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Norddeutschland Kommentar: Es geht um Kinder, nicht um den guten Ruf
Nachrichten Norddeutschland Kommentar: Es geht um Kinder, nicht um den guten Ruf
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19:44 17.11.2019
Monatelang wurden an der Grundschule in Süsel Kinder von ihren Mitschülern drangsaliert. LN-Chefredakteur Gerald Goetsch kommentiert das. Quelle: Lutz Roeßler
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Lübeck

Der Ernst des Lebens. Er soll ja bekanntlich mit der Einschulung beginnen. In Süsel erleben das Jungen und Mädchen gerade auf eine sehr bittere Art und Weise. Die Probleme, die dort durch die Aggressivität zweier Schüler bestehen, sind in dieser Woche eskaliert. Eltern übernahmen demonstrativ den Unterricht. Das Kultusministerium hat reagiert. Die auffälligen Drittklässler dürfen für ein paar Tage nicht in die Schule, die Schulbehörde entsendet einen erfahrenen Schulleiter als Krisenhelfer.

Aufatmen also in der „Horrorklasse“? Wahrscheinlich schon. Für ein paar Tage jedenfalls. Nachdem der Fall durch den Druck der betroffenen Eltern Schlagzeilen gemacht hat, dürfte die Schulaufsicht jetzt näher hinschauen – und den Pädagogen in Süsel dabei helfen, wieder in ein Schulleben zurück zu finden, dass man doch eigentlich an einer Grundschule erwarten kann.

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Sorge um den Ruf der Schule

In Süsel macht man sich nun Sorgen um den Ruf der Schule. Sicherlich zu recht. Und sicherlich zu spät. Was jetzt hilft, ist weder die Suche nach Sündenböcken noch eine Beschönigung dessen, was Kinder, Lehrer und Eltern in den vergangenen Jahren erleben mussten.

Die Situation in Süsel ist sicher extrem und steht nicht für den Alltag in Schleswig-Holsteins Grundschulen. Und doch sorgen verhaltensauffällige Schüler immer öfter für Probleme, die es in dieser Ausprägung früher nicht gegeben hat. Verwundert reiben wir uns die Augen. Dachten doch viele, solche krassen Gewalt-Probleme gebe es nur in den sozialen Brennpunkten der großen Städte – wie der Rütli-Schule in Berlin-Neukölln, die 2006 eine bundesweite Diskussion auslöste. Auch in Neukölln musste die Lage eskalieren, bevor es endlich Hilfe gab.

Land hat Förderprogramm aufgelegt

Man kann der Kieler Kultusministerin nicht unterstellen, das grundsätzliche Problem nicht erkannt zu haben. Das Land hat im April ein Förderprogramm für Schulen in sozialen Brennpunkten aufgelegt. Mehr als 50 Millionen Euro steckt das Land bis zum Jahr 2024 hinein. Möglich, dass künftig auch die Grundschule Süsel profitieren kann. Das Förderprogramm soll betroffene Schulen stärken. 20 solcher „PerspektivSchulen“ gibt es bereits.

Der Fall Süsel zeigt, dass auch in vergleichsweise „heilen“ Regionen extreme Zustände entstehen können. Die Angst vor einer Stigmatisierung sollte keinen Schulleiter davon abhalten, Hilfe einzufordern. Möglicherweise unterschätzt man im Ministerium diesen Effekt. Süsels Bürgermeister hat den Finger in die Wunde gelegt: Probleme dürfen nicht unter den Teppich gekehrt werden. Schweigen ist keine Lösung.

Das gilt schließlich auch für zwei Familien, die jetzt dringend Hilfe brauchen. Weil ihre Kinder so verhaltensauffällig sind, dass sie eine ganze Schule in Aufruhr versetzten.

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Von Von Gerald Goetsch

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