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Norddeutschland Langjährige Freiheitsstrafen wegen versuchten Mordes im Steinewerfer-Prozess
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Landgericht Flensburg: Langjährige Strafen wegen versuchten Mordes im Steinewerfer-Prozess

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17:25 15.02.2021
Das Gebäude des Landgerichts Flensburg.
Das Gebäude des Landgerichts Flensburg. Quelle: Frank Molter/dpa/Symbolbild
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Flensburg

Drei junge Männer sind vom Landgericht Flensburg wegen Steinwürfen auf einen fahrenden Kleinbus zu mehrjährigen Freiheitsstrafen wegen versuchten Mordes verurteilt worden. Das Gericht sah nach Angaben eines Gerichtssprechers die Mordmerkmale der Heimtücke sowie der niederen Beweggründe erfüllt. Ein 25-Jähriger wurde zu einer Haftstrafe von fünf Jahren nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt. Ein mittlerweile 22 Jahre alter Mann wurde zu einer Jugendstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt. (Az.: 108 Js 18495/18 HW)

Diese beiden Männer haben nach Überzeugung des Gerichts in der Ortschaft Groß Brebel (Kreis Schleswig-Flensburg) jeder einen Pflasterstein auf den Kleinbus geworfen, in dem mehrere Senioren saßen. Ein heute 21-Jähriger, der das Auto gelenkt hat, aus dem die Steine geworfen wurden, wurde zu einer Jugendstrafe von vier Jahren verurteilt. Die beiden jüngeren Männer wurden zudem noch wegen mehrerer Brandstiftungen schuldig gesprochen. Sie haben im Sommer 2018 im Großraum Kappeln zwei zur Tatzeit unbewohnte Häuser, einen Bagger und einen Mähdrescher angezündet.

Reihe von Straftaten

Das Gericht betonte nach Angaben des Sprechers, dass es besonders verachtenswert sei, aus Langeweile und Lust solche Taten zu begehen. Gegen das Urteil kann Revision eingelegt werden.

Die Steinwürfe auf den mit Senioren besetzen Reisebus am 26. August 2018 waren der Schlusspunkt einer Reihe von Straftaten, die die jungen Männer im Sommer 2018 begangen haben sollen. Ursprünglich waren den Männern eine ganze Reihe von Taten vorgeworfen worden - von Tankbetrug über Diebstahl bis hin zu besonders schwerer Brandstiftung und weiteren Steinwürfen auf parkende Autos. Bei der Beweisaufnahme wurden diverse weniger schwerwiegende Taten auf Antrag der Staatsanwaltschaft allerdings eingestellt.

Verletzt wurde niemand

Die Anklagebehörde hatte ebenfalls mehrjährige Freiheitsstrafen wegen versuchten Mordes für das Trio gefordert. Er werfe den Männern nicht vor, dass sie absichtlich jemanden umbringen wollten, hatte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer gesagt. Aber der Tod von Menschen sei billigend in Kauf genommen worden, „um Spaß zu haben“. Es sei ein glücklicher Zufall gewesen, dass niemand verletzt worden sei.

Die Verteidigerin des 25-Jährigen hatte Freispruch für ihren Mandanten gefordert. Die Anwälte der jüngeren Männer plädierten für ihre Mandanten jeweils auf Bewährungsstrafen.

Von RND/dpa