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Norddeutschland Land will mehr Rastplätze für Laster bauen
Nachrichten Norddeutschland Land will mehr Rastplätze für Laster bauen
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07:00 27.07.2019
Viele Rastplätze sind zu klein, nicht alle Lastwagen finden Platz. Quelle: Arnulf Stoffel/dpa
Berlin/Kiel

Auto- und Lkw-Fahrer sind gleichermaßen genervt. Vor allem in den Abend- und Nachtstunden sind viele der Stellplätze an den Raststätten an Autobahnen in Schleswig-Holstein hoffnungslos überfüllt. Mitunter stehen Lastwagen regelwidrig auf Ein- und Ausfahrten, Pkw-Plätze werden zugeparkt. Oft gibt es kaum noch ein Durchkommen. Es gab bereits Unfälle.

Zahl der Stellplätze wurde schon erhöht

Dabei wurde die Anzahl der sogenannten Lkw-Parkstände auf den Autobahnen im Norden von 1062 im Jahr 2008 auf derzeit 1419 erhöht. Nimmt man die Parkmöglichkeiten für Brummis auf den Autohöfen entlang der Bundesautobahnen noch hinzu, stehen insgesamt sogar 1882 Plätze zur Verfügung, sagte der Kieler Verkehrsminister Bernd Buchholz den LN.

Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) sieht einen „erhöhten Parkdruck“. Quelle: dpa

Doch weil das angesichts des rasant wachsenden Güterkraftverkehrs offenbar nicht ausreicht, werden kräftig neue Parkplätze gebaut. Buchholz spricht von einem „erhöhten Parkdruck“, der unabhängig von den erfolgten und anstehenden Ausbaumaßnahmen festzustellen sei. Dieser Druck auf weitere Lkw-Parkplätze dürfte mittelfristig noch weiter zunehmen, wenn man nur an den zunehmenden Güterverkehr im Zuge des Weiterbaus der A 20 oder des künftigen Fehmarnbelttunnels nach Dänemark denkt.

Weitere Ausbaupläne in Arbeit

In Kiel beziehungsweise im zuständigen Berliner Bundesverkehrsministerium ist das wachsende Problem längst bekannt. So laufen beim Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LBV) derzeit Entwurfsplanungen für den Ausbau der Rastanlagen Ellund und Hüttener Berge West im Zuge der A 7. Hier sind insgesamt 40 neue Lkw-Stellplätze vorgesehen.

Wann genau die zusätzlichen Plätze für Brummi-Kapitäne und ihre Fahrzeuge zur Verfügung stehen, könne jedoch wegen des frühen Planungsstandes noch nicht gesagt werden, hieß es im Kieler Ministerium. Mittelfristig sollen in den nächsten Jahren auch die folgenden Rastanlagen weitere Lkw-Plätze erhalten: an der A 1 Melmshöhe, Neustädter Bucht Ost und West sowie Ellerbrook, an der A 21 Schwisseler Kamp, an der A 23 Forst Rantzau Ost und West sowie an der A 24 Hahnenkoppel Süd sowie Gudow-Nord.

Kompakt- und Kolonnenparken

Durch das telematisch gesteuerte Kompakt- sowie das Kolonnenparken sollen vorhandene Parkflächen besser genutzt werden. Dabei parken Lkw hinter- und nebeneinander, ohne dass zwischen ihnen eine Mittelfahrgasse vorhanden ist. So können bis zu drei Laster parken, wo zuvor nur zwei abgestellt werden konnten.

Beim Kompaktparken sollen die Lkw, zeitlich sortiert nach ihrer Abfahrtszeit, in einer Parkstandsreihe stehen. Beim Kolonnenparken halten die Lkw zunächst an einem Eingabeterminal, an dem die Fahrer ihre gewünschte Abfahrtszeit eingeben und über das System eine Parkstandsreihe zugewiesen bekommen. An den Rastanlagen der A 7 –Aalbek, Brokenlande, Moorkaten Ost und Holmmoor Ost – sowie Buddikate Ost (A 1) und Gudow Nord (A 24) könnten diese Systeme schon bald praktisch getestet werden.

Weitere Rastanlagen sind im Zuge des A-20-Neubaus und des A-21-Ausbaus geplant: Schmalfeld Nord, Schmalfeld Süd, Glindesmoor, Herzhorn Nord und Süd sowie Lütjensee. Außerdem befänden sich an der A 1, im Bereich des Autobahnkreuzes mit der A 21, weitere Autohöfe „in der Vorplanung“, wie es aus dem Kieler Ministerium hieß.

Branche macht Druck auf Berlin und Kiel

Derweil macht die Logistikbranche Druck auf Berlin und Kiel. Bundesweit fehlten etwa 30 000 bis 40 000 Lkw-Stellplätze, schätzte der Vorstandssprecher des Bundesverbandes Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL), Dirk Engelhardt, ein. „Nur wenn der Zubau an Lkw-Stellplätzen schneller ansteigt als der hinzuwachsende Bedarf, werden wir das Problem irgendwann in den Griff bekommen. Das gilt besonders für Transitländer wie Schleswig-Holstein, sagte er den LN. Das Berliner Verkehrsministerium verwies darauf, dass allein in diesem Jahr 110 Millionen Euro in den Ausbau von Lkw-Parkmöglichkeiten investiert würden. In den folgenden Jahren würden es jeweils 100 Millionen Euro sein.

Um die vorhandenen Stellplätze effizienter nutzen zu können, hat sich Schleswig-Holstein zudem – in Abstimmung mit Berlin – entschlossen, ein digitales Lkw-Parkleitsystem einzusetzen. Das telematische System soll erstmals auf den zehn Rastanlagen der A 7 zwischen der Landesgrenze Hamburg/Schleswig-Holstein bis zum Autobahndreieck Bordesholm angewandt werden. Geplant ist, die auf der jeweiligen Rastanlage vorhandenen freien Parkplätze zu erfassen und über den sogenannten Mobilitätsdaten-Marktplatz (MDM) per App den Fahrern bereit zustellen. Nerviges Suchen nach einem Parkplatz soll Brummifahrern damit erspart werden.

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