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Norddeutschland Skurriler Streit um einen Gehweg
Nachrichten Norddeutschland Skurriler Streit um einen Gehweg
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06:00 09.12.2019
Nach Lasbek-Gut führt ein Gehweg auf Hochbord. Über die Unterhaltung streiten sich Gemeinde und Kreis. Quelle: mc
Lasbek/Bad Oldesloe

Es geht um rund 1,5 Kilometer Gehweg zwischen den beiden Ortsteilen Lasbek-Dorf und Lasbek-Gut. Das Besondere: Es ist eine Verbindung für Fußgänger zwischen zwei geschlossenen Ortschaften und möglicherweise der einzige spezielle Fußweg im Kreis Stormarn, der sich außerorts befindet. „Nach heutigem Regelwerk gibt es keine auf Hochbord geführten Gehwege mehr außerhalb von Ortsdurchfahrten“, erklärt Ralf Maltzahn, Leiter des Bauamtes beim Amt Bad Oldesloe-Land.

Der Weg zwischen den beiden Lasbeker Ortsteilen wurde offenbar schon vor rund 80 Jahren errichtet. Das ergaben Recherchen von Gemeindevertretern in der Lasbeker Dorfchronik. Er wurde angelegt als Ersatz für den Schulsteig, der im Rahmen des Autobahnbaus ab 1937 wegfiel. Die A 1 führt genau zwischen Lasbek-Dorf und Lasbek-Gut durch.

Kreis will Unterhaltung einstellen

Schon seit mehreren Jahrzehnten – der Weg wurde in den 1970er Jahren asphaltiert – kümmert sich die Straßenmeisterei Bargteheide um die Unterhaltung und Instandsetzung des Gehweges an der Kreisstraße 12 (Lasbeker Straße). Der Auftrag dazu kam vom Kreis Stormarn beziehungsweise dem Straßenbauamt, dem heutigen Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LBV).

Warum genau die Straßenmeisterei den Gehweg nun seit so lange Zeit hegt und pflegt, scheint momentan unklar und ist Gegenstand der Auseinandersetzung zwischen Gemeinde und Kreis. Letzterer hat nun nämlich angekündigt, die Unterhaltung einzustellen.

Akten beim Landesarchiv

Diese sei bis heute nur „aus Überlieferung“ betrieben worden, heißt es von der Kreisverwaltung. „Weder beim Kreis noch beim LBV noch bei der Amtsverwaltung waren Unterlagen zu finden“, schreibt Elina Schneider vom Fachdienst Planung und Verkehr an die Gemeinde. „Aus Akten des Landesarchivs ergibt sich jedoch, dass der Gehweg als Ersatz für den zurückgebauten Schulsteig angelegt wurde, für den wiederum die Gemeinde zuständig war“, so Elina Schneider. Damit sei die sogenannte Baulast der Gemeinde Lasbek zuzuordnen.

Der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr schloss sich im Oktober der Argumentation an. „Für die Instandhaltung und somit die Beseitigung der aufgetretenen Schäden am betroffenen Gehweg ist die Gemeinde Lasbek verantwortlich“, heißt es in einem Schreiben.

Erneuerung oder Rückbau?

Der Weg ist derzeit in einem schlechten Zustand, eine Erneuerung würde laut Amtsverwaltung einen deutlich fünfstelligen Betrag kosten. Daher könne man auch über einen Rückbau nachdenken. Das ist jedoch für Bürgermeister Harald Lodders keine Option. „Es sind dort nicht nur Spaziergänger unterwegs, sondern auch Kinder auf dem Fahrrad“, sagt er. Diese auf die Straße zu schicken, sei zu gefährlich. Denn für Autofahrer gibt es keine Geschwindigkeitsbegrenzung, sie dürfen an der Stelle also mit 100 Stundenkilometern unterwegs sein.

Bürgermeister Harald Lodders sieht den Kreis bzw. den Landesbetrieb Straßenbau in der Pflicht. Quelle: ba

Der Bau- und Wegeausschuss der Gemeinde sprach sich vor kurzem auch dagegen aus, die Unterhaltung zu übernehmen. „Wir hatten vor fünf Jahren schon die gleiche Diskussion“, berichtete Lodders. Mit dem Ergebnis, dass der Kreis bzw. die Straßenmeisterei weiter Schlaglöcher flickte und Unkraut mähte.

Unterlagen vom A-1-Bau 1937?

„Der Fußweg wurde in seiner ganzen Geschichte noch nie von der Gemeinde unterhalten, auch die Asphaltierung geschah ohne finanzielle Beteiligung Lasbeks“, schrieb Bauamtsleiter Ralf Maltzahn bereits Anfang 2015 an den LBV. Es spreche daher einiges dafür, dass die staatliche Straßenbauverwaltung verantwortlich sei, also entweder der Bund oder der Kreis. Maltzahn: „Und vielleicht gibt es ja doch in den Unterlagen aus den 1930er Jahren einen Hinweis darauf, dass das Deutsche Reich sich verpflichtet hat, den Weg dauerhaft zu unterhalten?“ Der Bauamtsleiter glaubt, dass der Disput auf eine juristsche Prüfung hinausläuft.

Am Dienstag, 10. Dezember, befasst sich nun die Lasbeker Gemeindevertretung wieder mit dem Thema (19.30 Uhr, Gemeinschaftshaus Alte Schule).

Von Markus Carstens

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