Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Jetzt kommt die heiße Phase für die DLRG-Retter
Nachrichten Norddeutschland Jetzt kommt die heiße Phase für die DLRG-Retter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:15 27.06.2019
DLRG-„Oldie": Gunter Buck ist mit 71 Jahren der älteste Rettungsschwimmer in Travemünde. Auf seinem Strandgang wird er von Kim Stucke begleitet. Quelle: Lutz Roeßler
Travemünde

An etwa 110 Stationen entlang der Ost- und Nordsee sorgen die Retter für die Sicherheit der Badegäste. „Für die Hauptsaison sind wir auch in diesem Sommer wieder gut mit ehrenamtlichen Rettungsschwimmern versorgt“, sagte der DLRG-Landesgeschäftsführer Thies Wolfhagen. „In der Hauptferienzeit müssen wir teils sogar Bewerbern absagen, weil keine passenden freien Stellen mehr besetzt werden können.“ Schwieriger ist es, in der Vorsaison von Mitte Mai bis zum Beginn der Sommerferien Rettungsschwimmer zu finden. Denn die meisten Retter sind Schüler oder Studenten.

DLRG bittet „Oldies“ um Unterstützung

Deswegen setzt die DLRG landesweit darauf, ältere Retter in der Vorsaison einzubinden, weil sie ferienunabhängig einsetzbar sind. Gerade die Lübecker DLRG habe gute Erfahrungen damit gemacht, Mitglieder der Altersgruppe „50 plus“ einzubinden. Einer von ihnen: Gunter Buck, mit 71 Jahren der Älteste auf der Wachstation in Travemünde.

Buck macht so ziemlich alles: Vom Wachturm aus beobachtet er durch das Fernglas den Strand und das Wasser und nimmt Funksprüche entgegen. Er leistet erste Hilfe, verarztet Wunden. Am liebsten ist er „Strandläufer“: Auf einem Stand-Up-Board paddelt er den Strand entlang und hat den besten Überblick, was im Wasser und an Land passiert. Mit seinem Board unternimmt er auch kleinere Rettungsaktionen. Manchmal schwimmen ältere Leute zur kleinen Badeinsel 200 Meter vom Strand entfernt, erzählt Buck. „Den Hinweg trauen sie sich noch zu, aber dann wissen sie nicht, wie sie zurückkommen sollen. Dann nehme ich sie auf meinem Brett zurück.“

Kontakt zu den älteren Badegästen

Wenn die Wellen zu stark sind, muss Buck auf sein Stand-Up-Paddle verzichten und läuft stattdessen den Strand rauf und runter. „Dann komm’ ich auch in Kontakt mit den Menschen.“ Gerade ältere Badegäste kennen ihn schon. Einige junge Helfer hätten manchmal Hemmungen, ältere Menschen anzusprechen und Hilfe anzubieten. Da helfe es, wenn ein „Oldie“ wie er dabei ist.

In der Ferienzeit passen bis zu 25 Rettungsschwimmer auf die Badegäste auf. Sie kommen aus ganz Deutschland.

Buck ist seit 2013 ehrenamtlicher Retter in Travemünde. Seine ersten Einsätze als Rettungsschwimmer bei der DLRG hatte er bereits in den 1960er Jahren auf Helgoland. „Das hat damals viel Spaß gemacht – und deswegen bin ich wieder eingestiegen. Ich bin in dem Alter, da kann man alles machen, was Spaß macht.“ Die Arbeit mit den jungen Leuten halte ihn fit – geistig und körperlich. Für den Einsatz bei der DLRG muss er die gleichen Tests ablegen wie seine jüngeren Kollegen. Wenn sein Körper mitmacht, will Buck noch die kommenden 20 Jahre in der Vor- und Nachsaison als Rettungsschwimmer für die Sicherheit der Badegäste sorgen.

Unterstützung aus dem Binnenland

Derzeit sind nur zehn Retter auf der Wachstation in Travemünde – es ist noch Vorsaison. Wenn die Sommerferien beginnen, sind zwischen 20 und 25 Ehrenamtliche sieben Tage die Woche im Einsatz. Die Rettungsschwimmer kommen aus ganz Deutschland, berichtet Matthias Müller: „Ohne die Ortsgruppen aus dem Binnenland könnten wir das hier gar nicht machen.“ Müller ist in dieser Woche Wachleiter in Travemünde. Der 37-Jährige kommt selbst aus Lüdenscheid in Nordrhein-Westfalen. Er hat sich eine Woche Urlaub genommen, um auf der Wachstation zu arbeiten.

Als Wachleiter muss Müller den Überblick behalten: In einem Einsatz koordiniert er, wer mit dem Boot rausfährt, wer erste Hilfe leistet. Entsprechend ihrer Qualifikation teilt er die ehrenamtlichen Helfer ein – auf einen der Wachtürme, auf das Boot, als Strandläufer oder als Sanitäter.

Bisher eher ruhige Saison

Während die Ehrenamtlichen alle zwei Wochen wechseln, bleibt Kim Stucke bis Ende Juli auf der Wachstation. Die 19-Jährige aus Baden-Württemberg macht ihren Bundesfreiwilligendienst bei der DLRG in Lübeck. Seit Mitte Mai ist sie fast jeden Tag in Travemünde am Strand. An ihrem ersten Wachtag hatte sie einen toten Schweinswal am Strand gefunden – „da mussten wir leider den Seehundjäger rufen“. Seitdem sei es zum Glück sehr ruhig gewesen. Nur während des Handball-Beach-Cups habe es mehrere Sanitätsfälle gegeben. Auch der DLRG-Landesverband Schleswig-Holstein berichtet, es habe noch keine größeren Rettungseinsätze dafür aber schon zahlreiche Erste-Hilfe-Einsätze und Suchmeldungen gegeben.

Auch, wenn es im Moment ruhig ist, weiß Gunter Buck, wie schnell sie die Situation ändern kann. „Es passiert ja immer etwas.“ Erst am Montagabend, nach einem ruhigen Tag, habe eine Mutter ihren vierjährigen Sohn als vermisst gemeldet. Glücklicherweise wurde der Junge schon nach kurzer Zeit am Strand wieder gefunden.

Was ist los am Strand? Was kann ich unternehmen? Tipps und Trends liefert die LN-Sommerredaktion.

Annabell Brockhues

Von Freitag bis Sonntag ist Hamburg wieder fest in der Hand von Harley-Fahrern. Höhepunkt ist die 30 Kilometer lange Parade am Sonntagmittag.

26.06.2019

Immer freitags können Touristen zu feuriger Musik im weißen Sand die Hüften schwingen. Aber auch an anderen Orten in der Region ist das karibische Tanzen möglich.

26.06.2019

Der Kreis Stormarn will für zusätzlichen Lärmschutz an der Bahnstrecke Hamburg–Lübeck kämpfen. Erster Teilerfolg: Die Bahn hat auf ein Schreiben von Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Bernd Buchholz in dieser Sache reagiert.

26.06.2019