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Norddeutschland Weg mit den alten Zöpfen
Nachrichten Norddeutschland Weg mit den alten Zöpfen
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15:58 08.04.2018
Von Nick Vogler

Die Situation wird brenzlig: Den Feuerwehren im Land fehlen Frauen und Männer. Es fehlt an Helfern, die bereit sind, Leben zu retten. Wer fragt, ob man auf die Wehren vielleicht verzichten könne, wird Unverständnis ernten. Ein Brand kann jedes Haus treffen. Und niemand kann ausschließen, dass er irgendwann Hilfe braucht. Sei es bei Überschwemmung, Sturmschäden oder einem Verkehrsunfall.

Trotzdem fehlt es an Nachwuchs und die Verantwortung lastet auf den Schultern weniger. Was kann man dagegen nur tun? Diese Frage müssen sich die betroffenen Feuerwehren und Gemeinden auch selber stellen.

Es ist nicht mehr selbstverständlich, dass sich Menschen mit ihren Wohnorten hundertprozentig identifizieren. Es wird zur Arbeit gependelt. Freizeitangebote gibt es in der nächst größeren Stadt.

Eingekauft wird im Center auf der grünen Wiese. Der Chat bei Facebook ersetzt schon mal das Gespräch über den Gartenzaun. Ein Gefühl des Miteinanders zu schaffen, ist sicher schwerer geworden. Doch genau da dürfen die Verantwortlichen nicht nachlassen.

Die Wertschätzung der Feuerwehren in den Gemeinden darf nicht nur ein Lippenbekenntnis sein. Wenn es darum geht, die Freiwilligen auszurüsten, müssen Sparzwänge weit hinten angestellt werden.

Feuerwehrleute als Bittsteller bei den Kommunen: Das sollte längst der Vergangenheit angehören.

Und bei den Wehren muss man sich fragen, ob alle Traditionen und Gepflogenheiten immer noch geeignet sind, die Jugend zu begeistern. Versprühen doch Jahreshauptversammlungen in Festuniformen und mit langen Redebeiträgen tatsächlich oft den Charme längst vergangener Zeiten. Wenn das Image der Feuerwehren leidet oder gelitten hat, muss es erlaubt sein, nach neuen Wegen zu suchen und alte Zöpfe abzuschneiden.

Braucht denn wirklich noch jedes Dorf eine eigene Wehr? Etliche Beispiele zeigen, wie sich Orte in den Ämtern bei der Gefahrenabwehr zusammenschließen können. Zudem ist abkupfern erlaubt. Einige Wehren haben weniger Personalprobleme als andere. Attraktive Arbeit mit Jugendlichen und unkonventionelle Wege bei der Ausbildung zu beschreiten, kann sich offenbar auszahlen.

Schließlich muss sich aber auch jeder Anwohner die Frage stellen: Kann ich ruhigen Gewissens mit ansehen, wie immer nur andere ausrücken, wenn die Sirene geht? Ist Gefahr in Verzug, stellen sich nach wie vor mutige Feuerwehrfrauen und -männer in die erste Reihe. Diese Helden verdienen Dank, Anerkennung – und vor allem Unterstützung. Darüber sollte jeder nachdenken.

Ein Kommentar von Nick Vogler