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Norddeutschland Selbsttest: LN-Volontärin Jule Arista Runde hat zum ersten Mal Blut gespendet
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LN-Volontärin macht Selbsttest: Die erste Blutspende am UKSH Lübeck

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13:00 28.03.2021
Zum ersten Mal an der Nadel: LN-Volontärin Jule Arista Runde hat den Selbsttest gewagt und spendet Blut.
Zum ersten Mal an der Nadel: LN-Volontärin Jule Arista Runde hat den Selbsttest gewagt und spendet Blut. Quelle: Peer Haßelwander
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Lübeck

Noch bevor ich über den ersten Stich in meine rechte Armbeuge hinweg bin, sitze ich schon im Behandlungszimmer von Nicole Busemann. „Ihr kleines Blutbild sieht super aus, Sie können spenden“, sagt die Ärztin. Jetzt gibt es kein Zurück mehr, es wird ernst.

Meine Volljährigkeit habe ich vor sechs Jahren erreicht und seitdem auch fast alles getan, was ab 18 Jahren erlaubt ist. Über eine Blutspende habe ich mir wenig Gedanken gemacht. Ich kenne nicht einmal meine eigene Blutgruppe. Dabei hätte ich seit 2015 schon 24-mal spenden können, um das Leben anderer zu retten. Während das Coronavirus immer mehr Menschenleben fordert, hören andere Bedrohungen wie Unfälle nicht auf. Letztlich kann auch das eigene Leben davon abhängen, ob genug gespendetes Blut in Deutschland vorhanden ist.

Minimaler Aufwand mit maximalem Erfolg

Für eine Blutspende ist es zum Glück nie zu spät, und ich denke mir, dass jeder diese Erfahrung einmal machen sollte, sofern er kann. Schließlich ist es ein minimaler Aufwand mit maximalen Erfolg: die Rettung von Leben. Und deshalb gehe ich entschlossen auf die Türen des Blutspendezentrums am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) in Lübeck zu. Angst habe ich nicht. Auch nicht davor, mich mit dem Coronavirus zu infizieren. Es werden schließlich alle Hygienemaßnahmen eingehalten.

Selbst die Eingangstüren öffnen sich automatisch, es ist keine Berührung nötig. Empfangen werde ich von Peer Haßelwander, dem technischen Leiter der Blutspende am Campus Lübeck. Er trägt, so wie ich, einen medizinischen Mundschutz. Darunter kann ich trotzdem ein Lächeln ausmachen. Ich erwidere es.

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Das Tragen einer medizinischen Maske ist inzwischen Pflicht. Spender müssen außerdem ihren Personalausweis mitbringen und vor jeder Spende ausreichend Flüssigkeit und Nahrung zu sich nehmen. Personen, die schwanger sind, chronische Erkrankungen haben oder weniger als 50 Kilo wiegen, sind von einer Blutspende ausgeschlossen.

Davon trifft nichts auf mich zu. Ich habe es sogar geschafft, bis 11 Uhr einen Liter stilles Wasser zu trinken. „Der Körper braucht für die Spende genug Flüssigkeit im Blut, das verringert das anschließende Risiko von Kreislaufproblemen“, erklärt mir Haßelwander. Das ist nicht zu unterschätzen, denn schließlich wird mir ein halber Liter Blut abgenommen. Außerdem fließt das Blut dann besser. Inzwischen haben wir im Wartezimmer Platz genommen. Die Mehrzahl der hellblauen Plastikstühle ist unbesetzt. Termine werden seit März 2020 online zu bestimmten Zeitfenstern vergeben. Spontan zu erscheinen ist nicht mehr möglich. Eine weitere Maßnahme zur Corona-Prävention.

UKSH, Haema und DRK: So können Sie spenden

Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) in Lübeck bietet zwei Standorte zum Blutspenden:

Das Blutspendezentrum am Campus in Lübeck

Kontakt: 0451 500-16051 oder Blutspende-Luebeck@uksh.de

Adresse: Ratzeburger Allee 160, 23538 Lübeck

Blutspendezeiten: Zur Zeit ist eine Blutspende nur mit Termin möglich. Einen Termin erhalten Sie über www.terminland.de/uksh oder per App

Montag 8 bis 13 Uhr

Dienstag 13 bis 18 Uhr

Mittwoch 13 bis 18 Uhr

Donnerstag 10 bis 15 Uhr

Freitag 8 bis 13 Uhr

Blutspendezentrum im Citti-Park Lübeck

Kontakt: 0451 500-16091 oder Blutspende-Luebeck@uksh.de

Adresse: Citti-Park Lübeck, Herrenholz 14, 23556 Lübeck

Blutspendezeiten:

Montag 13 bis 18 Uhr

Dienstag 10 bis 15 Uhr

Donnerstag 13 bis 18 Uhr

Freitag 13 bis 18 Uhr

Sonnabend 9 bis 14 Uhr

Zudem gibt es die Möglichkeit Blut, aber auch Plasma, bei dem Haema Blutspendezentrum Lübeck zu spenden:

Kontakt: 0451 989 301 10

Adresse: Haerder-Center, Sandstraße 1-15, 23552 Lübeck

Blut- und Plasmaspendezeiten: Montag - Freitag 8 bis 19 Uhr

DRK-Blutspendedienst

Terminsuche-und-vereinbarung unter Telefon 0800/ 11 949 11 oder unter www.blutspende-nordost.de

Immer weniger Menschen spenden Blut

Einige Stühle entfernt sitzt Stefan Güsmer. Er erzählt, dass er seit 1976 fast 150-mal gespendet hat. Peer Haßelwander ergänzt: „Vollblut dürfen Männer bis zu sechsmal im Jahr spenden, Frauen nur viermal“. Das hängt unter anderem mit der Periode zusammen, da der Körper etwa acht Wochen braucht, um den Verlust von Eisen zu kompensieren. Stefan Güsmer ist 62, möchte aber „auf jeden Fall“ noch weiter spenden. Eigentlich ist mit 68 Schluss. Gesunde Dauerspender können im UKSH aber auch bis zu einem Alter von 70 Jahren weitermachen.

