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Norddeutschland Kommunen in Not: Friedhöfe in Schleswig-Holstein werden immer leerer
Nachrichten Norddeutschland Kommunen in Not: Friedhöfe in Schleswig-Holstein werden immer leerer
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18:40 24.11.2019
Der Friedhof von Altenkrempe – auch hier gibt es zunehmend leere Grabflächen. Quelle: Agentur 54°
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Lübeck

Der Bundesverband Deutscher Bestatter beobachtet eine für einige Friedhöfe problematische Entwicklung: „Es fällt auf, dass die Leerflächen immer größer werden“, sagt Ralf Michal, der Vizepräsident des Verbandes. „Der Gräberkult, wie man ihn von früher kennt, ist überholt, und die Kommunen haben es verschlafen, vernünftige, zeitgemäße Bestattungsformen zu schaffen.“ Die führe zu weniger Einnahmen. Michal: Friedhöfe werden immer defizitärer.“

Als Beispiel wird der Hamburger Friedhof Ohlsdorf angeführt: „Wir haben rund 400 Hektar“, beschreibt Friedhofs-Sprecherin Hedda Scherres die Situation, „bräuchten aber eigentlich nur 100.“

Kleinere Friedhöfe vor Schließung

In einigen Gemeinden im Norden sollen aufgrund der schlechter werden Auslastung kleinere Neben-Friedhöfe in absehbarer Zeit schließen. Zum Beispiel in Malente und Grömitz, wo man sich künftig auf einen Hauptfriedhof beschränken will. In Mölln stehen zwei Drittel der verfügbaren Grabstellen leer, in Ratzeburg ist es nahezu die Hälfte.

In Lübeck sinkt die Zahl der Bestattungen ebenfalls. „Bei den erfolgten Bestattungen ist der Anteil der Urnenbeisetzungen im Verhältnis zu den Sargbestattungen mittlerweile auf über 70 % gestiegen“, weiß Stadt-Sprecherin Nicole Dorel. „Mit Ausnahme des St. Jürgen-Friedhofs gibt es auf allen Friedhöfen Freiflächen, die größten jedoch auf den Friedhöfen Vorwerk und Waldhusen.“

Gleichzeitig steige die Nachfrage nach pflegefreien Grabstellen, die in Lübeck inzwischen zwei Drittel aller neu vergebenen Grabstätten ausmachten. Die Lübecker Friedhöfe haben sich mit ihrem Angebot auf dieses geänderte Kundenverhalten eingestellt, schildert Dorel. „Auf dem Vorwerker Friedhof werden Solitäre als Familienbäume angeboten. Darüber hinaus gibt es im hinteren Bereich des Vorwerker Friedhofs einen Friedhofshain, in dem preiswerte Baumbestattungen angeboten werden.“

Lübeck verkleinert Friedhöfe

Lübeck plant, die wenig ausgelasteten Friedhöfe Vorwerk und Waldhusen bis 2051 massiv zu verkleinern. Der Vorwerker Friedhof soll nur noch aus dem 1907 von Erwin Barth entworfenen ursprünglichen Teil, der aufgrund seiner Form im Verwaltungsjargon auch „Schmetterling“ genannt wird, bestehen. Und der Friedhof Waldhusen wird dann – mit Ausnahme des Muslimischen Feldes – vom Waldhusener Weg nur noch bis an die Eisenbahnlinie heranreichen.

Platz für Baumbestattungen geschaffen

Auch auf dem Friedhof von Altenkrempe (Kreis Ostholstein) gibt es immer leere Grabstellen. „Es ist eine Trendwende erkennbar“, erklärt Bärbel Vowe von der Friedhofsverwaltung der Kirchengemeinde Altenkrempe. Als Reaktion auf die seit einigen Jahren zunehmenden Wünsche nach alternativen Bestattungsformen wurde 2004 eine Fläche für Baumbestattungen vorgesehen. Vowe: „Wir haben fünf Bäume gepflanzt, um jeden Baum sind zehn Bestattungen möglich.“ Zuvor wurde bereits eine Rasenfläche für Bestattungen auf der grünen Wiese angelegt. Der Vorteil der neuen Anlagen: Eine Grabpflege ist nicht notwendig.

In Bad Oldesloe wandelt sich die Gestaltung der letzten Ruhestätten ebenfalls. „Wir haben zum Beispiel Baumbestattungen“, sagt Jörg Lelke von der Verwaltung des evangelischen Friedhofs in Bad Oldesloe. „Jeder pflanzt sich einen Apfelbaum, eine Magnolie, einen Gingko, was er will. Ein Grabstein muss nicht immer sein.“ Er finde diesen Trend positiv. „Die Leute machen sich Gedanken – die Friedhofswelt ist heute eigentlich interessanter als vor 40 Jahren.“

Abkehr vom „klassischen Doppelgrab“

Das klassische Doppelgrab, „zwei Sargbestattungen, Breitstein drauf“, so Lelke, sei nicht mehr zeitgemäß. „Früher lebten die Kinder meist in der Nähe und kümmerten sich um die Grabpflege. Heute leben sie oft ganz woanders und es geht einfach nicht.“ Auch der Wettbewerb um den ansehnlichsten Grabstein und das gepflegteste Grab sei damit weitgehend Geschichte. „Die Leute wollen das heute nicht mehr.“ Er könne das gut nachvollziehen und finde die Entwicklung positiv. „Das ist meine persönliche Meinung.“

Zu größeren Gebührenausfällen führen die Leerflächen laut Lelke nicht. „Es ist ja eine langsame Entwicklung, auf die wir reagieren können und die Größenordnungen übersteigen wohl selten zehn Prozent der Gesamtfläche.“

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