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Norddeutschland E-Highway an der A 1 bei Lübeck ist hässlich – und erstmal nutzlos
Nachrichten Norddeutschland E-Highway an der A 1 bei Lübeck ist hässlich – und erstmal nutzlos
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06:00 19.04.2019
Ein Zaun aus stählernen Masten: Zwischen Reinfeld und dem Autobahnkreuz Lübeck sind 230 Haltepfosten für die Oberleitung errichtet worden. Quelle: dpa
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Lübeck

Es ist ein Lichtblick auf der so oft gefahrenen Strecke: Wenn die Autobahn hinter Reinfeld den Buurdieksbach überquert hat und in einer langgezogenen Linkskurve bergauf führt, ragt an klaren Tagen am Horizont für etwa zwanzig Sekunden die weltberühmte Silhouette der Lübecker Türme hervor.

Die Sicht ist sehr klar in diesen Tagen, aber der Blick auf die lübschen Kirchtürme wird stark eingeschränkt von einem Spalier stählerner Masten. 230 Stück ragen zwischen Reinfeld und dem Autobahnkreuz Lübeck bis zu zwölf Meter in die Höhe, manche sind 60, manche 70 Zentimeter stark. Nur kurz lässt sich zwischen den Stahlpfosten mal ein Blick auf St. Marien, den Dom oder die Petrikirche erhaschen. Das von der Politik gelobte Pilotprojekt ist ein großer, hässlicher Zaun.

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Darum geht es:
Die Zweifel an der E-Autobahn wachsen

Die Absicht, umweltfreundliche Antriebe auszuprobieren, ist ja richtig

Die Oberleitung ist gut gemeint. Durch den Strom, den speziell ausgerüstete Hybrid-Lkw vom Fahrdraht abnehmen, sollen die Abgas-Emissionen des Schwerverkehrs gesenkt werden. Es ist eine Teststrecke, und die Absicht, umweltfreundliche Antriebe auszuprobieren, ist ja richtig. Gleichwohl könnte die 19 Millionen Euro teure Investition als Wahrzeichen für schlecht geplante Verkehrspolitik enden.

Der Fahrdraht wird Monate lang nutzlos in der Sonne funkeln

Denn es ist noch kein einziger Lastwagen da, der die E-Autobahn nutzen kann. Wenn die Oberleitung im Juni vollendet ist, wird der kupferne Fahrdraht mindestens drei Monate nutzlos in der Sonne funkeln, bevor im Herbst zunächst ein (!) Lkw den Regelbetrieb aufnehmen soll. Später werden es fünf.

Es gibt schon einen Verkehrsweg mit Oberleitung: die parallele Bahnstrecke

Schon im November, kurz nach Beginn der Bauarbeiten, hat uns eine Lübeckerin in einem Leserbrief geschrieben, dass parallel zur A 1 ein umweltfreundlicher Verkehrsweg mit Oberleitung besteht: die elektrifizierte Bahnstrecke zwischen Travemünde und Hamburg. Darauf verweist jetzt auch einer der großen deutschen Lkw-Hersteller: Die Daimler AG hat kein Interesse, auf ein System zu setzen, dass eine gewaltige Infrastruktur benötigen würde, wenn es denn flächendeckend Nutzen bringen soll. Die Schwaben verkünden das Ziel, 2040 ein emissionsfreier Betrieb zu sein, und legen sich auf die Entwicklung batteriegetriebener Lkw fest, deren Fertigung deutlich weniger kostet und die an Ladesäulen aufgeladen werden. Das Netz dafür sei leichter zu installieren und auszubauen.

Ladesäulen für Pkw könnten der E-Mobilität auf die Sprünge helfen

Wenn schon Steuergeld frei ist für die elektrische Mobilität: Der subventionierte Ausbau von Ladesäulen auch für Pkw könnte in der Tat das Henne-Ei-Problem lösen helfen, das den Umstieg auf abgasfreies Fahren bremst. Wenn die Stationen sichtbar werden, wird auch die Bereitschaft steigen, E-Autos zu bauen und zu kaufen.

Hoffen wir, dass der Test nützt und nicht nur eine Investitionsruine schafft

Die Errichtung der E-Autobahn ist eine der seltenen Großbaustellen auf der A 1, deren Zeitplan eingehalten zu werden scheint. Aber es ist auch das erste Mal, dass zunächst niemand etwas davon hat. Hoffen wir mal, dass der Oberleitungstest wichtige Erkenntnisse bringt und nicht nur eine hässliche Investitionsruine schafft. Das düstere Schlusswort liefert unsere Leserbrief-Autorin: „Wer räumt den E-Highway-Schrott eigentlich am Ende auf? Wir Steuerzahler!“

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