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Norddeutschland So plant der Landesjagdverband den Abschuss von Problemwolf GW 924m
Nachrichten Norddeutschland So plant der Landesjagdverband den Abschuss von Problemwolf GW 924m
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11:13 24.01.2019
Wer soll den „Problemwolf“ erlegen? Die Suche nach einem geeigneten Jäger hat begonnen. Quelle: dpa
Lübeck/Kiel

Dem „Problemwolf“, der westlich der A 7 vorwiegend an der Grenze der Kreise Pinneberg und Segeberg aktiv ist, soll es nun bald an den Kragen gehen. Ein Antrag auf Abschuss sei gestellt, bestätigte das Kieler Umweltministerium, das derzeit die Erteilung der Abschussgenehmigung prüft. „Derzeit sind wir in Gesprächen mit dem Landesjagdverband über den weiteren Verlauf“, informierte Ministeriumssprecher Joschka Touré. Der Antragsteller dürfe selbst entscheiden, ob er bei Erteilung der Abschussgenehmigung mit einem oder mehreren Jägern zusammenarbeiten wolle.

Ansitz am Weidezaun

Bei der Entscheidungsfindung ist der Landesjagdverband eingebunden. „Nach Erteilung der Genehmigung sollte der Wolf in vier Wochen erlegt sein“, meint dessen Geschäftsführer Marcus Börner, der auch erklären kann, auf welche Weise dies geschehen könnte: Komme es zu einem weiteren Nutztierriss, werde es Sinn machen, das Tier als Köder liegen zu lassen und an derselben Stelle unweit des Zaunes anzusitzen, so Börner. „Es ist wahrscheinlich, dass der Wolf dann noch einmal zurückkommt.“ Dies sei der günstigste Fall mit den erfolgversprechendsten Jagdaussichten.

Komme es nicht zu einem Riss, müsse über das Auslegen eines Köders – etwa eines Tierkadavers aus dem Schlachthof – nachgedacht werden. „Die Überlegung gibt es genauso.“ Falls Schnee falle, sei es theoretisch auch möglich, die Wolfsfährte zu suchen und sich an einem Wechsel, der öfter von dem Tier begangen wird, zu positionieren. Laut Börner ist es jedenfalls wahrscheinlich, dass der Wolf im Rahmen einer Ansitzjagd erlegt wird. Es sei wohl auch sinnvoll, mehrere Jäger zu benennen. Das Streifgebiet des Wolfes sei sehr groß, es reiche bis in den Kreis Steinburg.

Diese Karte zeigt Wolfssichtungen der letzten Jahre in SH:

Damit die Karte übersichtlicher wird, können Sie über das Symbol oben links die entsprechenden Jahre aus- oder abwählen. Hierzu müssen Sie einfach den Haken bei einer oder mehreren Ebenen (Bsp. Wolf-Sichtung 2016) herausnehmen/setzen.

Gezielter Blattschuss angestrebt

Aktuelle Erfahrungen mit der Jagd eines Problemwolfs fehlen. Zwar würden in Schweden Wölfe gejagt, dies geschehe aber im Rahmen eines Abschussplans, ohne dass ganz bestimmte Tiere ins Visier genommen werden müssten. Klar ist für Börner, dass der Jäger – wie bei anderen Wildtieren auch – versuchen werde, einen Blattschuss anzubringen. Dieser verletzt hinter dem Schulterblatt Herz oder Lunge und führt zu einem schnellen Tod des Tieres. Nach dem erfolgreichen Schuss werde der Wolf zur wissenschaftlichen Untersuchung bei den Behörden abgegeben.

Schon Ende der Woche könnte nach Ministeriumsangaben feststehen, wer den Wolf erlegen soll. Voraussichtlich werde es ein ortsansässiger Jäger sein, vermutet Börner. Der Präsident des Landesjagdverbandes, Wolfgang Heins, der zugleich Kreisjägermeister von Pinneberg ist, sei schon auf der Suche nach der geeigneten Person. Es sei auch nicht auszuschließen, dass er die Aufgabe selbst übernehme.

Rüde offenbar alleine unterwegs

Dem „Problemwolf“ mit der Nummer GW 924m werden mehrere Risse von Schafen und Rindern zugeschrieben. Insgesamt acht Mal kam es in dem Gebiet, in dem der junge Rüde offenbar allein unterwegs ist, zu Rissen. Dabei wurden wiederholt wolfssichere Zäune überwunden. Insofern sei das Ministerium auch weitgehend sicher, dass der richtige Wolf erlegt werde, sagte Touré. Da es für den Jäger nicht möglich sei, letzte Sicherheit über die Identität des Tieres zu erlangen, drohten dem Schützen keine rechtlichen Konsequenzen, falls versehentlich ein falsches Tier erlegt werde. Dies sei sehr unwahrscheinlich.

Tierschützer sind gegen den Abschuss. Das Ministerium rechnet daher mit Klagen.

Marcus Stöcklin

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