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Norddeutschland Jedes vierte Kind im Norden ist chronisch krank
Nachrichten Norddeutschland Jedes vierte Kind im Norden ist chronisch krank
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18:29 26.02.2019
Ein junger Patient wird untersucht. Jedes vierte Kind in Schleswig-Holstein leidet an einer chronischen Krankheit. Quelle: dpa
Kiel

25 Prozent aller Kinder und Jugendlichen habe „eine potenziell chronisch-somatische Erkrankung“, erklärte die Krankenkasse DAK am Dienstag bei der Vorstellung des Kinder- und Jugendreports 2018. Jungen sind demnach etwas häufiger betroffen als Mädchen. Am stärksten verbreitet seien Asthma und Neurodermitis, gefolgt von Heuschnupfen. Rund acht Prozent leiden an psychischen Erkrankungen, die sich dauerhaft entwickeln könnten. Für die an der Universität Bielefeld erarbeitete Studie hat die Krankenkasse alle Daten der bei ihr versicherten gut 30 000 Kinder und Jugendlichen in Schleswig-Holstein bis 17 Jahre aus dem Jahr 2016 zur Verfügung gestellt. Die Studie soll künftig jedes Jahr fortgeschrieben werden. „Wir leisten damit Pionierarbeit“, sagte Cord-Eric Lubinski von der DAK Schleswig-Holstein.

Große Unterschiede zwischen Stadt und Land

Kinder aus bildungsfernen Familien sind demnach besonders gefährdet für Karieserkrankungen oder Adipositas (Fettleibigkeit), aber auch bei Entwicklungs- und Verhaltensstörungen, Allergien und Asthma sind die Zahlen überdurchschnittlich hoch. Es gibt auch gravierende Unterschied zwischen Stadt und Land. So haben mehr Stadtkinder der Studie zufolge Karies oder Depressionen. Dagegen leiden in ländlichen Gebieten mehr Kinder und Jugendliche an Heuschnupfen.

Insgesamt seien die Kinder in Schleswig-Holstein aber gesünder als im Bundesdurchschnitt. So gebe es 20 Prozent weniger Kinder mit einem Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADHS), 16 Prozent weniger Stoffwechselerkrankungen, 13 Prozent weniger Hautkrankheiten und zwölf Prozent weniger Atemwegserkrankungen, hieß es. Allerdings hätten die Ärzte 19 Prozent mehr Depressionen diagnostiziert als im Bundesdurchschnitt.

Zu viele seelische Erkrankungen

Der Landesvorsitzende des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Ralf van Heek, verwies auf den „Glücksatlas“ – eine Umfrage, der zufolge die glücklichsten Menschen in Deutschland in Schleswig-Holstein leben. Glückliche Eltern strahlten entsprechend auf ihre Kinder aus. Hinzu kämen die überwiegend gute Luft und der hohe Anteil ländlicher Regionen. Es gebe aber zu viele chronische und seelische Erkrankungen im Norden. Dies könnte auch am Vitamin D-Mangel liegen wegen der im Vergleich zum Süden geringeren Sonnenstrahlung. Ihn erschrecke auch die hohe Zahl an Rückenschmerzen, weil hier oft der Anfang für eine chronische Schmerzkrankheit im Erwachsenenalter liege.

Van Heek warnte vor einem Mangel an Kinderärzten. Der Verband fordert, die Kindergesundheit zu fördern durch Armutsbekämpfung: Insbesondere durch kostenfreie Kitas, Lehr- und Lernmittel, bessere Schulen, eine kinderorientierte Verkehrs- und Wohnungsbaupolitik und bessere Lebensmittel. Dringend notwendig sei auch mehr Bewegung. Statt im „Elterntaxi“ zu fahren, sollten Kinder zur Schule laufen.

Garg: Weiter Prävention nötig

„Dass Kinder in Schleswig-Holstein laut Studie im bundesweiten Vergleich gesünder sind als anderswo, ist auch eine Bestätigung für die gemeinsamen Präventionsanstrengungen“, sagte Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP). Der Anteil an chronisch Erkrankten unterstreiche aber zugleich die Notwendigkeit weiterer Präventionsarbeit. „Hier sind insbesondere Eltern gefragt, aber auch Kitas, Schule und Umfeld, die beispielsweise durch gesunde Ernährung, Sport oder Bewegung zur Kindergesundheit beitragen können“, sagte der Minister. Auch mit der Stärkung der Kita-Qualität im Zuge der jetzigen Reform wollen wir dazu beitragen, dass die Jüngsten in einem gesunden Umfeld aufwachsen können“

Die DAK kündigte an, ihr Präventionsprogramm „fit4future“ für mehr Bewegung, gesünderes Essen und weniger Stress auszubauen. Bislang ist die DAK mit der Cleven Stiftung an rund 30 Grund- und Förderschulen aktiv. In diesem Jahr sollen weiterführende Schulen und ab 2020 auch Kitas einbezogen werden. Lubinski sprach sich dafür aus, an den Schulen ein Unterrichtsfach „Gesundheit“ einzuführen.

cri

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