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Norddeutschland Hydrofoil: Mit dem Kite übers Wasser fliegen
Nachrichten Norddeutschland Hydrofoil: Mit dem Kite übers Wasser fliegen
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19:53 24.07.2019
Ein Flügel unter Wasser hebt das Brett des Surfers beim Foil-Kiten über die Wasseroberfläche. Doch die neue Surf-Disziplin ist nichts für Anfänger, wie Surfexperte Murdoc Schwalm von den Windgeistern erklärt. Quelle: fotos: Fabian boerger (3), Joern Pollex/HochZwei (2)
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Orth auf Fehmarn

Das Gefühl des Fliegens begeisterte die Menschheit seit jeher. Losgelöst von der Erde durch die Luft schweben. Mit meterhohen Sprüngen kamen Kitesurfer dem schon sehr nahe. Bei der reinen Fortbewegung mit dem Board war der Wassersport allerdings weiterhin an das flüssige Element gebunden. Seit wenigen Jahren ist das anders. Hydrofoil heißt die Technologie, die Surfer dank eines Flügels unter dem Board über das Wasser schweben lässt.

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Ein neuer Trend in der Surferszene ist geboren

Mehr und mehr Kitesurfer springen auf den Zug der neuen Technik auf. Ein Trend in der Surferszene ist entstanden und die Zahl der Anhänger wächst. Doch was ist die Faszination dahinter? Wie fühlt es sich an und wie schwer ist es, die Technik zu kontrollieren?

Murdoc Schwalm ist ausgebildeter Kitesurf-Lehrer und ein Pionier dieser neuen Disziplin. „Als Kitesurfer ist man eine stetige Vibration gewöhnt – das Rattern, die Schläge der Wellen, die Gischt. Beim „Foilen“ – wie es im Fachjargon heißt – fährt man los und hebt ab“, sagt er. Mit der Hand imitiert er die Aufwärtsbewegung des Boards und lächelt. „Sobald man oben auf dem Flügel steht, herrscht Ruhe – ein Gefühl wie Fliegen.“

Murdoc Schwalm ist ein Pionier der neuen Disziplin. Er findet, dass das Foil-Surfen eine Bereicherung für den Sport ist. Quelle: Fabian Boerger

Unterhalb des Boards befindet sich ein Flügel, der so aussieht wie die Tragfläche eines Modellflugzeugs. Diese sorgt bei einer gewissen Geschwindigkeit für einen Auftrieb. Über einen Mast, der das Board mit dem Flügel verbindet, wird das Board angehoben. Die Tragfläche bleibt unter Wasser und das Board schwebt je nach Höhe des Mastes über die Wasseroberfläche. Die Funktionsweise ist vergleichbar mit der Aerodynamik in der Luftfahrt. Der Flügel unter Wasser wird über die Gewichtsverlagerung gesteuert.

Etwa 30 bis 60 Stundenkilometer schnell kann der Surfer mit dem Board werden. „Das ist ziemlich flott“, sagt Schwalm. Vor allem, weil man keine Bremse habe. Das Besondere für Schwalm: Die Beschaffenheit der Wasseroberfläche sei für den Surfer nicht mehr relevant, da man darüber hinweg schwebe. Gischt und Wellenschläge gehören der Vergangenheit an. „Es ist eine Bereicherung für den Sport“, sagt der Kitesurf-Lehrer. Dadurch, dass kaum Reibung zwischen Board und Wasser besteht, ist weniger Druck aus dem Schirm notwendig. Foil-Surfer können somit schon bei wenig Wind aufs Wasser.

