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Norddeutschland Jeder zweite Seeadler lebt in MV – und in Gefahr
Nachrichten Norddeutschland Jeder zweite Seeadler lebt in MV – und in Gefahr
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10:46 25.12.2019
Ein Seeadler wird am 25.02.2016 in Roggendorf (Mecklenburg-Vorpommern) nach einer überstandenen Bleivergiftung von einem kleinen Hügel wieder in die Freiheit entlassen. Quelle: Christian Charisius/dpa
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Schwerin

 Etwa die Hälfte der deutschen Seeadler ist in Mecklenburg-Vorpommern zu Hause. In dem wasserreichen Bundesland leben derzeit etwa 380 Brutpaare. „Der Seeadler ist in Mecklenburg-Vorpommern nicht vom Aussterben bedroht“, sagte der Landeskoordinator für den Seeadler, Mario Müller, der Deutschen Presse-Agentur. Die Bestände des geschützten Vogels seien in den vergangenen Jahren stabil geblieben.

Seeadler gehören mit einer Flügelspannweite von 2,4 Metern zu den größten Greifvögeln Mitteleuropas. Bis Anfang der 1970er Jahre waren sie in Deutschland fast ausgerottet. Schutzprogramme sowie das Verbot des Insektizides DDT führten zu einer spürbaren Erholung des Bestandes.

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Die Verbreitung des Seeadlers. Grün: Ganzjährig, orange: Sommvervogel, blau: Vorkommen nur im Winter. Quelle: James Ferguson-Lees: Raptors of the World. Houghton-Mifflin Boston-New York. 2001 S. 403 Quelle: Ulrich Prokop/Wikipedia/CC BY-SA 3.0

Das ist die häufigste Todesursache für Seeadler

Heute gilt Bleivergiftung als häufigste Todesursache der Greifvögel. Rund ein Drittel der tot aufgefundenen Vögel in den vergangenen Jahren sei daran verendet, heißt es. „Wenn bei der Jagd auf Wild bleihaltige Munition verwendet wird und die Jäger Reste des erlegten Wildes in der Natur liegen lassen, bedient sich der Seeadler gerne daran“, sagte Müller. „So gelangen Teile der Bleimunition über den Verdauungstrakt in die Blutbahn des Vogels und führen zu einer Bleivergiftung.“

Jens Krüger in Papendorf bei Pasewalk hat viel mit kranken und toten Seeadlern zu tun, die er zur Untersuchung nach Berlin bringt. Der Gemeindearbeiter betreibt neben einem Storchenpflegehof auch eine Pflegestation für verletzte Seeadler oder elternlose Jungadler. Adler mit Bleivergiftungen erkenne man daran, dass sie apathisch irgendwo sitzen, etwa auf einem Baumstumpf, und nicht wegfliegen, sagte er.

„Dann zählt jede Stunde“

Ihre Exkremente seien grün. Solche Tiere packt Krüger ein und fährt sie nach Berlin in die „Adler-Klinik“, die Kleintierklinik der Freien Universität. „Dann zählt jede Stunde.“ In der Klinik würden die Vögel entgiftet. Wenn sie überleben, kämen sie in die Station zurück. In den beiden geräumigen Volieren können sie ihre Flugmuskulatur wieder aufbauen, bis sie zum Auswildern bereit sind.

Die achteckigen Volieren mit einem Durchmesser von jeweils 17 Metern baute der Netzbetreiber 50Hertz als Ausgleichsmaßnahme für die Anbindung von zwei Offshore-Windparks an das Höchstspannungsübertragungsnetz.

Darum gibt es noch kein Verbot für Bleimunition

Bleimunition ist in Mecklenburg-Vorpommern seit 2014 in den landeseigenen Forsten und den Nationalparks verboten. In privaten Wäldern dürfen Jäger die Munition weiter verwenden. Müller fordert ein allgemeines Verbot von Bleimunition im Land. „In anderen Bundesländern wie Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg existiert ein solches Verbot schon.“ Auch Umweltverbände wie der BUND fordern seit Jahren, bleihaltige Munition generell zu verbieten.

Nach Angaben des Agrar- und Umweltministeriums kann ein generelles Verbot bleihaltiger Munition nur durch eine Novellierung des Waffengesetzes erfolgen. „Dafür liegt die Gesetzgebungskompetenz beim Bund“, sagte eine Ministeriumssprecherin in Schwerin. Der Bund habe aber angekündigt, die notwendigen gesetzliche Vorgaben für die Verwendung von bleifreier Büchsenmunition zu novellieren. Danach könne auch das Land die Verwendung bleifreier Munition auf der gesamten Jagdfläche für verbindlich erklären.

Heute gilt Bleivergiftung als häufigste Todesursache der Greifvögel. Ein Drittel der tot gefundenen Adler in den vergangenen Jahren sei daran verendet, hieß es.

Klicken Sie hier, um weitere Bilder des majestätischen Seeadlers zu sehen.

Von RND/dpa

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