Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Wespenplage fällt dieses Jahr im Norden aus: Experten rätseln über Ursachen
Nachrichten Norddeutschland Wespenplage fällt dieses Jahr im Norden aus: Experten rätseln über Ursachen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:48 26.08.2019
Wespen auf einer Mirabelle. Quelle: dpa
Lübeck

Die belegten Brötchen in der Bäckerei-Auslage sind frisch und appetitlich zurecht gemacht. Normalerweise ein Festmahl – auch für die Wespen. Dieses Jahr aber bleiben die lästigen Insekten offenbar aus. „Spätestens Mitte August geht es sonst doch los“, wundert sich Bäckereiverkäuferin Monique Thomas (28) von Brot-Rock in Lübeck. „Man kennt es nicht anders.“

Wespensaison seit Ende Juli

Auch Dagmar Czudaj (61) vom Café Czudaj wundert sich. „Es sind fast keine da. Letztes Jahr um diese Zeit haben sie sich draußen gleich zu mehreren auf die Teller gestürzt.“ Von Ende Juli bis in den September gehe die Wespensaison. „Es kann ja noch kommen.“ Aber wünschen würde sich die Konditorin das nicht.

Im Lübecker Marzipanspeicher verkauft Luise Asmussen (20) Eis und Süßigkeiten – bisher wespenfrei. „Hatten wir dieses Jahr noch gar nicht. Höchstens ab und zu verirrt sich mal eine.“

Bäcker und Konditoren in Lübeck sind ganz froh, dass sie in diesem Jahr bisher von Wespen verschont geblieben sind.

Schädlingsbekämpfer bestätigen den Trend. „In sechs Monaten hatte ich zwei Hornissennester“, sagt Arthur Schobeß (53) von der Lübecker Wespen- und Hornissenberatung. Dirk Köppen (59), Wespen-Experte des örtlichen Imkervereins, geht es ähnlich. „Dieses Jahr hatte ich fast keine Anrufe. Voriges Jahr bestimmt 50.“ Der Imker vermutet, dass den Wespen und Hornissen das „Auf und ab“ des Wetters nicht bekommen sei. „Mal war es zu warm, mal zu kalt. Das mögen die nicht.“ Auch Bienen gebe es weniger. „Diese Schwankungen von Jahr zu Jahr sind an sich normal. Auch Obstbäume tragen ja mal mehr und mal weniger.“

Regionale Unterschiede

Thomas Behrens, Insekten-Experte des Nabu-Landesverbandes aus dem Kreis Stormarn, macht sich zumindest um den Hornissenbestand derzeit noch keine Sorgen. „Das ist regional verschieden“, versichert er. Wespen aber habe auch er „tendenziell weniger“ beobachtet. Eine mögliche Erklärung: Voriges Jahr seien ganze Völker am Ende der Hitze- und Trockenperiode regelrecht verhungert. Auf diese Weise hätten weniger Königinnen überlebt, was sich nun bemerkbar machen könne.

Im übrigen sei das Insektensterben eine langfristige Tendenz. „Unsere heimischen Wespenarten waren bisher nicht betroffen. Hornissen sind teils schon seltener geworden.“ Am meisten leiden laut Behrens Rüssel- und Blattkäfer, von denen einige Arten auszusterben drohten. „Sie kommen am ehesten mit in der Landwirtschaft eingesetzten Pestiziden und Düngemitteln in Berührung.“

Schützen statt Zerstören

Dieser Ansicht ist auch Lasse van Aken (36), Landwirtschaftsexperte bei Greenpeace. „Die Zahl der Landwirte in Deutschland nimmt immer mehr ab“, sagt er und forscht nach Ursachen. „Die bewirtschaftete Fläche aber bleibt gleich.“ Felder würden zusammengelegt, Knicks zerstört, Pflanzenschutzmittel großflächiger eingesetzt und der Boden durchgehend tief bearbeitet. „Leider teilt die EU Fördermittel auch noch nach Flächengröße aus. Wer Blühstreifen anlegt und Hecken pflanzt, sollte mehr belohnt werden.“

Wer Wespen- oder Hornissennester finde, solle sie jedenfalls nicht einfach zerstören, raten die Naturschützer. Genau wie Hummeln stehen Hornissen und Wespen unter Artenschutz. Schobeß und Köppen versuchen daher, die Nester vor Ort abzusichern. Oft seien die Tiere gar nicht aggressiv, weiß Köppen, eine Ausnahme seien Erdwespen. Nur im Notfall werde ein Nest umgesetzt. Auch er selbst habe ab und zu Wespennester im Garten – was ihn überhaupt nicht störe.

Lesen Sie auch:

Trockene Hitze – viele Insekten lieben es

Vorsicht: Wespen auf Zuckerjagd

Zum Schutz der Bienen – Imkerverein verteilt Kräutersamen

Von Marcus Stöcklin

Schafft die Einführung einer Vermögenssteuer mehr Gerechtigkeit? Oder gefährdet sie die Existenz von Betrieben? Im Norden findet die Idee der SPD ein ganz unterschiedliches Echo.

26.08.2019

Ein Vierjähriger ist am Sonntag beim Spielen in einem reisenden Freizeitpark in Husum schwer verletzt worden. Der Junge wurde vermutliche durch wildes Hüpfen eines Erwachsenen aus einer Hüpfburg geschleudert. Nach dem Unfall ging der Mann einfach weg – ohne sich um das Kind zu kümmern.

26.08.2019

Die Bundespolizei hat am vergangenen Wochenende in Kiel gleich zwei Besatzungsmitglieder von Aida-Kreuzfahrtschiffen gestellt. Gegen die Männer waren Haftbefehle offen. Ein Mitarbeiter musste ins Gefängnis. Der andere durfte seine Reise fortsetzen – weil Kollegen ihm Geld liehen.

26.08.2019