40 Meter müssten es sein, sagt die Zoologin und Wolfsexpertin. „Dass unsere Zäune zu niedrig sind, sehen wir ganz simpel an dem Fakt, dass sie überwunden werden.“ Wölfe zu schießen, die über diese Zäune springen, hält sie nicht für rechtmäßig.

Albrecht hält dagegen. Der Hochsprung-Weltrekord von Schäferhunden liege bei 3,86 Meter. Wenn ein Wolf vorher schon gelernt habe, dass Schafe eine Beute für ihn sein können, könne er für eine gute Mahlzeit also über fast jeden Herdenschutzzaun springen. Dass er das lerne, könne aber verhindert werden, wenn die meisten Herden eingezäunt wären und ihm schon bei der ersten Annäherung am Boden ein Stromschlag verpasst werde. Der Abschuss von „Problem-Wölfen“ dürfe und werde im Norden aber tatsächlich nicht zur Regel werden, betont der Minister.

Wolfram Hammer, Julia Paulat

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