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Norddeutschland Landrätin will auf Auto verzichten – und scheitert an Bahn-Bestimmungen
Nachrichten Norddeutschland Landrätin will auf Auto verzichten – und scheitert an Bahn-Bestimmungen
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09:48 25.02.2020
Eine Nordwestbahn hält (Symbolbild). Mit ihrem E-Bike durfte Deutschlands erste grüne Landrätin nicht mitfahren. Quelle: Carmen Jaspersen/dpa
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Osnabrück

Die neue Landrätin im Landkreis Osnabrück, Anna Kebschull, wollte ein verkehrspolitisches Zeichen setzen und auf das Auto verzichten. Doch ihr Plan, mit Elektrofahrrad und Zug von ihrem Wohnort Bad Rothenfelde zur Arbeitsstelle in Osnabrück zu reisen, scheiterte an den Bahn-Beförderungsbestimmungen in Niedersachsen. Denn sie fährt ein so genanntes S-Pedelec, das bis zu 45 Stundenkilometer schnell ist und ein Versicherungskennzeichen trägt.

„Laut Transportbestimmungen darf ich das nicht im Zug mitnehmen“, sagte Grünen-Politikerin Kebschull.

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Zuerst hatte die Neue Osnabrücker Zeitung“ über den Fall berichtet. Demzufolge hatte eine Zugbegleiterin der Nordwestbahn Kebschull und ihr Rad in einem Osnabrücker Vorortbahnhof aus dem Zug gewiesen.

Anna Kebschull, erste grüne Landrätin Deutschlands, beim Bundesparteitag von Bündnis 90/Die Grünen auf dem Podium. Quelle: Guido Kirchner/dpa

Rechtlich gelten S-Pedelecs als Kleinkrafträder, erklärt der Sprecher der Nordwestbahn, Steffen Högemann. Grundsätzlich sähen die Transportbestimmungen vor, dass Fahrzeuge, die ein Versicherungskennzeichen tragen, nicht in Zügen mitgenommen werden dürfen. Das gelte auch für Elektrorollstühle. Eine Ausnahme gibt es: Die neuen E-Scooter dürfen mit in die Bahn.

Pedelecs, die eine Motorunterstützung bis Tempo 25 bieten, werden hingegen wie herkömmliche Fahrräder behandelt und dürfen mitgenommen werden. Allerdings werden Fahrräder nur transportiert, solange nicht gleichzeitig Rollstuhlfahrer und Kinderwagen mitgenommen werden müssen, sagte Högemann.

„Total kontraproduktiv“

Der Grund für diese Einschränkung liege wohl darin, dass ursprünglich S-Pedelecs deutlich größer und schwerer waren als „normale“ Pedelecs, erklärt Thilo Knoblich von der Niedersachsentarif GmbH, in der die niedersächsischen Eisenbahn-Nahverkehrsunternehmen organisiert sind. Das Transportverbot für S-Pedelecs gelte auf niedersächsischen Bahn-Nahverkehrsstrecken. Möglicherweise würden die Bestimmungen geändert. Ein Thema sei das bislang aber nicht.

„Mein S-Pedelec ist nicht größer oder schwerer als ein normales Pedelec“, sagt dazu Landrätin Kebschull. Gerade auf dem Land sei die Möglichkeit wichtig, E-Fahrräder mit der Bahn zu kombinieren, um aufs Auto verzichten zu können. „Wenn wir die Verkehrswende wollen, ist das total kontraproduktiv.“ Sie überlege, einen Brief ans Bundesverkehrsministerium zu schreiben.

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Von RND/dpa