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Norddeutschland Juristisches Tauziehen im Fall Detlef H.
Nachrichten Norddeutschland Juristisches Tauziehen im Fall Detlef H.
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19:30 13.09.2018
Der Weiße Ring ist ein bundesweit tätiger Opferschutzverein. In Lübeck geriet er in Verruf. Quelle: dpa
Lübeck

Schlappe für die Staatsanwaltschaft: Das Landgericht Lübeck will die Eröffnung eines Hauptverfahrens gegen Detlef H. (73), den ehemaligen Leiter der Lübecker Außenstelle des Weißen Rings, nur in einem einzigen Fall zulassen. Nach „ausführlicher Prüfung der Anklagevorwürfe“ habe die VII. Große Strafkammer entschieden, dass es in drei der vier angeklagten Fälle „aus rechtlichen Gründen“ an einem hinreichenden Tatverdacht fehle. Das teilte ein Landgerichtssprecher am Donnerstag mit. Die Staatsanwaltschaft legt dagegen sofortige Beschwerde beim Oberlandesgericht ein.

Nach Beschluss der mit drei Berufsrichterinnen besetzten Strafkammer ist die Eröffnung des Hauptverfahrens in drei Fällen abgelehnt. Einen hinreichenden Tatverdacht dagegen sieht die Strafkammer in dem vierten Fall, in dem die Staatsanwaltschaft Detlef H. vorwirft, eine Frau durch eine exhibitionistische Handlung belästigt zu haben. Der Angeschuldigte soll laut Anklage am 12. April 2016 bei einem Besprechungstermin vor der 38-jährige Frau sein Genital entblößt haben. Er soll sie, so der Vorwurf, zudem aufgefordert haben, sich ebenfalls zu entblößen und sexuelle Handlungen an ihm vorzunehmen, um sich dadurch sexuell zu erregen.

Die Strafkammer des Landgericht entschied außerdem, dass die Hauptverhandlung wegen des Tatvorwurfs einer exhibitionistischen Handlung vor dem Amtsgericht stattfinden soll. Angesichts des verbliebenen Tatvorwurfs sehe sich das Landgericht nicht als zuständig an. Damit folgte das Landgericht einer Beschwerde von Oliver Dedow, Verteidiger von Detlef H.: Der Anwalt hatte argumentiert, eine Anklage vor dem Landgericht sei dem Fall nicht angemessen. Die Anklage wirft Detlef H. verschiedene Straftatbestände vor, insbesondere Nötigung, Körperverletzung, sexuelle Nötigung und eben die exhibitionistische Handlung – und rückt davon auch nicht ab.

„Wir werden das Rechtsmittel der sofortigen Beschwerde nutzen und die Entscheidung des Landgerichts durch das Oberlandesgericht (OLG) in Schleswig überprüfen lassen“, teilte Behördensprecher Ulla Hingst mit. Die Beschwerde richte sich zum einen gegen die Verneinung des hinreichenden Tatverdachts. Zum anderen habe die VII. Große Strafkammer sehr wohl die Möglichkeit gehabt, den einen Fall oder auch mehrere Fälle „wegen der Schutzbedürftigkeit der Opfer und der besonderen Bedeutung der Sache“ am Landgericht zu verhandeln. Damit wird der Fall H. jetzt zum juristischen Tauziehen.

Hs. Anwalt Dedow begrüßte dagegen die Entscheidung des Landgerichts: „Ich freue mich, dass unsere Einschätzung rechtlich gewürdigt worden ist.“ Bei den drei Fällen, die nicht zur Hauptverhandlung zugelassen worden sind, würden seinem Mandanten Lappalien vorgeworfen. E-Mails der betroffenen Frauen würden seinen Mandanten entlasten. So habe eine Frau sich später für den „interessanten gestrigen Nachmittag“, eine anderen für den „netten Abend“ bedankt. Zum Vorwurf der Staatsanwaltschaft, Detlef H. habe eine 46-jährige Frau in einer Fahrstuhlkabine des Gewerkschaftshauses am Holstentor bedrängt, sagte Dedow: „Das passierte nach einem gemeinsamen Abendessen mit meinem Mandaten bei einem Glas Wein.“ Ein vermeintlich versuchter Kuss stelle keine sexuelle Handlung dar. Einer Gerichtsverhandlung wegen des verbliebenen Tatvorwurfs sehe er optimistisch entgegen, sagte Dedow. „Ich gehe davon aus, dass es zu einem Freispruch kommt.“

Curd Tönnemann

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