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Norddeutschland Kiel macht der Bahn Dampf
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12:49 24.06.2018
Auf der Marschbahn zwischen Elmshorn und Westerland auf Sylt waren allein für den Februar mehr als 2000 Abo-Kunden der Bahn entschädigt worden. Quelle: dpa
Kiel

"Die Quittung bekommen wir jetzt", sagte Buchholz vor Gleisbauunternehmern in Timmendorfer Strand (Ostholstein). „Wer so schlechte Leistungen abliefert wie die DB Regio, muss damit rechnen, dass ich Geld einbehalte – und zwar sofort“, erklärte Buchholz. Und das Repertoire seiner „Folterinstrumente“ sei damit noch nicht am Ende.

Entzündet hat sich der Konflikt an desaströsen Verhältnissen im Netz West. Auf der Marschbahn zwischen Elmshorn und Westerland auf Sylt waren allein für den Februar mehr als 2000 Abo-Kunden der Bahn entschädigt worden. Die Überweisungen belaufen sich laut DB Regio auf 122.000 Euro, gezahlt aus dem vom Land einbehaltenen Geld. Seit wenigen Tagen ist das Entschädigungsportal für März und April geöffnet. Wegen anhaltender Defizite bei Betrieb und Instandhaltung war die Bahn vor einer Woche beim Verkehrsverbund Nah.SH einbestellt worden. 

Buchholz will sich nicht länger vertrösten lassen. Es sei inakzeptabel, dass die Bahn offenbar „alles dafür tut, Menschen vom Umsteigen auf die Schiene abzuhalten“. Der Verkehrsminister reagierte mit einem Sonder-Malus: Im Februar, März und April wurden der Bahn 350.000 Euro abgezogen. Als sich die Situation im Mai weiter verschlechterte, waren es 500.000 Euro. Das monatliche Trassenentgelt des Landes an die DB Regio liegt bei 3,5 Millionen Euro. Buchholz: „Die Bahn muss verstehen, dass wir hier Druck aufbauen.“

Verärgert äußerte sich der FDP- Minister darüber, dass die Bahn die jüngsten Malus-Zahlungen nicht akzeptieren will. Stattdessen würden Zuständigkeiten innerhalb des Bahn-Konzerns hin- und hergeschoben. „Notfalls werden wir uns vor Gericht treffen", sagte Buchholz. Die Bahn, die gegen den so nicht üblichen Sanktionsmodus klagen könnte, reagiert kleinlaut. „Wir sind uns bewusst, dass die aktuellen Leistungen nicht unseren Qualitätsansprüchen und denen unserer Kunden auf dieser Strecke entsprechen“, erklärte Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis

Buchholz, zugleich Tourismusminister, fürchtet auch um das Image des Landes bei Urlaubern. Auf der Strecke NiebüllWesterland, „der einzigen echten Verbindung nach Sylt“, habe die Pünktlichkeit der Züge zuletzt unter 50 Prozent gelegen. Zugausfälle lagen auf dem Teilstück bei 4,1 Prozent. Vertraglich vereinbart ist eine Ausfallquote von maximal ein Prozent. Buchholz schimpft: „Wird der Lokführer krank, fällt der Zug aus.“ Was hier passiert, sei eine Schande für eine Industrienation wie Deutschland.

Von Curd Tönnemann

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