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17:18 31.03.2018
Die Historiker Oliver Auge und Katja Hillebrand sind dem kulturellen Vermächtnis der Klöster in Schleswig-Holstein nachgegangen.
Die Historiker Oliver Auge und Katja Hillebrand sind dem kulturellen Vermächtnis der Klöster in Schleswig-Holstein nachgegangen. Quelle: Wachholtz Verlag
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Kiel

Viel ist nicht geblieben vom Klosterleben in Schleswig-Holstein. Vier Damenstifte gibt es heute noch in Itzehoe, Preetz, Uetersen und bei Schleswig und einen Männerorden im Kloster Nütschau – der allerdings erst 1951 entstanden ist. Dennoch ist das Erbe, das die einstmals reiche Sakrallandschaft in Nordelbien hinterlassen hat, ein großes, und es reicht viel weiter als es auf einen oberflächlichen Blick erscheinen mag.

„Klöster, Stifte und Konvente besaßen in den Herzogtümern Schleswig, Holstein und Lauenburg sowie in den Hansestädten Hamburg und Lübeck einen entscheidenden Anteil an der kulturellen und historischen Entwicklung des Landes und der Städte“, weiß Prof. Oliver Auge. Der Historiker ist Direktor der Abteilung für Regionalgeschichte mit dem Schwerpunkt der Geschichte Schleswig-Holsteins in Mittelalter und Früher Neuzeit an der Kieler Christian-Albrechts-Universität und erforscht im sogenannten „Klosterprojekt“ seit längerem das reiche Vermächtnis der einstmals 60 Klöster, Konvente und Domkapitel nördlich der Elbe. „Die erhaltenen Bauten spiegeln auch heute noch ihre Bedeutung aber auch ihre Macht und ihren Einfluss wider!“ Gemeinsam mit seiner Kollegin Dr. Katja Hillebrand hat Auge jetzt im Wachholtz Verlag einen reich bebilderten und detailliert aufgearbeiteten Überblick zur Geschichte der Klöster in Schleswig-Holstein veröffentlicht.

Mit Beginn der Christianisierung des Nordens etwa ab Beginn des 9. Jahrhunderts waren die Interessen des Klerus eng mit den machtpolitischen und wirtschaftlichen Interessen der Regenten und des Adels verknüpft. Die Gründung von Klöstern und den vier Domkapiteln in Hamburg, Lübeck, Ratzeburg und Schleswig beflügelte auch die Entwicklung und kulturelle Blüte des Landes und der Städte. Benediktiner- und Zisterzienserorden besaßen große Ländereien und trugen mit ihrem Wissen um die Landwirtschaft dazu bei, im Land eine erfolgreiche Agrarkultur zu etablieren. Die Stadtklöster unterhielten Bäckereien und Brauereien wie das 1399 von den Dominikanern in Lübeck errichtete Brauhaus an der Großen Burgstraße, von dem Teile noch bis 1893 erhalten waren.

Viele Mönche wurden als Schreiber zu Chronisten der Geschichte wie etwa der Lübecker Dominikanermönch Hermann Korner (1365-1438). Die Dominikaner und Franziskaner leisteten als Schriftgelehrte in den Bibliotheken und schulischen Einrichtungen, die oftmals an die Klöster angebunden waren, wichtige Beiträge zu Bildung und Wissenschaft. Und die baulichen Grundlagen der Klosterarchitektur sowie die Erfahrung der norddeutschen Baumeister mit dem neuen Baustoff Backstein haben unübersehbaren Einfluss auf die Baugeschichte des Nordens genommen.

Das Klosterleben übte durchaus Anziehungskraft aus. Lübeck erlebte zwischen 1270 und 1305 geradezu eine Gründungswelle von Frauenkonventen. Einerseits fanden ledige Frauen dort die Möglichkeit, ein selbstbestimmteres Leben zu führen, als das zu dieser Zeit sonst möglich gewesen wäre. Andererseits boten die Klöster den Adels- und Bürgerfamilien die Möglichkeit, ihre unverheirateten Töchter unterzubringen und versorgt zu wissen. Viele Klöster und Stifte wurden von Königen, Adligen und Bischöfen gegründet. Sie wurden mit Ländereien, Privilegien und materiellen Gütern ausgestattet – und natürlich hatten sie dafür auch Gegenleistungen zu erbringen. Erst die Reformation entzog der schleswig-holsteinischen Sakrallandschaft nach und nach den Boden, immer mehr Klöster wurden aufgegeben.

Als der Reinbeker Nonnenkonvent der Zisterzienserinnen 1529 aufgelöst wurde, verließen alle Nonnen freudig und aus freiem Willen das Kloster. Die meisten von ihnen waren als Kinder gegen ihren Willen ins Kloster gegeben worden, „um ihren Geschwistern größere Erbteile zu verschaffen“.