Es macht den Sport noch attraktiver

Ein Argument, das bei vielen Surfern ankommt. „Das macht das Kitesurfen noch attraktiver“, sagt André Peters. Er ist Windsurfer, liebäugelt aber mit der neuen Sportart. In Fachmagazinen habe er schon viel über das Foilen gelesen. Entgegen anderen Wassersportarten, wie zum Beispiel dem Segeln, können Wind- oder Kitesurfer frühestens bei Windstärke 3 bis 4 aufs Wasser. Vorher ist nicht genug Druck im Schirm oder die Größe des Schirms ist nicht mehr komfortabel zu kontrollieren. „Mit dem Foilen ist das anders. Der Schirm muss nur in der Luft bleiben und man kann schon surfen gehen.“

Die Disziplin spricht immer mehr Surfer an. André Peters (r.) ist Windsurf-Lehrer und beobachtet den Trend schon länger. Quelle: Fabian Boerger

In Ostholstein und darüber hinaus ist die Windgeister Surfschule in Orth auf Fehmarn, für die Murdoc Schwalm arbeitet, eine der wenigen, die die neue Disziplin als Kursus anbieten. Er ist einer der Lehrer, die seit rund zwei Jahren im Foilen ausbilden. Etwa ein halbes Dutzend Schüler hat er in diesem Jahr bereits auf das fliegende Board gebracht. Die Nachfrage steigt. Doch steckt die Schulung noch in den Kinderschuhen. „Von den meisten Verbänden gibt es noch keine richtigen Schulungsprotokolle. Die wenigen Schulen, die ausbilden, haben ihre eigenen Konzepte.“

Dem Fliegen näher kommen: Hier geht’s

Wer die fliegenden Surfer live erleben möchte, der entdeckt mit etwas Glück die Foil-Surfer an den Stränden der Lübecker Bucht oder auf Fehmarn. Die Insel und die umliegenden Küstenabschnitte sind aufgrund der Windbedingungen ein beliebtes Revier für Surfer. Überall dort, wo man Schirme am Himmel sieht, lohnt es sich Ausschau nach Foil-Surfern zu halten.

Der Hydrofoil Unterricht bei den Windgeistern findet je nach Absprache statt. Der Kursus ist in Theorie und Praxis aufgeteilt, kann alleine oder zu zweit absolviert werden. Das schwierige ist, dass für die Übungen gute Bedingungen gebraucht werden — gleichmäßiger schwacher Wind ist am besten. Deswegen wird empfohlen, sich ein paar Tage Zeit zu nehmen, damit der Schüler bei den richtigen Bedingungen starten kann. Inklusive Material kostet der Kursus 159 Euro.

Wer Foilen will, muss ein kompetenter Kitesurfer sein

Außerdem ist das Fliegen auf dem Brett nichts für Anfänger. „Das unterste Niveau, bei dem wir ansetzen, ist, dass die Fahrer kompetent Kitesurfen können.“ Der Flügel als neue Komponente ändere das Fahrgefühl. „Man muss es als eine neue Sportart begreifen. Das klassische Kitesurfen ist die Grundbedingung dafür.“ Man fahre nicht mehr mithilfe des Bretts, sondern über den Flügel. Besonders am Anfang bedürfe das einer Menge Kraft und Körperspannung. „Die erste Fahrt gleicht einem Rodeo-Ritt.“

Auch der Inhaber der Windgeister Surfschule, Achim Stuzmann, findet, dass die Technik heute schon einfacher geworden sei im Vergleich zu den Anfängen.

Einsteiger-Modelle erleichtern den Anfang

„Anfangs war sie noch nicht ganz ausgereift. Die Flügel hatten zu wenig Auftrieb. Sie waren zu scharf, sodass man sich leicht an ihnen verletzen konnte“, sagt Stuzmann. Mittlerweile bieten die kommerziellen Anbieter zahlreiche Einsteiger-Modelle an, die das Fahren deutlich erleichtern und sicherer machen. Aber nichtsdestotrotz: „Prall-Weste und Helm sind für Anfänger Pflicht“, sagt Stuzmann.

Viele ihrer Schüler machen den Kurs, um herauszufinden, ob das Foilen etwas für sie ist. Nach dem ersten Rodeo komme es auf den Surfer an, wie schnell man das Foilen lerne, sagt Schwalm. Bei sehr erfahrenen Fahrern könne das einen Tag dauern, bei anderen dauert es Wochen. Für das Gefühl des Fliegens lohne sich der Aufwand: „Jeder der schon mal mit dem Brett gefahren ist, weiß was damit gemeint ist.“

Fabian Boerger