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Norddeutschland Kinder-Leukämie durch Hochspannungsleitungen?
Nachrichten Norddeutschland Kinder-Leukämie durch Hochspannungsleitungen?
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06:01 23.06.2019
Hochspannungsleitungen sind gefährlich, vorgeschriebene Sicherheitsabstände sollen schützen. Quelle: dpa
Lübeck/Paris,

Es gebe ein „mögliches“ Leukämie-Risiko für Kinder, die sich dauerhaft in der Nähe von Hochspannungsleitungen aufhalten, warnte jetzt die französische Gesundheitsbehörde Anses. Zugleich riet sie davon ab, Schulen nahe solcher Leitungen zu bauen. Beweise gebe es aber für diese Theorie nicht.

„Sensible Menschen leiden“

Trotzdem sorgt das Thema, das auch im Norden bereits seit längerem diskutiert wird, jetzt wieder für Befürchtungen. „Sensible Menschen nehmen die Nähe zur Hochspannung wahr“, ist Ole Eggers, Landesgeschäftsführer der Naturschutzorganisation BUND überzeugt. Dies könne zumindest zu Allergien und psychosomatischen Beschwerden führen. Selbst wenn die Leukämie-These nicht bewiesen sei: „Es wird häufig davor gewarnt, in die Nähe von Hochspannungsleitungen zu ziehen.“

Belastung durch Haushaltsgeräte

„Es gibt in der Tat Studien, die einen Zusammenhang nahelegen“, weiß der Lübecker Onkologe Prof. Dr. Melchior Lauten. Es gebe jedoch viele Faktoren, die eine Rolle spielten. „Jeder Radiowecker, jedes Handy und jeder iPod senden magnetische Strahlen aus. Es gibt keine Studie, die abklopft: Was war denn da noch?“

Die Möglichkeit, das niederfrequente Felder – egal welcher Herkunft – unterhalb der Grenzwerte bei Kindern Leukämie auslösen könnten, wird wissenschaftlich diskutiert“, bestätigt auch Anja Lutz vom Bundesamt für Strahlenschutz. So fanden mehrere epidemiologische Studien bei Kindern ein erhöhtes Leukämie-Risiko, „wenn die Kinder dauerhaft überdurchschnittlich hohen, aber unter den Grenzwerten liegenden Magnetfeldern ausgesetzt waren“, führt Lutz aus. Dabei gehe es aber um häusliche Gesamt-Magnetfeldbelastungen. Der Anteil der Hochspannungsleitungen sei in den meisten Fällen gering. „Den größeren Beitrag leisten Hausinstallationen und Elektrogeräte.“ Ein erhöhtes Leukämie-Risiko bestehe ab einer Haushaltsbelastung von 0,3 Mikrotesla. „Solche Werte kommen in deutschen Haushalten selten vor.“ Das Mittel liege bei 0,1 Mikrotesla.

Netzbetreiber: Vorschriften eingehalten

Die Netzbetreiber in Schleswig-Holstein verweisen darauf, sich an die gesetzlichen Vorgaben zu halten. „Mehr dazu zu sagen wäre unseriös“, findet Mathias Fischer von „Tennet“. Das Unternehmen betreibt ein mehrere 100 Kilometer langes Netz von 380 Kilovolt-Masten im Land. Darauf verweist auch Ove Struck von der SH-Netz-AG, die 110-Kilovolt-Leitungen betreibt.

Die Grenzwerte schützten vor nachgewiesenen gesundheitlichen Wirkungen der Magnetfelder, sagt Anja Lutz. „Leukämien im Kindesalter gehören nicht zu diesen nachgewiesenen Wirkungen.“

Auch das Kieler Gesundheitsministerium stellt sich auf diesen Standpunkt. Mögliche Zusammenhänge seien zwar bekannt, teilt Sprecherin Susann Wilke mit, Konsequenzen hat dies aber bislang nicht. Wilke: „Es ist darauf hinzuweisen, dass es sich hier in der Regel stets um mögliche Effekte durch chronische Langzeiteinwirkungen handelt und bei einer kurzzeitigen niedrigen Exposition keine gesundheitliche Gefährdung zu befürchten ist.“

Quellen für Elektrosmog

Laut französischer Gesundheitsbehörde gelten Hochspannungsleitungen jedenfalls als Quelle für den sogenannten Elektrosmog. Sie hatte bereits im Jahr 2010 vor einem „möglichen Zusammenhang“ zwischen „elektromagnetischen Feldern mit niedriger Frequenz und einem langfristigen Risiko für kindliche Leukämie“ gewarnt. Neue Untersuchungen hätten sie dazu gebracht, die Warnung zu wiederholen. 2002 hatte bereits die Weltgesundheitsorganisation WHO niederfrequente elektromagnetische Felder als „möglicherweise krebserzeugend“ eingestuft.

Marcus Stöcklin

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