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Norddeutschland „Besinnung kann auch ein Spaziergang am Meer sein“
Nachrichten Norddeutschland „Besinnung kann auch ein Spaziergang am Meer sein“
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19:01 18.04.2019
Rebecca Lenz (51) ist Pastorin der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Bad Segeberg. Am Karfreitag hält sie um 9.30 Uhr einen Gottesdienst in der Versöhnerkirche, am Ostersonntag beginnt ihr Gottesdienst um 10 Uhr in der Marienkirche von Bad Segeberg. Quelle: Oliver Vogt
Bad Segeberg

Pastorin Rebecca Lenz verrät, wovon ihre Karfreitagspredigt handelt – und worüber sie am Ostersonntag spricht.

Der Wetterbericht verspricht für Karfreitag wärmende Frühlingssonne. Weshalb sollten Menschen an diesem Tag in dunkle Kirchen gehen und die Geschichte der Kreuzigung Jesu hören?

Ich hoffe, dass es in der Kirche nicht immer nur dunkel ist. Die Geschichte der Kreuzigung Jesu gehört zu unserem Kirchenjahr, wie zu jedem Leben dunkle Zeiten, Leiden, Tod und Sterben gehören. Viele Menschen leben im Dunkeln, in Kriegs- und Krisengebieten, in Elend und Not.

Der Karfreitag gilt als stiller Feiertag, an dem Discos geschlossen sind und bestimmte Filme nicht gezeigt werden. Finden Sie Vorschriften wie das Tanzverbot richtig?

Ja. Die christliche Tradition gehört zu unserer Kultur. Das hilft, um deutlich zu machen, dass im Leben nicht alles Jubel, Trubel, Heiterkeit ist, und um den Blick dafür zu öffnen, dass es viele Kreuzigungsgeschichten in der Welt gibt. Das gehört zum Leben dazu. Es ist gut, dass es einen Tag gibt, an dem man sich darauf besinnt.

Haben Sie Verständnis für jene, die bei dem Wetter sagen: Da fahre ich lieber an die See?

Absolut. Jeder muss für sich sehen, wie er diesen Tag füllt. Besinnung heißt ja auch nicht, dass man sich in sein kleines Kämmerlein zurückzieht. Das kann auch ein Spaziergang am Meer sein. Oder Zeit für Gespräche mit anderen – oder mit sich selbst.

Welcher Predigttext fällt Ihnen leichter: der zu Karfreitag oder der zu Ostersonntag?

Spannende Frage. Ich schreibe beide richtig gern. Das eine ist für mich vom anderen nicht zu trennen. Die Osterfreude und das Lachen am Ostersonntag steht für die Befreiung von der lähmenden Seite, die all das Leid mit sich bringt. Zur Osterpredigt gehört bei mir immer auch ein Witz, am Sonntag geht es um einen Cartoon der Peanuts.

Welchen Akzent setzen Sie am Karfreitag?

Meine Predigt wird vom Opferbegriff handeln: Opfer von Naturkatastrophen aufgrund des Klimawandels, Opfer im Straßenverkehr, Opfer als Schimpfwort unter Jugendlichen. Was hat das damit zu tun, dass Jesus als Opfer bezeichnet wird? Meiner Überzeugung nach, macht er damit seine Solidarität mit allen Opfern der Welt deutlich. Er leidet mit ihnen. Und mahnt uns, dass es dieses Leid nicht geben sollte . . . Solange es solches Leiden gibt auf der Welt, müssen wir uns dem stellen, muss es einen Karfreitag geben. Wir können das nicht beiseite wischen mit Tanzen, Hopsen, Tralala.

Dringen solche Botschaften noch durch in einer Zeit, in der viele sich von Informationen überrollt fühlen?

Die Gottesdienste an Karfreitag und Ostern werden gut besucht. Nicht so wie Weihnachten, aber insgesamt 200 Menschen kommen dann schon in die Marienkirche. Das zeigt mir, dass es auch eine Sehnsucht gibt, Kraft und Trost in der Kirche bekommen.

Können Sie sich vorstellen, im Kloster zu leben?

(Lacht.) Nicht dauerhaft. Dafür liebe und genieße ich das Leben in all seinen Facetten zu sehr. Aber ich finde kontemplative Zeiten wichtig. Einmal im Jahr gehe ich eine Woche ins Kloster, in Bayern oder auch in Nütschau, um innerlich aufzutanken.

Wie versuchen Sie, die Menschen auch mal zum Innehalten zu bewegen?

Indem ich sie dazu einlade. Wir bieten medidative Andachten an, eine halbe Stunde nicht zum Reden, sondern zur inneren Einkehr. Auch fast jeder Gottesdienst schafft solche Möglichkeiten.

Die Fastenzeit geht vorüber. Worauf haben Sie seit Aschermittwoch verzichtet?

(Lacht) Ich habe auf Süßigkeiten verzichtet – und auf die Waage.

Ist beides gut gelungen?

Die Waage ist im Schrank geblieben. Aber mit den Süßigkeiten . . . Da habe ich jeden Sonntag Fastenbrechen gemacht, Klein-Ostern sozusagen, sonst hätte ich das nicht durchgehalten.

Hier lesen Sie unsere Reportage: Ein Tag im Kloster Nütschau

Lars Fetköter

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