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Norddeutschland Förder-Millionen für Lübecker Brennpunkt-Schulen
Nachrichten Norddeutschland Förder-Millionen für Lübecker Brennpunkt-Schulen
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18:37 23.04.2019
Die Heinrich-Mann-Schule in Lübeck-Moisling wird als „Perspektivschule“ mit fast 1,4 Millionen Euro gefördert.
Die Heinrich-Mann-Schule in Lübeck-Moisling wird als „Perspektivschule“ mit fast 1,4 Millionen Euro gefördert. Quelle: LN
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Lübeck/Kiel

Es sind die Heinrich-Mann-Schule in Moisling und die Julius-Leber-Schule in St. Lorenz Nord, die je 1,385 Millionen Euro bekommen, verteilt auf die nächsten fünf Jahre. Es sind zwei Gemeinschaftsschulen mit Grundschulteil. In der Region wird außerdem die Bertha-von-Suttner-Schule in Geesthacht gefördert, eine Gemeinschaftsschule mit Oberstufe.

Heinrich-Mann-Schulleiter Dieter Butzin will das Fördergeld vor allem auch in die Steigerung der Unterrichtsqualität investieren. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

„Eine große Chance für unsere Schule“

„Das ist eine tolle Nachricht, eine Herausforderung, aber auch eine große Chance“, freut sich Heinrich-Mann-Schulleiter Dieter Butzin. Auf einer Dienstbesprechung will er es den Kollegen verkünden. Den Unterricht besser zu machen, ihn mit Hilfe von Coachings und Unterrichtsbeobachtung durch Schul-Experten weiterzuentwickeln, das könnte eines der Projekte sein, dass die Schule mit dem Geld, 231 000 Euro pro Jahr, finanziert, sagt Butzin. Eine Art „Denk-Werkstatt“. Außerdem könnten zwei volle Lehrerstellen zusätzlich geschaffen werden, um weiteren Raum für solche konzeptionelle Arbeit zu schaffen. Man werde sich da vom Ministerium beraten lassen. Auch der Schulrat habe Unterstützung zugesagt.

Wie viele Bücher haben Sie im Haushalt?

Mit einer anonymisierten Fragebogenaktion für Eltern an 200 Schulen im Land wollen Ministerium und IPN (das „Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik“ an der Uni Kiel) den Sozial-Index für die Schul-Förderung jetzt weiter verfeinern. Die Eltern werden darin etwa gebeten, Angaben zu ihrem Beruf, zu kulturellen Aktivitäten mit der Familie oder der Zahl der Bücher im Haushalt zu machen. Denn: Aus Datenschutzgründen dürfen die Forscher zum Beispiel nicht auf Daten über den Hartz-IV-Bezug in einem Stadtteil zugreifen.

Ausgewählt wurden die Schulen mithilfe eines Sozial-Index’, den Leibnitz-Forscher vom IPN an der Uni Kiel entwickelt haben. Ein hoher Migranten-Anteil, schwache Leistungen in den Vergleichsarbeiten, viele Schüler mit Förderbedarf: Das waren die Hauptkriterien. Am Ende waren auch zwei Schulen in Neumünster unter den 20 meist belasteten im Land, eine in Pinneberg, fünf im Norden des Landes. Auffällig: Die Stadt Kiel ist allein mit neun von 20 Schulen dabei.

Auch die Julius-Leber-Schule in St. Lorenz-Nord kommt in den Genuss einer hohen Förderung für Schulen in sozialen Brennpunkten. Quelle: Lutz Roeßler

Dass die Schulen durch diese Förderung auch als besonders schlechte Schulen stigmatisiert werden könnten, fürchtet IPN-Professor Olaf Köller nicht. Im Gegenteil. In anderen Bundesländern hätten sich viele Schulen durch solche Fördermaßnahmen so gut entwickelt, dass sie später Preise gewonnen haben.

Die Ministerin spricht von „Perspektivschulen“

CDU-Bildungsministerin Karin Prien setzt darauf, dass die Förder-Millionen dauerhaft und in den kommenden Jahren womöglich auch für andere Schulen zur Verfügung stehen. Quelle: Carsten Rehder/dpa

„Perspektivschulen“ nennt Karin Prien die 20 ausgewählten Schulen daher lieber. Von Brennpunktschulen will sie nicht sprechen. Sie würden Besonderes leisten und sich großen Herausforderungen stellen. Mit der Förderung wolle man das anerkennen und den Kollegen zugleich Hilfestellung geben und sie weiter motivieren. Die Schulen würden dazu eng begleitet werden und eine Art Ziel-Vereinbarung mit dem Ministerium abschließen.

50,3 Millionen Euro Fördergeld

Zu einer Auftaktveranstaltung am 8. Mai werde die Schulleiterin der Berliner Rütli-Schule kommen, die vor gut zehn Jahren in den Medien als Deutschlands schlimmste Schule gehandelt wurde und heute als Vorzeige-Schule gilt. Gelingt den 20 Schulen im Norden eine ähnliche Entwicklung, sollen sie sich den anderen Schulen im Land als Modell präsentieren. Ohnehin sollen in den kommenden Jahren noch weitere 40 Brennpunktschulen in den Förderkreis mit aufgenommen werden. Wegen ihrer Position weiter hinten auf der Index-Liste werden sie allerdings etwas weniger Fördergeld bekommen. Dennoch: 50,3 Millionen Euro stellt die Jamaika-Koalition dafür bis 2024 insgesamt zur Verfügung.

Karin Prien hält das Projekt bereits für dauerhaft unverzichtbar. „Wir werden es weiter machen müssen“, sagt die Ministerin. Auch wenn sich die jetzt unterstützten Schulen in einigen Jahren aus der Förderung herausgearbeitet haben sollten, würden andere Schulen neuen Bedarf haben.

Wolfram Hammer