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Norddeutschland Feuerwerks-Stopp zur Travemünder Woche?
Nachrichten Norddeutschland Feuerwerks-Stopp zur Travemünder Woche?
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09:20 16.06.2019
Das Feuerwerk zur Travemünder Woche: Naturschützer fordern die Abschaffung – aus Klimaschutzgründen. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

Das Feuerwerk zur Travemünder Woche gehört abgeschafft. Und das zur Kieler Woche ebenso. Davon ist der Naturschutzbund überzeugt. Aus Klimaschutzgründen. Und der Tiere wegen. „Es hat sich überlebt“, sagt Schleswig-Holsteins Nabu-Geschäftsführer Ingo Ludwichowski.

„Großfeuerwerk passt nicht zum Klimanotstand

Ingo Ludwichowski vom „Nabu. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Die Politik in der Hansestadt und in Kiel fordert der Naturschützer zum Handeln auf. Es passe einfach nicht zusammen, wenn beide Städte zwar offiziell den Klima-Notstand ausriefen, dann aber selber große Feuerwerke abhielten. Denn bei diesen Feuerwerken zögen nicht nur riesige Rauchschwaden durch die Luft. Vom Himmel riesele parallel auch noch ein Chemie-Cocktail herab. Die Feinstaubbelastung steige extrem an. Und: Für Tiere sei die Knallerei eine einzige Qual. Das gelte bei der Kieler und der Travemünder Woche vor allem auch für die jungen Seevögel, die durch die Feuerwerke extrem gestört werden würden. Dazu komme, dass auch die Zahl der Feuerwerke in den letzten Jahren stetig zugenommen habe. Mittlerweile würden sie ja sogar schon zum Abschluss von verkaufsoffenen Sonntagen in den Himmel geschossen werden.

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Grüne begrüßen Nabu-Vorstoß

Bei den Grünen in Lübeck stößt Ludwichowskis Vorstoß auf Gegenliebe. „Wenn die Stadtverwaltung das Feuerwerk zur Travemünder Woche einstellt, würden wir dagegen auf keinen Fall protestieren“, sagt die Grünen-Fraktionschefin in der Bürgerschaft, Michelle Akyurt. Einen eigenen Antrag dazu wolle man aber erst einmal nicht in die Stadtvertretung einbringen. Die Bürgerschaft diskutiere ja bereits über den Grünen-Vorstoß zum Silvester-Feuerwerk. Das Ziel: Die Stadt soll am 31. Dezember ein zentrales Feuerwerk organisieren. „Wir wollen damit für die Bürger einen Anreiz schaffen, sich dieses Feuerwerk anzusehen und im Gegenzug freiwillig auf eigene Böller und Raketen zu verzichten“, sagt die Politikerin. Den Klimaschutz wolle man dann vor allem mit viel weitreichenderen Maßnahmen verbessern, etwa mit einem neuen Verkehrskonzept.

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SPD-Bürgermeister sieht „keinen Handlungsbedarf“

Lübecks SPD-Bürgermeister Jan Lindenau will das Feuerwerk zur Travemünder Woche beibehalten. Es gebe keinen Handlungsbedarf. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Lübecks SPD-Bürgermeister Jan Lindenau wertet die Diskussion um eben jenes Zentralfeuerwerk „als Signal, dass man auch vor dem Hintergrund des Klima-Notstands nicht auf Feuerwerke bei zentralen Veranstaltungen verzichten will“. Vor diesem Hintergrund sehe er „keinen Handlungsbedarf mit Blick auf die Travemünder Woche“.

Feuerwerk zur Kieler Woche soll stattfinden

Ganz ähnlich argumentiert sein Kieler SPD-Oberbürgermeister-Kollegen Ulf Kämpfer im Hinblick auf die Kieler Woche. Er könne zwar den Unmut, nicht nur von Klimaaktivisten, über die „ungezügelten Silvesterfeuerwerke“ nachvollziehen, die viel Müll auf Straßen und Wegen hinterließen. Aber: „Im Gegensatz dazu werden in der Kieler Woche Feuerwerke von professionellen Feuerwerkern abgeschossen, die ihre Materialien effizient nutzen. Und es verbleiben keine Abfälle auf vielen Straßen in der Stadt.“ Zur Kieler Woche 2019 würde das Feuerwerk daher wie geplant stattfinden. Und auch für 2020 und später lägen noch keine Anträge oder Interessenbekundungen gegen Kieler-Woche-Feuerwerke aus der Kommunalpolitik vor.

