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Norddeutschland Kiel erklärt den „Klimanotstand“ – als erste Landeshauptstadt
Nachrichten Norddeutschland Kiel erklärt den „Klimanotstand“ – als erste Landeshauptstadt
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20:57 16.05.2019
Hohe Umweltbelastungen am vielbefahrenen Theodor-Heuss-Ring haben in Kiel das Thema Klimaschutz seit längerem stärker in den Fokus gerückt. Quelle: Carsten Rehder/dpa
Kiel

Landstrom, E-Busse, ein neues Gaskraftwerk und ein Schnellweg für Radfahrer – Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt hat für sauberere Luft zuletzt einiges getan. Doch das reicht ihr lange nicht. Jetzt kündigt sie ein höheres Tempo an – und ruft den „Klimanotstand“ aus. Die Ratsversammlung beschloss am Donnerstag einen entsprechenden Antrag. „Das ist ein starkes Signal der Landeshauptstadt für den Klimaschutz“, sagte Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne).

Die Initiatoren streben an, dass Kiel vor 2050 klimaneutral wird und damit früher als geplant. Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) unterstützte das Ziel. Kiel ist die erste Landeshauptstadt in Deutschland, die den Klimanotstand ausruft. Konstanz in Baden-Württemberg war die erste Stadt in der Bundesrepublik, die das tat. Am Mittwoch folgte Ludwigslust in Mecklenburg-Vorpommern. In anderen Städten gibt es Aufrufe, diesen Beispielen zu folgen.

Fridays for Future“ im Rathaus angekommen

„Die Eindämmung des Klimawandels und seiner Folgen hat für uns Priorität“, heißt es in dem Antrag der vier Kieler Fraktionen. „Die mehr als 250 vorgeschlagenen Maßnahmen im Masterplan Klimaschutz wollen wir weiterhin zügig umsetzen.“ Die Stadtverwaltung solle Maßnahmen vorschlagen, die vorgezogen werden können. „Dazu werden wir bis zur nächsten Ratsversammlung Vorschläge unterbreiten“, kündigte OB Kämpfer an. Mit dem Antrag der Kieler Kooperationsfraktionen sei die Bewegung „Fridays for future“ in den Rathäusern angekommen.

Lesen Sie hier:
Alles über die „Fridays For Future“-Bewegung in Schleswig-Holstein

„Mit der Entscheidung für weitgehende Maßnahmen nimmt Kiel seine Verantwortung für die international verbindlichen Klimaschutzziele wahr“, sagte Minister Albrecht. Der Bund stehe dagegen auf der Bremse. Ohne zentrale Weichenstellungen auf Bundesebene werde Deutschland seine Ziele verfehlen. „Dazu gehört die von uns in der Jamaika-Koalition vorgeschlagene Bepreisung von CO2, die viele kommunale Klimaschutzprojekte erst finanzierbar macht.“

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Schüler aus Norddeutschland erzählen, warum sie sich für den Klimaschutz engagieren und bei der Bewegung „Fridays for Future“ mitmachen.

Klimaforscher Mojib Latif unterstützt Bürgerinitiative

Mit prominenter Unterstützung stellte die Bürgerinitiative Klimanotstand Kiel vor dem Rathaus eine Resolution vor, nach deren Forderungen binnen 15 Jahren alle Lebensbereiche vom Einsatz fossiler Brennstoffe befreit werden sollen. „Die Zeit läuft uns davon; wir laufen sehenden Auges ins Verderben“, sagte der Klimaforscher Mojib Latif der dpa. „Es wurde viel zu lange zu langsam agiert – wenn überhaupt.“ Klimaschutz sei auch im ökonomischen Interesse Deutschlands. „Klimaschutz ist Sicherung unseres Wohlstandes.“

Hohe Umweltbelastungen am vielbefahrenen Theodor-Heuss-Ring und die Schadstoffemissionen der Kreuzfahrtschiffe haben in Kiel das Thema Klimaschutz seit längerem stärker in den Fokus gerückt. Mittlerweile gibt es die erste Landstromanlage für die Norwegen-Fähren. Vom nächsten Jahr an sollen auch Kreuzfahrer und Schweden-Fähren Landstrom beziehen können. Viele Reedereien nutzen aber vorerst weiter Strom aus ihren Dieselmotoren, weil dieser viel billiger ist. Mittlerweile hat aber der Bund angekündigt, die EEG-Umlage für Landstrom drastisch zu senken, um diesen günstiger zu machen.

Klimaschutz mit anderen Belangen vereinen

Die vier genannten Kieler Ratsfraktionen setzen sich auch dafür ein, im Bemühen um mehr Klimaschutz soziale, ökologische und ökonomische Belange miteinander zu verzahnen. Die Maßnahmen dürften nicht jene treffen, die finanziell schlechter dastehen. „Bei allen Handlungen und Beschlüssen der Landeshauptstadt Kiel und der Selbstverwaltung werden wir die Auswirkung auf das Klima berücksichtigen“, heißt es weiter.

dpa/RND

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