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Norddeutschland Jäger sichten erstes Wolfsrudel im Land
Nachrichten Norddeutschland Jäger sichten erstes Wolfsrudel im Land
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16:55 29.06.2019
In Mecklenburg-Vorpommern wurden bereits Wolfsrudel gesichtet. Von dem mutmaßlichen Rudel in Schleswig-Holstein gibt es noch kein Foto. Quelle: Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz MV
Lübeck/Ratzeburg

„Das Muttertier mit den Jungen wurde von Jägern am Rande des Koberger Forstes bei Schretstaken gesichtet“, bestätigt KJS-Vorsitzender Bernd Karsten. Die Meldung sei an das Wolfsmanagement des Landes weitergeleitet worden, sagt Martin Michael, stellvertretender Leiter des dortigen Hegerings. „Ich selbst habe in meinem Revier auch einen starken Rüden gesehen.“

Amtlich sind die Beobachtungen der Jäger bis jetzt nicht. „Noch handelt es sich nur um eine Sichtmeldung“, hält Jens Matzen, Landes-Koordinator für die Wolfsbetreuung, fest. „Wir versuchen nun, Fotofallen einzurichten, um die Sichtung bestätigen zu können.“

Zur Bildung eines Wolfsrudels im Land war von Experten des Kieler Umweltministeriums bislang als unwahrscheinlich erachtet worden, da die Voraussetzungen in Schleswig-Holstein nicht ideal seien und große Waldgebiete fehlten. „Bestätigt sind bisher vier bis fünf Einzelwölfe“, erklärt Ministeriumssprecher Joschka Touré.

Jagd auf Problemwolf dauert an

Nach wie vor ist eine Gruppe von Wolfs-Jägern mit Ausnahmegenehmigung des Ministeriums indes hinter Problemwolf „GW 924m“ her. Wölfe sind in Deutschland an sich streng geschützt. Der Rüde hatte jedoch im Grenzbereich der Kreise Steinburg, Pinneberg und Segeberg wiederholt Schafe und Rinder gerissen, obwohl sie „wolfssicher“ eingezäunt waren.

Die bereits im Januar erteilte Genehmigung sei immer noch aktuell, sagte Touré. „Die Jäger sind dem Wolf weiter auf der Spur.“ Seit rund zwei Monaten gebe es aber keinen neuen Nachweise. Auch der zuletzt im Mai im Raum Herzogtum Lauenburg und Lübeck aktive Wolf sei nicht mehr aufgetaucht. „Vielleicht ist er nach Mecklenburg abgewandert“, vermutet Touré. Derzeit hätten auch Rehe und viele andere Wildtiere Junge, die eine leichte Beute seien. Schon früher habe sich auch der Problemwolf nie ausschließlich von Schafen ernährt.

Schafhalter nach wie vor in Sorge

Die betroffenen Schafhalter beruhigt das nicht. „Wir haben wieder die Spuren des Wolfs gesehen“, berichtet Züchterin Nicole Kruse aus Westerhorn (Kreis Pinneberg). Zuletzt habe der Wolf im April und im Mai zusammen fünf Schafe getötet. „Wir gehen jeden Tag mit Angst zur Koppel.“

Für Hans Heinrich von Maydell vom Landesbauernverband ist die Lage nach wie vor ernst. „Es gibt keine Entspannung.“ Er glaubt: „Der Wolf reißt nach wie vor Schafe. Das wird bloß nicht an die große Glocke gehängt. Auch die Halter wollen kein Aufsehen, weil es dann nur noch schwerer würde, den Wolf zu stellen.“

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Der Landesjagdverband kritisiert von Beginn an, dass die Revierjäger vor Ort in die Jagd auf „GW 924m“ nicht einbezogen würden. „Es würde die Wahrscheinlichkeit deutlich erhöhen, das Tier zu erlegen“, meint Marcus Börner, Geschäftsführer des Landesjagdverbands. Wichtig sei, dass der Rüde keinen Nachwuchs zeuge, denn dieser lerne dann ebenfalls, Nutztiere zu reißen. Es sei noch nicht zu spät, die Jäger einzubeziehen. „Unser Angebot steht.“

Marcus Stöcklin

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