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Norddeutschland Inklusion: Dem Land fehlen Lehrer
Nachrichten Norddeutschland Inklusion: Dem Land fehlen Lehrer
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22:09 09.10.2014
Bildungsexpertin Heike Franzen (CDU).
Kiel

Schleswig-Holstein steuert auf einen dramatischen Mangel an Sonderpädagogen zu. Das geht aus den neuesten Zahlen des Kieler Bildungsministeriums zum Lehrerbedarf hervor. Woher die zusätzlichen Förderlehrer kommen könnten, die die längst angeschobene Inklusion leisten sollen, weiß in Kiel derzeit keiner so recht.

Das Versprechen der SPD- Grünen-SSW-Landesregierung war eindeutig: Jede Schule im Land soll unabhängig vom Förderbedarf ihrer jeweiligen Schüler einen festen Stamm an Sonderpädagogen zugeteilt bekommen, um jederzeit arbeiten zu können — das heißt, um wirklich alle, auch die behinderten Schüler, gemeinsam in einer Klasse unterrichten zu können. So sieht es das Inklusions- Konzept vor, das Ex-Bildungsministerin Wara Wende noch im Sommer vorgelegt hatte. Die Lehrerausbildung sollte dazu reformiert werden, die Sonderpädagogen auch in einem Unterrichtsfach auf Sekundarstufen-Niveau ausgebildet und ihre Zahl in wenigen Jahren von 2000 auf 4000 verdoppelt werden.

Jetzt das: Während die Zahl der Sonderpädagogen, die in Pension gehen, stark ansteigt, wird die Zahl der Absolventen eines Referendariats für das Lehramt Sonderschulen ausweislich des „Berichts Lehrereinstellungsbedarf und Lehreinstellungsangebot“ sogar noch zurückgehen. So verlassen bis 2020 absehbar 513 Sonderpädagogen die Schulen aus Altersgründen. In dieser Zeit wird das Land aber nur 447 neue Sonderpädagogen fertig ausbilden. In den Folgejahren wird sich das Problem weiter verschärfen. Noch nicht berücksichtigt sind dabei all jene Jung-Lehrer, die das Land nach Ende ihrer Ausbildung verlassen.

Die CDU-Bildungspolitikerin Heike Franzen fordert die neue SPD-Schulministerin Britta Ernst angesichts der Zahlen auf, die Reform der Lehrerausbildung zu stoppen. Es sei gar nicht leistbar, dass „die Sonderpädagogen an allen Schultypen auch noch zur Hälfte ihrer Stundenzahl für allgemeinen Unterricht eingesetzt werden“.

Ein Mangel herrscht zudem bereits jetzt an Informatiklehrern. Das weist die Antwort des Ministeriums auf eine Kleine Anfrage der Piraten aus. So unterrichten an den Gemeinschaftsschulen im Land derzeit nur 43 Informatik-Lehrer. An den 100 Gymnasien sind es 211. An den Berufsbildenden Schulen gerade mal 52. Ein Examen in Informatik haben davon an den Gemeinschaftsschulen nur drei Lehrer, an den Gymnasien 25 und den Berufsbildenden Schulen 45. „Ein Armutszeugnis“, sagt Pirat Uli König. Das Land müsse mehr Informatiklehrer ausbilden und Quereinsteiger anwerben. Informatik müsse Plichtfach in der Sekundarstufe I werden.

W.Hammer

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