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Norddeutschland Erster Warnstreik am UKSH in Kiel
Nachrichten Norddeutschland Erster Warnstreik am UKSH in Kiel
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18:35 25.01.2019
Beschäftigte des Universitätsklinikums (UKSH) in Kiel demonstrieren während eines Warnstreiks vor dem Gewerkschaftshaus für höhere Gehälter. Grund für den Warnstreik ist der erfolglose Verhandlungsauftakt zwischen Gewerkschaften und der Tarifgemeinschaft der Länder. Quelle: Scholz/dpa
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Kiel/Lübeck

Sechs Prozent mehr Lohn, mindestens 200 Euro mehr pro Monat: Das ist die Forderung, mit der die Gewerkschaften in die Tarifrunde im öffentlichen Dienst der Länder gehen. Am Freitag legten etwa 150 Kieler Beschäftigte des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) und des Zentrums für Integrative Psychiatrie (ZIP) in Kiel die Arbeit nieder. Damit sollte ein erstes Signal an die Arbeitgeber gesendet werden. Neben der Forderung nach mehr Lohn schwingt auch immer das Thema Personalmangel in Kliniken und miserable Besetzung der Stationen mit, sagt Christian Godau, Verdi-Bezirkssekretär für Kiel-Plön.

Kiel machte den Auftakt, Lübeck könnte bald folgen. „Wir sind in der betrieblichen Mobilisierung und bereiten einen zentralen, ganztägigen Warnstreik vor, der rechtzeitig vorher bekanntgegeben wird“, sagt Berith Jordan, Verdi-Geschäftsführerin für den Bezirk Lübeck-Ostholstein.

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„Ich gehe von schwierigen Verhandlungen aus, denn die Gewerkschaften haben sehr hohe Forderungen gestellt“, sagt Schleswig-Holsteins Finanzministerin Monika Heinold (Grüne). „Meine Leitplanken in den Verhandlungen heißen Stärkung des öffentlichen Dienstes sowie Finanzierbarkeit für die Länder, auch für die finanzschwächeren“, fügt sie hinzu. Das Land habe sich in seiner Finanzplanung auf eine mögliche Tarif- und Besoldungssteigerung für die Jahre 2019/20 in Höhe von je drei Prozent eingestellt und dafür entsprechende Vorsorge getroffen. „Unser Ziel ist es, den Tarifabschluss auch für die Beamten und Versorgungsempfänger zu übernehmen“, erklärt Heinold. Der Verhandlungsführer der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL), Berlins Finanzsenator Matthias Kollatz, hatte die Forderungen der Gewerkschaften schon zuvor als „völlig überzogen“ abgelehnt. Das würde die Länder mehr als 2,7 Milliarden Euro pro Jahr kosten.

Die Tarifrunde betrifft Angestellte der Länder unter anderem in den Bereichen Kliniken, Universitäten, Straßenmeistereien, Küstenschutz, Katasterämter, Landesvermessungsämter, Landesamt für soziale Dienste, Kitas des Studentenwerks sowie um Landesbedienstete in den Bereichen Schulen und Polizei. „Wir werden versuchen, dass die Erzieherinnen und Erzieher der Universitäts-Kitas genauso viel verdienen wie ihre Kolleginen und Kollegen in kommunalen Kitas“, sagt GEW-Landesgeschäftsführer Bernd Schauer. Hier gehe es um etwa 200 Beschäftigte. Außerdem geht es bei der GEW um die Besserstellung der knapp 3000 angestellten Lehrkräfte an schleswig-holsteinischen Schulen. Bei der Polizei sind etwa 1000 Tarifbeschäftigte betroffen. „Als Gewerkschaft der Polizei werden wir die Forderungen paaren mit dem Thema Weihnachtsgeld und Verkürzung der Wochenarbeitszeit“, sagt der GdP-Vorsitzende Torsten Jäger.

Sollten die Arbeitgeber auch bei der zweiten Verhandlungsrunde am 6. und 7. Februar kein verhandlungsfähiges Angebot machen, sei mit ganztägigen Warnstreiks zu rechnen – und dann neben Kiel auch am UKSH-Standort in Lübeck, kündigt die Gewerkschaft Verdi an.

Christian Risch