Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Ostseestrände durch Zigarettenkippen verschmutzt
Nachrichten Norddeutschland Ostseestrände durch Zigarettenkippen verschmutzt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:06 30.01.2019
Kippen im Strandsand wie hier in Travemünde sind leider keine Seltenheit. Quelle: Cosima Künzel
Lübeck

Damit landeten Zigarettenfilter (neun Prozent) hinter Plastikteilchen (24 Prozent) auf Platz zwei der häufigsten Müllfunde an der Ostsee. An den Stränden der deutschen Nordsee hingegen befinden sich Kippen laut Bundesministerium nicht unter den Top 20 der Funde.

Auch in den Weltmeeren ist die Verschmutzung durch Zigarettenkippen besonders hoch: Die Europäische Kommission listet Zigarettenkippen auf dem ersten Platz der Obergruppe „Kunststoffe“, die die Meere verschmutzen, wie aus dem Bericht hervorgeht. Für Meereslebewesen stellten Zigarettenfilter eine Bedrohung dar. Außerdem könnten die in den Zigaretten enthaltenen Schadstoffe durch den Regen in Böden sowie Grund- und Oberflächenwasser geraten. Es könne nicht ausgeschlossen werden, „dass sie über diesen Pfad auch in die Nahrungskette gelangen“, schreibt das Bundesumweltministerium.

Müllsammeln fürs öffentliche Bewusstsein

Dem Kieler Umweltministerium sind die Zahlen aus dem Bericht bekannt. Sprecher Joschka Toure verweist auf ein im Jahr 2016 gemeinsam mit dem Bund und den übrigen Küstenländern verabschiedetes Maßnahmenprogramm, wie mit Müll im Meer und am Strand umgegangen werden soll. Unter anderem soll das Thema Meeresmüll in Lehrzielen, Lehrplänen und -material verankert werden, das „Fishing-for-Litters“-Konzept etabliert werden und der Einsatz von primären Mikroplastikpartikeln vermieden werden. „Auf kommunaler Ebene führen viele Gemeinden im Land regelmäßig Strandreinigungen durch. Jährliche Aktionen zum Sammeln von Müll am Strand, die zahlreiche Kommunen veranstalten, tragen zum öffentlichen Bewusstsein bei“, sagt Toure. An zahlreichen Stränden würden inzwischen zudem sogenannte Strandmüllboxen zur Entsorgung von Müll, der am Strand gefunden wird, stehen.

„Beach Cleaner“ und Strandaschenbecher

In Schleswig-Holstein teilen sich Gemeinden und Strandkorbvermieter in der Regel die Säuberung der Strandabschnitte. Travemünde muss zum Beispiel jährlich etwa 200 000 Euro dafür aufbringen – allerdings auch inklusive Abtransport von Seetang und Algen. Wie viel liegengelassener Unrat sich unter den 10 000 bis 20 000 Tonnen befindet, kann Uwe Kirchhoff, Leiter des Kurbetrieb Travemünde, nicht sagen. Jeden Morgen sei in der Saison zudem ein „Beach Cleaner“ im Einsatz, der den Sand in 15 Zentimeter Tiefe durchsiebt und den Unrat einsammelt. Außerdem soll die Aktion „Strandaschenbecher“ helfen, Zigarettenkippen am Strand zu vermeiden. „Die Behälter werden kostenlos von den Strandkorbvermietern an die Gäste ausgegeben“, erklärt Kirchhoff.

Axel Sommer von der Surfschule Timmendorf, der auf einem etwa 250 Meter langen Strandabschnitt rund 100 Strandkörbe in Timmendorfer Strand vermietet, sammelt mit seinen Mitarbeitern früh morgens aktiv Müll – inklusive vieler Kippen. „Es ist händelbar, damit leben wir – aber es ist eben Aufwand, der nicht bezahlt wird“, sagt Sommer. Er richtet einen permanenten Aufruf an die Gäste, aktiv dazu beizutragen, dass der Strand sauber bleibe.

Ein Rauchverbot am Strand?

Die umweltpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion der Grünen, Marlies Fritzen, sagt: „Ich habe überhaupt kein Verständnis dafür, dass man seinen Müll – ob giftig oder nicht – einfach an Ort und Stelle wegwirft. Es gibt an den Stränden genügend Mülltonnen. Es ist rücksichtslos gegenüber Mitmenschen und Umwelt.“ Könnte ein Rauchverbot am Strand helfen? „Über rauchfreie Strände müssten die Kommunen entscheiden. Und ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass sich viele Badegäste darüber freuen würden, wenn mindestens an einigen Strandabschnitten nicht geraucht würde. Dies zu kontrollieren, ist aber leider schwierig“, so Fritzen.

Der SPD-Abgeordneten Stefan Weber betont: „Die Zahlen sind erschreckend. Zigarettenstummel enthalten viele Giftstoffe, und bereits ein Regenschauer reicht aus, um diese auszuwaschen. Somit sind Kippen nicht nur unschön, sondern auch gesundheits- und umweltschädlich. Das Einsammeln aus dem Sand ist zudem mit enormen Aufwand verbunden. Deshalb müssen Raucher ihre Zigarettenkippen selbst entsprechend entsorgen. Angesichts der offensichtlichen Probleme mit weggeworfenem Müll an unseren Stränden muss mit umfangreichen Aufklärungsangeboten präventiv entgegengewirkt werden. Zudem sehen wir auch die Tabakindustrie in der Pflicht. Wir müssen darüber nachdenken, sie an Reinigungskosten zu beteiligen.“

Tabakindustrie soll beteiligt werden

Erst im Dezember 2018 hatte Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) gefordert, dass sich die Tabakindustrie an den Kosten für die Beseitigung weggeworfenen Kippen beteiligt. Laut Kieler Umweltministerium sieht ein Vorschlag für eine Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates zur Vermeidung von Plastikmüll nun unter anderem eine erweiterte Herstellerverantwortung für Tabakfilter vor. „Dies bedeutet, dass die Hersteller unter anderem die Aufräumkosten durch die Vermüllung ihrer Produkte tragen müssen“, so Joschka Toure. Nachdem der EU-Umweltausschuss in der vergangenen Woche die Richtlinie angenommen habe, müsse sie in nationales Recht umgesetzt werden.

Wegwerfen ist Ordnungswidrigkeit

Insgesamt machen Zigarettenkippen ein Drittel (35 Prozent) des unachtsam weggeworfenen Mülls in Deutschland aus. Das unachtsame Wegwerfen von Zigaretten gilt in Deutschland als Ordnungswidrigkeit. Die Kommunen können Raucher mit Bußgeldern belegen, wenn diese ihre Kippen nicht in Mülleimern entsorgen.

Jan Wulf

Das Tempolimit bewegt die Menschen im Norden. Wir waren auf der A-1-Raststätte Buddikate und haben mit Autofahrern über Tempo 130 auf der Autobahn gesprochen. Die Meinungen gehen weit auseinander.

30.01.2019

Auf der Schleswig-Holstein-Straße in Norderstedt hat sich am Montagnachmittag in Höhe des Kreuzwegs ein Unfall ereignet. Zwei beteiligte Fahrzeuge sind aus noch ungeklärter Ursache zusammengestoßen. 

29.01.2019

Eine gefährliche Zeckenart aus dem Süden ist zum ersten Mal auch in Schleswig-Holstein nachgewiesen worden. Hyalomma-Zecken sind eigentlich in Südeuropa, Asien und Afrika verbreitet. Sie können Träger des für Menschen unter Umständen sogar tödlichen Krim-Kongo-Virus sein.

29.01.2019