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Norddeutschland Ein Belttunnel nur für die Bahn wäre ein gutes Signal
Nachrichten Norddeutschland Ein Belttunnel nur für die Bahn wäre ein gutes Signal
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14:48 13.07.2019
Was wäre, wenn am Fehmarnbelt nur ein Tunnel für die Bahn gebaut würde? Die Einfahrt (hier auf der deutschen Seite bei Puttgarden) wäre nur ein Drittel so breit wie auf dieser Abbildung, der Bau wahrscheinlich deutlich kostengünstiger und umweltschonender. Quelle: Femern A/S
Lübeck

Im Jahr 2007 hat die Hamburger Bürgerschaft die Errichtung der Elbphilharmonie beschlossen. Im gleichen Jahr einigten sich Dänemark, Deutschland und Schleswig-Holstein auf den Bau einer festen Querung durch den Fehmarnbelt. 2018 sollten die ersten Wagen über die Brücke rollen, wurde angekündigt.

Das Projekt stößt auf immer mehr Zweifel – zu Recht

Es ist anders gekommen. 2018 verzeichnete das Konzerthaus in der Hamburger Hafen-City eine erste Saison mit nahezu hundertprozentiger Auslastung. Die elffachen Kosten, all die Baupannen und jahrelangen Verzögerungen sind beinah vergessen, die Hamburger lieben ihr neues Wahrzeichen. Am Fehmarnbelt wird noch nicht gebaut. Der Plan einer Brücke wurde versenkt, ein 18-Kilometer-Tunnel mit vier Spuren für Autos und zwei Gleisen für Züge ist geplant bei dem Projekt, das vor allem die Dänen zahlen, das in Deutschland aber auf immer mehr Zweifel stößt.

Trucker müssen ohnehin Ruhezeiten einhalten

Die Skepsis ist berechtigt. Denn der Wind hat sich gedreht. Der Ausbau einer Strecke für den Individualverkehr, die fast nur in der Urlaubszeit nennenswert ausgelastet ist, konterkariert alle Absichtserklärungen, Klima und Umwelt zu schonen. Die Notwendigkeit bei Urlaubern und Lastwagenfahrern, schneller zwischen Fehmarn und Lolland zu sein, ist nur begrenzt vorhanden. Autofahrer erleben mit der Fährpassage eine willkommene Abwechslung, Trucker müssen ohnehin Ruhezeiten einhalten – und kommen auf dem Schiff dabei sogar noch voran.

Tunnel ohne Straße, nur mit Gleisen: Das ergibt Sinn

Anders sieht es mit dem Bahnverkehr aus. Ein leistungsfähiges Geflecht von Eisenbahnstrecken in Europa gilt als Verkehrsnetz der Zukunft und dient dem Erreichen der Klimaziele. Durch die Alpen wird seit 2009 der Brenner-Basis-Tunnel gebohrt, 55 Kilometer lang, 2028 soll er fertig sein. Ohne Straße, nur mit Gleisen. Das ergibt Sinn.

Der Nabu, seit Jahren einer der lautesten Gegner der festen Beltquerung, hat in dieser Woche einen reinen Bahntunnel zwischen Puttgarden und Rødby ins Spiel gebracht. Das ist ein bemerkenswertes Signal. Ein solcher Bau wäre preiswerter und deutlich umweltschonender – und könnte der Königsweg sein für ein Verkehrsprojekt, das auf immer mehr Widerstand stößt: bei Umweltschützern und bei nüchternen Rechnern wie den Mitarbeitern des Bundesrechnungshofes.

Die Zahl derer, die ein paar Gänge zurückschalten wollen, wächst

Immer mehr, immer größer, immer doller? Die Zahl derjenigen, die lieber ein paar Gänge zurückschalten wollen, wächst. In Kiel sind Kreuzfahrtschiffe mit ihren Abgasen immer weniger willkommen. Lübeck kippt seine Wachstumsstrategie bei der Hotelansiedlung.

Die Landesregierung Schleswig-Holsteins sollte umsteuern und in Kopenhagen und Berlin für einen abgespeckten Tunnel werben. Auch der würde wegen des Lärms von Güterzügen auf einer ausgebauten Strecke auf Widerstand stoßen. Aber die Argumente für eine feste Beltquerung würden an Schlagkraft gewaltig zulegen. Das Klima ist günstig dafür.

Wichtige LN-Berichte zum Belttunnel und der Hinterlandanbindung

Juli 2019: Kommentar: Ein Belttunnel nur für die Bahn wäre ein gutes Signal

Juli 2019: Darum klagt der Nabu gegen den Belttunnel

Mai 2019: Vorbereitung für den Bau des Belttunnels beginnt auf Fehmarn

Januar 2019: Besuch in Hamburger Zentrale: Diese Menschen planen Ostholsteins Bahn-Zukunft

Dezember 2018: EU-Gericht entscheidet, dass die Staatsbeihilfen für den Belttunnel überprüft werden müssen

Oktober 2018: Das sagt der Grüne-Umweltminister Jan Philipp Albrecht im LN-Interview zum Belttunnel

Oktober 2018: Zoff um Brandschutz im Tunnelbei einem Feuer wäre die Stadt Fehmarn zuständig

Dezember 2017: So wollen die Wacken-Bosse am Belttunnel mitverdienen

Juli 2017: Wie gefährlich sind Minen aus dem Zweiten Weltkrieg für den Tunnelbau?

Juni 2017: So plant Femern A/S den Tunnelbau – Mit Video und Bildergalerie

Juni 2017: Dieses Riff wollen Meeresbiologen als Ausgleichsmaßnahme ertüchtigen

Dezember 2016: Zeit- und Kostenplan beim Belttunnel drohen aus dem Ruder zu laufen

Oktober 2016: 109 Millionen extra! So soll die Trasse zur Superschiene werden

September 2016: Kurswechsel: Die schleswig-holsteinischen Grünen sind jetzt nicht mehr gegen den Belttunnel

August 2016: Sechs Jahre voller Tests: Dieser Beton soll beim Belttunnel verwendet werden

November 2015: Pro und Kontra – das sind die Argumente von Befürwortern und Gegnern

Bildergalerie: So plant Femern A/S die Sicherheit im Belttunnel

Viele weitere Berichte über das gigantische Verkehrsprojekt sammeln wir auf dieser Themenseite

Lars Fetköter

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