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Norddeutschland Schleswig-Holsteins Krankenhäuser haben die wenigsten Betten für Kinder
Nachrichten Norddeutschland Schleswig-Holsteins Krankenhäuser haben die wenigsten Betten für Kinder
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19:30 16.02.2019
Der Trend geht zur ambulanten Behandlung – während der Saisonkrankheiten wird es aber regelmäßig eng auf den Kinderstationen im Land. Quelle: dpa
Lübeck

In keinem anderen Bundesland gibt es im Verhältnis zur Einwohnerzahl so wenige Betten in Kinderkliniken wie in Schleswig-Holstein. In der Kinderheilkunde stehen nur 15,1 Betten pro 100 000 Einwohner zur Verfügung, in der Kinderchirurgie nur 0,6. Zum Vergleich: Mecklenburg-Vorpommern weist 28,4 Betten in der Kinderheilkunde und 5,0 in der Kinderchirurgie auf. Letzterer Wert ist deutschlandweit der höchste, bei der Kinderheilkunde liegt Sachsen-Anhalt mit 32,2 Betten vorne. Das geht aus aktuellen Zahlen der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Fraktion hervor.

Engpässe bei Saisonkrankheiten

Die Linken sprechen in diesem Zusammenhang von einem bundesweiten Missstand durch die zunehmende Ökonomisierung im Gesundheitswesen und einem „Notstand in Kinderkliniken“. Auch der Berufsverband Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) Schleswig-Holstein kritisiert die Situation. Deren Sprecher, Dr. Sebastian Groth aus Rendsburg, spricht von landesweiten Problemen bei der Einweisung von Kindern bei Saisonkrankheiten: „Immer wenn wir als niedergelassene Ärzte zu bestimmten Zeiten eine größere Zahl Kinder in Krankenhäusern unterbringen wollen, müssen wir oft herumtelefonieren, wo denn eine Aufnahme möglich ist.“ Oftmals müssten Kinder deshalb in Krankenhäusern weit weg von zu Hause untergebracht werden. „Das ist eine unbefriedigende Situation für die Eltern“, stellt Groth klar und fordert flexible Stationen in den Kliniken, die die Lage in der Bronchitis-Saison, bei den schweren Winterinfekten oder Magen-Darm-Infekten im Sommer entspannen würden. Der Maximalversorger UKSH mit seinen Standorten in Lübeck oder Kiel sei davon allerdings weniger betroffen als kleinere Kliniken.

Kinder-Krankenhäuser im Norden

In Schleswig-Holstein gibt es insgesamt elf Kliniken, wo Kinder und Jugendliche stationär aufgenommen werden können. Im UKSH in Lübeck und Kiel, im Städtisches Krankenhaus Kiel, in Heide im Westküstenklinikum, Diakonissenkrankenhaus Flensburg, Friedrich-Ebert-Krankenhaus Neumünster, Sana Klinken Ostholstein in Eutin, Kinderzentrum Pelzerhaken, Helios Klinikum Schleswig, Klinikum Itzehoe und imland Klinik Rendsburg.

Laut Kieler Gesundheitsministerium ist Schleswig-Holstein beim Ausbau der tagesklinischen Versorgung fortschrittlich: Es gibt in Heide, Itzehoe und an beiden UKSH-Standorten Kiel und Lübeck mittlerweile Tageskliniken, die chronisch kranke Kinder behandeln. Zudem wurde am Klinikum in Itzehoe – neben dem UKSH Lübeck - in 2018 ein zweites sozialpädiatrisches Zentrum eingerichtet. Diese Zentren kümmern sich speziell um chronisch schwer erkrankte Kinder.

Trend geht zur ambulanten Behandlung

Das Kieler Gesundheitsministerium verweist in diesem Zusammenhang auf eine Auslastung von 71,4 Prozent in der allgemeinen stationären Pädiatrie in Schleswig-Holstein. Engpässe aufgrund einer zu geringen Bettenzahl seien dem Ministerium nicht bekannt. „In der Kinderheilkunde hat es in den letzten Jahrzehnten einen starken Trend zur Ambulantisierung gegeben. Wenn möglich, wird ambulant behandelt oder operiert, um die Kinder abends wieder in die Obhut der Eltern entlassen zu können“, erklärt Ministeriumssprecher Christian Kohl. In Schleswig-Holstein gebe es zudem eine Besonderheit: Ein relevanter Anteil der stationären Patienten gehen in Hamburg ins Krankenhaus – gerade im bevölkerungs- und kinderreichen Hamburger Rand, zumal es in der Hansestadt große und hoch spezialisierte Kliniken gebe.

Patrick Reimund, Geschäftsführer der Krankenhaus Gesellschaft Schleswig-Holstein (KGSH), sieht es ähnlich. „Allenfalls über die regionale Verteilung könnte man sich streiten, ob nicht im Nordwesten des Landes eine zusätzliche Einrichtung sinnvoll wäre. Allerdings sind die auch schwer personell zu besetzen.“ Stichwort Personal: Für die Gewerkschaft Verdi ist das Problem ohnehin eher hier zu finden. „Es ist in der Praxis auch schon mal so, dass Patienten von der Kinder-Intensivstation auf die Erwachsenen-Intensivstation verlegt werden, schlicht weil zu wenig Mitarbeiter da sind“, sagt Christian Wölm, Lübecker Gewerkschaftssekretär für Pflege- und Berufspolitik.

Grüne: „Zahlen ein Alarmsignal“

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Landtagsfraktion der Grünen, Marret Bohn, sagt: „Die Zahlen sind ein Alarmsignal und ein klarer Arbeitsauftrag für die Bundesregierung. Diese hat die Entwicklung in der Kinderheilkunde offensichtlich komplett verschlafen.“ Die Lage der Kinderkliniken sei im Wesentlichen auf die zunehmende Ökonomisierung im Gesundheitswesen zurückzuführen. „Wir fordern als Grüne eine ausreichende Grundfinanzierung für die Kinderheilkunde, genauso wie für die Geburtshilfe. Dies ist insbesondere für die Versorgung im ländlichen Raum ein wichtiger Schritt.“

Ihr Landtagskollege Bernd Heinemann (SPD) meint, dass im pauschalisierten Abrechnungsverfahren eventuell nachgesteuert werden müsste: „In der Kinderheilmedizin ist die Verweildauer oft kurz, der Aufwand aber hoch. Dieser Bereich ist für viele Krankenhäuser wirtschaftlich oftmals nicht rentabel.“ Der Regelsatz müsste unter Umständen der Situation nach oben angepasst werden. Er sagt aber auch: „In Schleswig-Holstein leben mehr Ältere als in anderen Bundesländern, insofern wäre die Frage nach der Zahl der Betten im Verhältnis zu den minderjährigen Einwohner interessanter.“

Jan Wulf

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