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Norddeutschland Innenminister: Über 50.000 Flüchtlinge in diesem Jahr
Nachrichten Norddeutschland Innenminister: Über 50.000 Flüchtlinge in diesem Jahr
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09:19 26.11.2015
Flüchtlinge bei ihrer Ankunft in Deutschland Quelle: dpa
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Boostedt

Nach Norwegen und Dänemark hat nun auch Schweden seine Asylgesetze drastisch verschärft. Landesweit betrachtet bereitete die Aufnahme der aus Dänemark und Schweden zurückkehrenden Flüchtlinge aber noch keine Probleme, sagte SPD-Innenminister Stefan Studt gestern bei einem Besuch der Erstaufnahmeeinrichtung in Boostedt. Man biete den Menschen, die zum Beispiel wegen fehlender Pässe nicht mehr nach Schweden reisen können, an, hier das Asylverfahren zu starten, sagte Studt.

Bisher scheinen aber nicht allzu viele davon Gebrauch zu machen. „Denn es finden trotz der verschärften Grenzkontrollen weiter in großem Stil Ausreisen nach Schweden statt“, sagt Matthias Menge, Sprecher der Bundespolizeidirektion in Bad Bramstedt. Da an den Fahrhäfen aber inzwischen jeder Reisende kontrolliert wird, versuchten die meisten Flüchtlinge inzwischen, mit dem Zug nach Schweden zu kommen. Allerdings hat die schwedische Regierung auch verschärfte Passkontrollen in Zügen angekündigt. Die Zahl der Rückkehrer von jetzt bis zu 100 Menschen am Tag könnte sich daher in der nächsten Zeit noch deutlich erhöhen.

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Schleswig-Holstein hat für den Fall einer großen Zahl von zurückkehrenden und gestrandeten Transitflüchtlingen bereits einen Notfallplan in Kraft gesetzt. In Flensburg, Kiel und Lübeck entstehen derzeit Tausende Schlafplätze. Die Hansestadt hat inzwischen 350 Not-Plätze in zwei Turnhallen geschaffen, weitere 800 entstehen in einem früheren Baumarkt. Laut Stadtsprecherin Nicole Dorel gebe es bislang aber noch keinen Bedarf für die Schlafplätze. Für die rund 100 Transitflüchtlinge, die sich in der Hansestadt aufhalten, reichten noch die Kapazitäten im Jugendzentrum „Walli“ aus.

Mehr lesen: Notunterkunft für Flüchtlinge ist fertig: 800 Betten in Lübecker Baumarkt

LN-Kommentar: Es geht nicht mehr

In den regulären Erstaufnahmen des Landes leben laut Innenministerium derzeit 12900 Flüchtlinge, 43 000 wurden seit Jahresbeginn in Schleswig-Holstein aufgenommen. Etwa 9000 trafen allein in diesem Monat ein. Wenn der Andrang so anhält, wird die Gesamtzahl in diesem Jahr auf weit über 50000 steigen, so das Innenministerium.

Ein Abebben des Zustroms sei nicht in Sicht. „Wir gehen für die kommenden Monate davon aus, dass die Zahlen stabil bleiben“, sagte Studt. Es werde wohl leider nicht weniger Grund für Menschen geben, ihre Heimat zu verlassen. Landesweit sollen deshalb in diesem Jahr 25000 Erstaufnahmeplätze entstehen.

Auffällig ist, dass unter den nach Schleswig-Holstein kommenden Flüchtlingen immer mehr Familien sind. Während der Anteil der Minderjährigen bis Ende September noch bei unter einem Viertel lag, war im November bereits mehr als ein Drittel der Neuankömmlinge unter 18 Jahren, wie der Leiter des Landesamtes für Ausländerangelegenheiten, Ulf Döhring, sagte. Zudem sind unter den Flüchtlingen zunehmend mehr Frauen. Waren bis Ende September nur 24 Prozent der Flüchtlinge weiblich, galt dies im November für fast ein Drittel der Flüchtlinge.

Weiter rückläufig entwickeln sich die Zahlen der Menschen aus sogenannten sicheren Herkunftsländern wie Albanien oder Serbien. Betrug ihr Anteil bis Ende des dritten Quartals noch 33,4 Prozent, sank er im November auf 1,6 Prozent. Der Anteil der Syrer stieg hingegen auf zwei Drittel an.

In der Boostedter Erstaufnahmeeinrichtung hat derweil die erste Flüchtlingsschule ihre Tore geöffnet. Unterrichtet wird dort in zwei Gruppen: In der Eingangsstufe werden alle Kinder, die noch keine lateinische Schrift kennen, mit ihr vertraut gemacht. In der Oberstufe wird auch schon auf Deutsch gelesen. „Die Lernbegierde der Kinder ist erstaunlich“, sagt Neumünster Schulrat Jan Stargardt. „Wir öffnen das Herz und die Seele der Kinder für die deutsche Sprache“, ergänzt Deutsch-Lehrerin Angelika Nieth.

Auch Lübecks Schulrat hat sich die Flüchtlingsschule schon angesehen, will in Lübeck ebenfalls eine einrichten.

W. Hammer und O. Vogt