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Norddeutschland Konflikt zwischen Kurden und Türken erreicht Schleswig-Holstein
Nachrichten Norddeutschland Konflikt zwischen Kurden und Türken erreicht Schleswig-Holstein
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19:08 15.10.2019
Die Demos gegen die türkische Militäroffensive werden von viel Polizei begleitet. Quelle: Holger Kröger
Lübeck/Kiel

In der vergangenen Woche ist ein türkischstämmiger Taxi-Fahrer am Lindenplatz von kurdischen Demonstranten angegriffen worden, am Montagabend wurde ein Polizist bei Protesten in der Fackenburger Allee verletzt. In Herne (Westfalen) ist außerdem ein türkisches Cafés von Protestierenden angegriffen worden.

Landespolizei wird sich „taktisch aufstellen“

Laut Innenministerium Schleswig-Holstein wird die weitere Lageentwicklung im Wesentlichen vom Fortgang der Ereignisse im Norden Syriens bestimmt sein. „Die Landespolizei steht hierzu im fortlaufenden Austausch mit den Sicherheitspartnern auf Landes- und Bundesebene und wird sich taktisch entsprechend aufstellen“, sagte Sprecher Tim Radtke.

1,48 Millionen türkische Staatsbürger leben laut Statistischem Bundesamt in Deutschland. Das ist Platz eins bei den Herkunftsländern für Einwohner mit ausländischem Pass vor Polen (860 000) und Syrien (750 000). Die Zahl der Einwohner in Deutschland mit türkische Wurzeln wird dagegen sogar mit etwa drei Millionen Menschen angegeben. Zum Vergleich: Über 1,2 Millionen Kurden sollen in Deutschland leben, als eine Hochburg im Norden gilt Hamburg. Die Zahlen überschneiden sich allerdings zum Teil, weil auch viele Kurden türkischstämmig sind.

Kurden: „Spannungen sind zu spüren“

Der Vorsitzende der Kurdischen Gemeinde in Deutschland, Ali Ertan Toprak, sagte dem „RND“, dass er nicht hoffe, dass es zu Gewalt in Deutschland komme: „Aber je länger es dauert und je brutaler es wird, desto verzweifelter werden die Menschen auch hier.“ In den sozialen Medien würden die Kurden von den Türken verhöhnt werden. „Das führt nicht dazu, dass man gut miteinander auskommt. Man begegnet sich überall. Und überall sind diese Spannungen zu spüren“, so Toprak.

Türkische Gemeinde sieht „keine Unruhe“

Der Landesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Schleswig-Holstein, Cebel Küçükkaraca, kann Spannungen zwischen den beiden Gruppen im Norden dagegen aktuell nicht erkennen. „Natürlich gibt es in beiden Lagern auch radikale Gruppen, aber zurzeit sehe ich keine Unruhe“, so Küçükkaraca. In der türkischen Gemeinde würden beide Ethnien vertreten sein. „Krieg ist immer schrecklich und wir sind alle traurig, dass der Konflikt nicht friedlich gelöst wird. Wir reden viel darüber.“

Taxifahrer in Lübeck angegriffen

Wie erst jetzt bekannt wurde, war ein türkischstämmiger Taxifahrer, der Demonstranten laut Polizeiangaben provoziert hatte, am vergangenen Donnerstag am Lindenplatz von einer Gruppe Kurdenangegriffen und bestohlen worden. Der Mann blieb unverletzt, an dem Fahrzeug entstand nach Angaben von Taxiunternehmer Andreas Zeising ein Schaden von rund 3000 Euro. Zudem entwendeten die Demonstranten das Dienst-Handy des Mannes – der den Angriff damit angeblich gefilmt haben soll.

Keine Regressansprüche

Die Polizei, die den etwa 650-köpfigen Demonstrationszug mit einem Großaufgebot begleitete, soll die Angreifer weder festgehalten noch Personalien aufgenommen haben, um „die Situation nicht eskalieren zu lassen“, wie der Taxichef schildert. „Auf der einen Seite ist das natürlich verständlich. Für mich als Unternehmer aber extrem ärgerlich, weil ich an niemanden Regressansprüche stellen kann“, so Zeising. Die Lübecker Polizei bestätigte den Vorfall, will zum jetzigen Zeitpunkt der Ermittlungen im laufenden Verfahren aber noch keine weiteren Angaben machen.

Polizist bei Demo verletzt

Am Montagabend war bei einer spontanen Demonstration in Lübeck gegen die türkische Militäroffensivezudem ein Polizist verletzt worden. Etwa 20 vermummte Personen zogen unangemeldet durch die Fackenburger Allee, als die Polizei die Personalien aufnehmen wollte, flüchteten einige Demonstranten. Laut Polizei erhielt ein Beamter von einem Unbekannten einen Tritt gegen den Hinterkopf, als er einen Protestler gerade am Boden fixierte. Der Polizist sei aber dienstfähig geblieben.

Weitere Demos geplant

Am Dienstagabend zieht erneut eine kurdische Initiative durch die Lübecker Innenstadt. Erwartet werden rund 300 Teilnehmer. Am Donnerstag findet in der Breiten Straße am Rathaus eine weitere Kundgebung der Kurdischen Gemeinde Lübeck statt.

Klicken Sie hier für weitere Bilder der Kurden-Demonstration in der Lübecker Innenstadt.

Von Jan Wulf

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