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Norddeutschland „Schlaf 4.0“: So schlafen Sie richtig
Nachrichten Norddeutschland „Schlaf 4.0“: So schlafen Sie richtig
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21:51 23.03.2019
Beim LN-Schlafseminar führte Sinja Sommerfeld die LN-Leser ein in die Wissenschaft des Schlafes, und gab ihnen individuelle Ratschläge. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
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Lübeck

Das Geheimnis vom guten Schlaf – gibt es das überhaupt? Eine Formel, nach der man besser schläft? Geht es nach Schlafexpertin Sonja Sommerfeld, dann gibt es sie. Beim LN-Schlafseminar zeigte sie zehn Teilnehmern, wie sie mit einfachen Mitteln den Schlaf verbessern und damit die eigene Lebensqualität erhöhen.

„Wer hat von Ihnen eigentlich Probleme beim Einschlafen, wer schläft nicht durch?“ Mit dieser Frage startete die angehende Heilpraktikerin der Psychotherapie und Mental-Trainerin in das zweieinhalbstündige Seminar. „Ich würde gerne mal wieder sechs Stunden durchschlafen. Das wäre ein Traum“, sagte Susanne Voß. Um dieses Ziel zu erreichen, erhoffe sie sich, Anregungen mit nach Hause zu nehmen. Ein ähnliches Problem brachte Rainer Stuht mit in die Sitzung. „Ich würde gerne mal wieder entspannt aufwachen“, sagte er. Sein Wunsch sei es, die Nacht ruhig und erholsam zu schlafen.

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Das Geheimnis des guten Schlafes

„Wie wir uns bewegen, ernähren und verhalten“, sagte Sommerfeld, seien Faktoren, die den Schlaf beeinflussten. Sie entschieden darüber, wie leistungsfähig und kreativ wir seien. Hier greife Sommerfelds Geheimnis des guten Schlafes. „Es ist das, wie wir tagsüber leben. Davon ist der erholsame Schlaf abhängig.“

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Die Formel für guten Schlaf nennt sie Schlaf 4.0, angelehnt an die Bezeichnung der industriellen Entwicklungsschritte, wie etwa Industrie 4.0. Hinzu käme die Reizüberflutung durch Bildschirme, Lärm, Verkehr und Co. Sie seien verantwortlich dafür, dass wir uns nachts nicht mehr erholen und das Erlebte verarbeiten könnten. „Das ist der Grund, warum die Weltgesundheitsorganisation (WHO) behauptet, dass wir im 21. Jahrhundert mehr denn je mit Burn-out und Depressionen zu tun haben“, sagte Sommerfeld.

Seminar zu Schlafstörung in den Lübecker Nachrichten Foto Ulf-Kersten Neelsen Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Blaues Licht macht wach

Dabei sind die Gründe für schlechten Schlaf vielseitig. Es fange an bei dem Licht im Zimmer – das Leuchten des LED-Weckers oder des Smartphones. „LED hat viel zu viel blaues Licht“, sagte Sommerfeld. Es mache uns munter. Der Grund: Das blaue Licht mindert die Ausschüttung von Melatonin, ein Hormon, das den Tag-Nacht-Rhythmus des menschlichen Körpers steuert. Ergo, wir kommen nicht zur Ruhe

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Ein anderer Grund für schlechten Schlaf sei die Ernährung. Es gebe Lebensmittel, die die Ausschüttung von Melatonin fördern. „Essen Sie Ananas?“, fragte Sommerfeld. „Ne, doch nicht abends“, war die Antwort der Teilnehmer. „Sollten Sie aber: Es fördert die Ausschüttung von Melatonin.“ Gleiches gelte für Nüsse – eine gute Alternative für das abendliche Stück Schokolade.

Sechs Stunden Schlaf sind das Minimum

Gespannt folgten die zehn Teilnehmer den Ausführungen der Schlafexpertin. Sie suchte den Dialog und adressierte die Probleme der einzelnen Teilnehmer. Schnell hatte Sommerfeld einen Tipp zu alternativen Verhaltensweisen parat. „Ich gehe rechtzeitig ins Bett, aber komme morgens nicht richtig hoch“, sagte eine Teilnehmerin. „Wie werde ich schneller fit?“, möchte sie wissen. „Mit hellem Licht“, antwortete Sommerfeld. Am Morgen trete ein umgekehrter Prozess wie beim Einschlafen in Kraft. Das Melatonin werde durch Helligkeit gehemmt und wir würden wacher, sagte Sommerfeld.

Sonja Sommerfeld: Die Sleep-Health-Managerin

Sonja Sommerfeldist angehende Heilpraktikerin für Psychotherapie und Mental-Trainerin. Das Thema Schlaf begleitet sie allerdings schon von Kindesbeinen an. Der Großvater war in der Bettfederreinigung tätig. Der Vater übernahm den Betrieb. In ihre Fußstapfen trat auch sie und betreibt seit sechs Jahren ein Bettenfachgeschäft in Norderstedt und seit drei Jahren eines in Eutin.

In den Beratungsgesprächen in ihren Geschäften begann sie den Kunden Ratschläge rundum das Schlafen zu geben. „Aufgrund der großen Nachfrage trenne ich mittlerweile die Bettenfachberatung von der Schlaftherapie“, sagt Sommerfeld. Sich selbst bezeichnet sie als „Sleep-Health-Managerin“. Die selbst ernannte Schlafexpertin war bereits in Fernseh- und Radiosendungen zu Gast. Sie lebt und arbeitet in der ostholsteinischen Schweiz.

Sie selbst schlafe mindestens sechs Stunden pro Nacht — von zehn Uhr abends bis vier Uhr morgens. „Das ist auch das Minimum“, sagte sie und ergänzte, dass die notwendige Dauer des Schlafes abhängig vom Alter sei. Je jünger man sei, desto mehr Schlaf wäre notwendig, um alle Prozesse und Organe des Körpers zu regenerieren und leistungsfähig zu sein. Zu viel Schlaf wirke ebenfalls negativ. „Die Maximal-Schlaf-Dauer beträgt neun Stunden“, sagt sie. Schlafe man mehr, werde der Körper wieder müde.

Schlaf auf die Prioritäten-Liste Nummer eins setzen

Nach dem zweieinhalb stündigen Exkurs in die Wissenschaft des Schlafes war die Quintessenz des Abends: Schlaf auf die Prioritäten-Liste Nummer eins setzen. „Mir ist wichtig, den Schlaf gesellschaftlich mehr in den Vordergrund zu heben“, sagte Sommerfeld und wünschte den Teilnehmern zum Abschied eine erholsame Nacht.

Fabian Boerger

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