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Norddeutschland Schleswig-Holstein gegen dauerhafte Jagd von Nandus
Nachrichten Norddeutschland Schleswig-Holstein gegen dauerhafte Jagd von Nandus
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16:43 31.01.2020
Mecklenburg-Vorpommern, Wendorf: Ein wildlebender Nandu rennt über einen Acker. Das Kieler Umweltministerium sieht keine Notwendigkeit für eine dauerhafte Jagd der Vögel in Schleswig-Holstein. Quelle: Jens Büttner/zb/dpa
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Kiel

Das schleswig-holsteinische Umweltministerium sieht keine Notwendigkeit für die Freigabe der Jagd auf Nandus, die aus Südamerika stammen, an der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern. „In Schleswig-Holstein ist es durch die Nandus in der Grenzregion bisher nicht zu großen Fraßschäden gekommen, die eine dauerhafte Jagd rechtfertigen“, sagte Umwelt-Staatssekretärin Dorit Kuhnt der Deutschen Presse-Agentur. Wenn große wirtschaftliche Schäden vorlägen, sei aber ein vereinzelter Abschuss von Tieren möglich.

Ganzjährige Jagd auf Jungtiere

Das Nachbarland Mecklenburg-Vorpommern will den flugunfähigen Großvogel aus Südamerika, der im Nordwesten des Landes an der Grenze zu Schleswig-Holstein eine in der Vergangenheit stark gewachsene Population gebildet hat, ins Jagdrecht aufnehmen. Dort sollen Jungtiere (Jährlinge) von Rhea americana künftig ganzjährig gejagt werden dürfen, ausgewachsene Hennen und Hähne ab einem Alter von zwei Jahren zwischen dem 1. November und dem 31. Januar. Der Verordnungsentwurf befindet sich nach Angaben des Schweriner Umweltministeriums in der Verbandsanhörung.

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Einzigen wilden Nandus in Europa

Die Population am Ratzeburger See in Norddeutschland ist die einzige wildlebende in Europa. Sie besteht laut der Herbstzählung 2019 aus 456 Tieren und ging aus einigen wenigen Tieren hervor, die zwischen 1999 und 2001 aus einer Privathaltung entkommen waren. Die vermehrungsfreudigen Tiere fressen mit Vorliebe Raps und richten auf Feldern erhebliche Schäden an. Im vergangenen Jahr durften ortsansässige Landwirte 2019 erstmals 20 Alttiere schießen.

Jäger wünschen sich einheitliches Vorgehen

„Eine Bejagung ist genau der richtige Weg“, sagt Marcus Börner, Geschäftsführer des Landesjagdverbandes Schleswig-Holstein. Die Nandus seien keine heimische Art und hätten hier keine natürlichen Feinde. „Es wäre schön gewesen, wenn sich beide Länder auf ein gemeinsames Vorgehen verständigt hätten“, sagt Börner. Er könne nicht genau beurteilen, wie groß die ökologischen und wirtschaftlichen Schäden durch die Nandus seien, „Aber je länger man wartet, um so schwieriger wird es und um so intensiver muss man dann versuchen, die Population zu begrenzen.“ Andere Wildtiere, die ausbrechen, würden auch bejagt. „Unser Appell ist: Die Länder sollten sich einigen. Wir könnten den Weg von Mecklenburg-Vorpommern mitgehen.“

Wo kommen die denn her? Ob Nandu, Waschbär oder Delfin: Diese Tierarten kommen eigentlich nicht aus dem Norden, haben es sich hier aber ausgebreitet und angesiedelt.
In der Bildergalerie sehen Sie viele weitere Eindrücke der am Ratzeburger See (Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern) lebenden Nandus.

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Von dpa/cri