Vor allem der Bestand der Blutgruppen 0 und B ist gering . „Im Vergleich zu 2019 haben bei uns im vergangenen Jahr 4,7 Prozent weniger Menschen Blut gespendet“, sagt Haßelwander. Die Zahlen sind campusübergreifend – gelten also für Lübeck und Kiel. Ungefähr 1 000 Blutspenden werden pro Woche am UKSH benötigt, ebenfalls campusweit. „Noch erreichen wir diese Zahl knapp“, ergänzt er. Das UKSH bietet in Schleswig-Holstein drei Standorte zum Blutspenden: zwei in Lübeck, einen in Kiel. Gründe für den Rückgang sind die Altersgrenze, durch die viele Dauerspender wegfallen. Junge Spender rücken nicht in gleichem Verhältnis nach.

Um 11.42 Uhr ruft eine Arzthelferin nach mir. Jetzt geht es zur Anmeldung, und ich zücke meinen Personalausweis. Die Helferin tippt meine Daten in den Computer ein und misst meinen Blutdruck. 134 zu 80. „Sie sind ein bisschen aufgeregt“, sagt sie. Dass meine anfängliche Gelassenheit nicht mehr da ist, merke ich auch langsam. Ich folge ihr nervös in die Ambulanz.

Diese Probe ermittelt das kleine Blutbild und gibt darüber Auskunft, ob man spenden kann. Quelle: Jule Arista Runde

Dort wird erst anhand einer kleinen Blutentnahme am schwächeren Arm mein Blutbild erstellt, das mir dann im Raum nebenan von Nicole Busemann, Fachärztin für Transfusionsmedizin, erklärt wird. „Hämoglobin gibt dem Blut die rote Farbe und transportiert Sauerstoff“, sagt sie. Mein Hämoglobinwert liegt bei 14,1. Bei einem Wert von 12,5 hätte ich nicht spenden dürfen. Jetzt gibt es also wirklich keine Ausreden mehr. Anschließend gehen wir gemeinsam einen Fragebogen durch. Dieser gibt Auskunft über die Spendetauglichkeit. Auch hier ist alles in Ordnung – es kann losgehen.

Eine Blutspende dauert nicht lange

Als ich den gut 20 Meter langen Blutspende-Raum betrete, fallen mir zuerst die Liegen auf. Sie sind orange oder blau und immer abwechselnd aufgestellt. Mit Abstand versteht sich. Mit mir sind noch fünf andere Spender im Raum. Eine Helferin bittet mich, auf einer orangefarbenen Liege Platz zu nehmen. Orange, da ich mit meinem linken Arm spende, weil dieser bessere Venen hat.

Würde jetzt noch einmal jemand meinen Blutdruck messen, wäre er bestimmt höher – ich bin wirklich aufgeregt. Das muss die Helferin gemerkt haben. „Keine Sorge, ich mache das schon seit zehn Jahren“, sagt sie beruhigend und setzt mir dabei die zahnstochergroße Nadel an. Der Pieks ist unangenehm, aber aushaltbar. Schon fließt das Blut. Ich blende die Nadel in meiner Armbeuge einfach aus und unterhalte mich mit Peer Haßelwander, der inzwischen wieder neben mir steht. Irgendwann spüre ich die Nadel gar nicht mehr.

Helferin Gesa Rodust (rechts) erklärt Volontärin Jule Arista Runde, dass eine Blutspende nur fünf bis zehn Minuten dauert. Quelle: Peer Haßelwander

Nach 10 Minuten und 42 Sekunden habe ich es geschafft. Die Konserve ist prall gefüllt. Mein Blut ist zusätzlich in vier kleine Röhrchen geflossen. Eins davon bleibt direkt an der Konserve und stellt später die Verträglichkeit zwischen dieser und dem Patienten fest, welcher die Spende empfangen soll. Zwei werden auf Infektionskrankheiten getestet. Das letzte ist für die genaue Bestimmung meiner Blutgruppe.

Ich frage mich, was nun mit meinem Blut passiert. „Es wird in seine Bestandteile aufgetrennt“, sagt Peer Haßelwander. Und zwar in Erythrozyten, Thrombozyten und Blutplasma. Alles zusammen ergibt das Vollblut. Zuvor muss es aber bis zu zehn Stunden lagern, danach kann mein halber Liter Blut bis zu drei Leben retten. „Zur Rettung nimmt man dann nur den Teil, der wirklich gebraucht wird, deshalb teilen wir es auf“, ergänzt er. Nach fast einer Stunde kann ich den Raum verlassen und fühle mich glücklich, es geschafft zu haben. Mit dem Wissen, bald eine Lebensretterin zu sein, gehe ich zum letzten Stopp des Tages: der kleinen Kantine.

Das Angebot von Würstchen, die laut der Mitarbeiterin „der Renner“ sind, lehne ich als Vegetarierin dankend ab. Zucker ist das, was mein Körper jetzt braucht. Mit einem Kuchen und Kakao im Magen sowie 25 Euro als Aufwandsentschädigung in meinem Portemonnaie verlasse ich das Gebäude. Meine Blutgruppe kenne ich jetzt auch: B positiv. Positiv, genau wie meine erste Blutspende.

Von Jule Arista Runde