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Norddeutschland „Jesus von Lübeck“: Das Ende einer Kaperfahrt
Nachrichten Norddeutschland „Jesus von Lübeck“: Das Ende einer Kaperfahrt
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13:40 28.12.2018
Ein Modell der "Jesus von Lübeck" im St. Annen-Museum Lübeck von 1939.. Erbauer ist Karl Reinhardt. Quelle: Jan Wulf
Lübeck

Der Name klang nach Himmel, an Bord war es die Hölle. Dicht zusammengepfercht und an den Füßen mit schweren Ketten gefesselt, saßen rund 400 Sklaven unter Deck. Die Körper ausgezehrt, die Köpfe voller Angst. Kapitän John Hawkins und seine Männer hatte entlang der Goldküste in Westafrika Jagd auf die Männer gemacht. An Bord der „Jesus von Lübeck“ wurden sie über das offene Meer nach Mittelamerika verschifft. Dort sollte die menschliche Fracht zu Geld gemacht werden. Es wurde im September 1568 aber die letzte Fahrt des stolzen Schiffes.

Eines der größten Schiffe seiner Zeit

Dass die „Jesus von Lübeck“ einmal ein Flaggschiff des Sklavenhandels werden sollte, war dabei fast drei Jahrzehnte zuvor noch nicht absehbar. Um das Jahr 1540 herum wurde die Karacke, eine Mischung aus Kriegs- und Handelsschiff, auf der Lastadie auf der Wallhalbinsel vor den Toren der Hansestadt gebaut. Vier Masten, 54 Meter lang, 12 Meter breit, 700 Tonnen Verdrängung. Eines der größten Schiffe seiner Zeit.

Ein Portrait des Seefahrers John Hawkins das im National Maritime Museum in London hängt. Es ist mit 1581 datiert. Quelle: HFR

Der englische König Heinrich VIII. persönlich hatte sie der Hansestadt um 1545 abgekauft. Die „Jesus von Lübeck“ sollte seine Royal Navy im Kampf gegen die Franzosen verstärken. Und sie machte ihre Sache gut. Wurde das Schiff einst mit 600 Pfund bewertet, stieg sein Wert durch gründliche Reparaturen bald auf 4000 Pfund. Das war wichtig. Denn in verhältnismäßig friedlichen Zeiten wurden die Schiffe der englischen Krone an Kaufleute verchartert. „Nichts Ungewöhnliches, weil die Kriegsflotte damals hauptsächlich aus Handelsschiffen bestand, die nur nach Bedarf schärfer bewaffnet wurden“, wie es der Lübecker Chronist Karl Reinhard im Jahr 1949 einst in seinen Aufzeichnungen zu dem Schiff beschrieb. Und die spätere englische Königin Elisabeth war demnach stets nach dem Wert des Schiffes, das sie zu Expeditionen auslieh, am Gewinn beteiligt.

Der Name als gutes Omen

1564 stellte sie die „Jesus“ erstmals dem Seefahrer John Hawkins zur Verfügung. Nach einer ersten erfolgreichen Beutereise wurde sie zu dessen Flaggschiff. 1568 stach Hawkins mit der „Jesus von Lübeck“ und fünf weiteren Schiffen erneut in See. „Der Name wurde seinerzeit nicht als Ironie aufgefasst, sondern als gutes Omen, als sicheres Zeichen dafür, dass diese zweite Handelsfahrt mit menschlicher Fracht unter dem Schutz des Himmels stehen würde“, wie es Autor Eigel Wiese in seinem Buch „Das schwärzeste Kapitel der christlichen Seefahrt“ formuliert. Hawkins Ziel: Zunächst wieder Westafrika, anschließend Mittelamerika, um die gehandelten und gefangenen Sklaven an dort lebende spanischen Siedler zu verkaufen. Eine gefährliche Mission, denn genau das hatte der spanische König verboten.

Folgenschweres Gefecht mit Spanien

Und so kam es vor der heutigen Küste Mexikos bei Veracruz am 23. September 1568 schließlich zu einem folgenschweren Gefecht mit der spanischen Flotte. Die überlegenen Spanier eröffneten das Kreuzfeuer auf die englischen Schiffe, feuerten aus allen Rohren. Der Großmast der „Jesus“ erlitt fünf Durchschüsse, der Fockmast war nach einem Treffer mit Kettenkugeln zerbrochen. Hawkins erkannte, dass er sein Flaggschiff aufgeben musste und legte das Schiff als Kugelfang zur spanischen Flotte, so dass er einen Teil der Waren von der „Jesus“ noch auf die anderen Schiffe umladen konnte. Hawkins ließ die „Jesus“ zurück und floh mit zwei Schiffen gen Heimat. 20 000 Golddukaten, Leinen, Tuch, Edelmetall und 50 Sklaven blieben unter Deck. Die Karacke „Jesus von Lübeck“ war in spanische Hände gefallen.

Eine Zeichnung der „Jesus von Lübeck“. Quelle: HFR

Auktion für ein zerschossenes Schiff

Der spanische Vizekönig wollte die zerschossene „Jesus“ noch im selben Jahr zu Geld machen. Bei einer ersten Auktion gab es laut Überlieferungen aber kein Gebot, bei einer zweiten Auktion waren dem Vizekönig 300 Dukaten zu wenig. In einem dritten Anlauf erzielte das Schiff schließlich 601 Dukaten – wer genau den Zuschlag erhielt, ist nicht überliefert. Es ist die Stelle, an der sich die Geschichte des Schiffes verläuft. Geblieben ist ein maßstabsgetreues Modell der Karacke, das im Lübecker St. Annen-Museum steht.

Jan Wulf

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