4500 Tonnen Feinstaub extra pro Jahr

Rund 10 000 Tonnen Feuerwerk werden jedes Jahr in Deutschland in die Luft gejagt und verräuchern die Luft. Dabei werden rund 4500 Tonnen Feinstaub freigesetzt, hat das Umweltbundesamt errechnet. Diese Menge entspreche 15,5 Prozent der jährlich im Straßenverkehr abgegebenen Feinstaubmenge und etwa 2,25 Prozent aller Feinstaubemissionen im Land.

Neben dem häufig noch verwendeten Schwarzpulver würden für Leucht-, Rauch-, Pfeif- und andere pyrotechnische Effekte zudem eine unübersichtliche Vielzahl von Stoffen wie Nitrate, Chlorate verwendet, sagt der Naturschutzbund Nabu. Dazu kämen noch Perchlorate der Elemente Natrium für die gelbe Flammenfärbung, Kalium (blass-violett), Strontium (rot) oder Barium (grün). Weitere Bestandteile der Feuerwerkskörper seien unter anderem Blei, Arsen, Aluminium, PVC, Schwefel sowie in kleineren Mengen Eisen-, Kupfer-, Titan-, Antimon- und Zinkverbindungen.

Man halte nichts von solchen Verboten, sagt auch der CDU-Landtags-Umweltpolitiker Heiner Rickers. Es gehe bei solchen Feuerwerken vor allem um Lebensfreude. Der Schaden für Klima und Umwelt sei hingegen vergleichsweise gering. Man sollte sie daher fortsetzen, so lange Menschen sie sehen wollten und genießen würden. Rickers: „Wenn die Stimmung in der Bevölkerung mehrheitlich kippt, wird niemand mehr zu solchen Feuerwerken hingehen. Dann werden die Städte sie von ganz alleine einstellen. Und wenn das auf diesem Weg entschieden wird, können wir am Ende auch damit leben.“

„Fridays-for-Future“-Aktivist will weiter böllern lassen

Nicht einmal bei der „Fridays-for-Future“-Bewegung ist man sich einig darüber, was man von Feuerwerken halten soll. Es gebe unter den Aktivisten Mitstreiter, die Feuerwerke generell ablehnten, aber auch welche, die selbst an der Silvester-Knallerei nichts fänden, sagt der schleswig-holsteinische Mitorganisator Jakob Blasel. Er selber habe nichts gegen ein staatliches organisiertes Feuerwerk für alle. Auch zur Kieler Woche könne es noch zeitgemäß sein. Die Fridays-for-Future-Bewegung kämpfe ja zudem vor allem auch gegen den Klimawandel, also den CO2-Ausstoß. Das Problem der Feuerwerke sei hingegen vor allem der Feinstaub-Ausstoß, sagt Blasel.

Naturschützer: Lasershow statt Feuerwerk

Ingo Ludwichowski kann das nicht verstehen. „Man sollte das mit den Feuerwerken einfach nicht mehr machen, auch wenn man damit Leuten vor den Kopf stößt“, sagt der Nabu-Geschäftsführer. Das gelte umso mehr, als es vernünftige Alternativen gäbe. So könne man die Besucher der Travemünder oder der Kieler Woche und anderer Veranstaltungen auch mit Licht-Shows erfreuen, per Laser in den Himmel oder aufs Wasser gezeichnet. Wenn man das nicht gerade während des Vogelzuges mache, sei das wesentlich umwelt- und auch tierfreundlicher, sagt Ludwichowski.

Eine Lasershow rund um die „Passat“ zur Travemünder Woche 2018: Solche Shows könnte sich der Nabu-Geschäftsführer als Ersatz fürs umweltschädliche Feuerwerk vorstellen. Quelle: Wolfgang Maxwitat

Wolfram Hammer

Klicken Sie sich durch die Bildergalerie: Diese fantastischen Aufnahmen sind unseren Fotografen beim Feuerwerk der Travemünder Woche 2016 gelungen.