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Norddeutschland Auf den Spuren des Fischotters bei Plön
Nachrichten Norddeutschland Auf den Spuren des Fischotters bei Plön
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07:40 15.08.2019
In einem der Kanus paddelt eine Hälfte der Teilnehmer mit Claus-Henrick Estorff (hinten) auf den Höftsee. Dabei treffen sie auf Eisvogel, Reiher und Kormoran. Quelle: Hassink
Plön

Das Wasser liegt spiegelglatt auf dem Höftsee bei Plön. Nur die Wassertropfen, die vom Paddel kullern, ziehen kleine Ringe auf der Oberfläche. „Jetzt einfach die Ruhe genießen“, sagt Carsten Burggraf. Er sitzt hinten in einem Kanu und steuert über den See.

Burggraf arbeitet für das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume. Er und Claus-Henrick Estorff von der Kreisjägerschaft Plön führen Feriengäste und Einheimische alle 14 Tage auf eine naturkundliche Kanu-Tour.

Sie sind auf den Spuren des Fischotters unterwegs: 19 Teilnehmer der Kanu-Tour auf der Schwentine entdecken den Lebensraum des Tieres und andere Bewohner des Gebiets von Nahem.

Sie beginnt um 19 Uhr und gehört zur Reihe „Nachtgeflüster“ der Kreisjägerschaft. Ziel der 2,5-stündigen Veranstaltung ist es, den Teilnehmern Natur und Schutzmaßnahmen näherzubringen. „Das, was die Leute kennen, sind sie auch bereit zu schützen“, sagt Burggraf. Er und Estorff sind gerade dabei die beiden Kanadier, mit denen es heute auf die Schwentine gehen soll, vorzubereiten.

Fast verschwunden: Der Fischotter in Schleswig-Holstein

Die ersten der 19 Teilnehmer trudeln ein. Mit Schwimmweste und Paddel ausgestattet geht es zum Anleger. Estorff und Burggraf begrüßen die Runde und weisen sie kurz ins Kanufahren ein. Dann erzählt Burggraf etwas über den Otter. Das Raubtier war in den 80er Jahren in Schleswig-Holstein fast ausgestorben. Der Grund: Gewässer wurden begradigt, wodurch das Tier seinen Lebensraum verlor. Aber auch die Verschmutzung des Wassers und seiner Nahrung setzten dem Otter zu. „Als Fischfresser war er auch nicht sehr beliebt bei den Fischern und wurde bejagt“, sagt Burggraf. Seit gut 20 Jahren ist der Fischotter aber zurück und zieht an der Schwentine seine Jungen auf.

Der Fischotter in der Schwentine

50 000 Haare hat ein Fischotter auf einem Quadratzentimeter Haut. Damit ist er vor Nässe und Kälte gut geschützt. Insgesamt kann der Otter acht Minuten lang unter Wasser bleiben. Dabei klappt er seine Ohren zu, sodass kein Wasser eindringt.

Die Seen des Schwentine-Systems gehören zu den Natura 2000 Gebieten. Das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume arbeitet an Maßnahmen, sodass Natur und Mensch hier in Einklang leben können.

Das Otter-Picknick findet noch am 22. August um 19 Uhr und am 5. September um 18 Uhr statt. Eine Anmeldung bei der Tourist-Info Plön ist erforderlich. Inklusive Picknick kosten die Karten 13 Euro für Erwachsene und acht Euro für Kinder.

Die zwei Kanus sind nun auf dem Wasser in Richtung Höftsee unterwegs. An der Brücke bei der Sohlgleite Ölmühle machen sie einen kurzen Stop. Denn unter der Brücke verstecken sich immer wieder Otter. Das beweist auch der Inhalt Burggrafes Hand: Otter-Losung. Anders ausgedrückt: Otter-Kot. Die Teilnehmer beugen sich neugierig vor. „Manchmal erkennt man auch Fischschuppen oder kleine Krebsscheren“, sagt Burggraf.

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Fischotter sind nachtaktiv und sehr scheu

Dass bei einer der Touren tatsächlich ein Otter gesehen wird, ist aber unwahrscheinlich. „Ich beobachte den Fischotter schon seit zwölf Jahren und noch nie bin ich einem in echt begegnet“, sagt Burggraf. Nur über versteckte Kameras hat er die nachtaktiven Tiere bisher gesehen. „Manchmal berichten Fischer oder Jäger im Ansitz über Sichtungen.“

Dafür folgen die Teilnehmer der Spur der Otter und bekommen andere Bewohner der Schwentine zu Gesicht. Zum Beispiel Graureiher, Flussseeschwalben oder Kormorane. Letztere sitzen im Höftsee auf einem Ast im Wasser. „Man nennt sie auch das ,fliegende Kreuz’ wegen ihrer Form“, erklärt Burggraf.

Pause auf dem Behler See – Zeit fürs Otter-Picknick

In gleichmäßigen Schlägen paddeln die Teilnehmer vom Höftsee weiter zum Behler See. An einer kleinen Bucht werden die Kanus festgemacht. Zeit fürs Otter-Picknick – einem Fischbrötchen. „Paddeln ist cool“, sagt Julian (5) zu seiner Mama Kerstin Boldt. Die beiden kommen aus Berlin und besuchen ihre Familie in Plön. „Wir sind gerne auf dem Wasser“, sagt sie. „Und man lernt noch etwas über die Gegend.“

Auch Thomas und Annette Vogel sind von der Kanu-Tour begeistert. „Unsere Tochter und ihr Freund interessieren sich unglaublich für Otter“, erzählt Thomas Vogel. „Deswegen mussten wir hier heute mit.“ Das Ehepaar aus Düsseldorf ist tagsüber mit dem Boot über die Seen gefahren. „Jetzt ist man aber einfach näher dran“, sagt Annette Vogel.

Langsam verschwindet die Sonne hinter den Bäumen. „Da, ein Eisvogel“, ruft Burggraf. Dicht über das Wasser fliegt der blaue Vogel. „Der hat sogar einen Fisch im Schnabel“, ergänzt Estorff. „Und so tief wie er fliegt, muss das ein ganz Dicker sein.“ Mittlerweile ist es neun Uhr. Bis auf das Schlagen der Paddel ist es still, während Burggraf und Estorff die Kanus zurücksteuern.

Von Saskia Hassink

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