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Norddeutschland Lebensmittel-Trends: Ohne Zucker und aus der Region
Nachrichten Norddeutschland Lebensmittel-Trends: Ohne Zucker und aus der Region
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17:00 21.07.2019
Gesunde Lebensmittel wie Salat und Gemüse liegen im Trend. Quelle: Jens Büttner/dpa
Lübeck

Gesundheit und Wellness – diese Stichworte kennzeichnen zurzeit einen der großen Ernährungstrends, sagt Prof. Björn Jacobsen vom Branchenverband Foodregio. „Das Thema Zucker und adäquater Ersatz wird uns noch eine ganze Weile beschäftigen“, sagt er, ebenso wie die Frage: Wo kommen in Zukunft unsere Proteine her? „Aktuell spielt das Thema Zuckergehalt in Lebensmitteln und alternative Süßungsmittel eine große Rolle“, sagt auch Selvihan Koc, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Auch die „no oder low carb“-Bewegung – also für kohlehydratfreie oder -arme Ernährung – setze sich fort, hin zu einer fett- und proteinreicheren Ernährung.

Verbraucherzentrale für Nutriscore

Koc registriert insgesamt ein großes Interesse der Kunden am Thema Ernährung.„Immer wieder merken wir auch, dass Verbraucherinnen und Verbraucher Probleme beim Einkauf haben. Sie wünschen sich zunehmend, gute Produktalternativen schnell beim Einkauf erkennen zu können“, sagt sie. Daher plädiere die Verbraucherzentrale auch für den Nutriscore, der eine schnelle Orientierung beim Einkauf bieten könne.

Mehr Flexitarier

Die Zahl der Vegetarier und Veganer sei in den vergangenen Jahren eher stabil geblieben. „Allerdings sind das Interesse an flexitarischer Ernährung und das Bewusstsein für eine klimaschonende Ernährung aus unserer Sicht gestiegen“, sagt Selvihan Koc. Flexitarier verzichten zwar nicht ganz auf Fleisch und tierische Produkte, aber konsumieren sie nicht täglich. Viele wollten Lebensmittel wertschätzen und den Fleischverzehr auf ein bis zweimal pro Woche zu begrenzen. Aus diesem Grund sei auch die Nachfrage nach alternativen Proteinquellen und Fleischersatzprodukten gestiegen, so die Ernährungsexpertin.

Auf den Teller geschaut: Wieviel Fleisch kommt auf den Tisch, was essen die Deutschen am liebsten und wer ernährt sich komplett vegetarisch?

Klimaschutz wichtig

Der Aspekt Klimaschutz nehme beim Einkaufen und Essen eine steigende Bedeutung ein. „Verbraucherinnen und Verbraucher wollen regional und saisonal einkaufen, Plastik einsparen und unverarbeitete Lebensmittel essen“, erklärt Koc. Viele hätten auch einen Garten oder bauten auf dem Balkon Tomaten an. „Das reicht zwar nicht für eine komplette Versorgung, doch sie sind stolz auf ihre Erträge und essen diese mit Genuss.“ Um Plastik einzusparen, würden immer häufiger Frischenetze oder eigene Frischebehälter beim Einkaufen benutzt.

Regionalität schafft Vertrauen

Lebensmittel aus der Region sind immer gefragter. Der Handel bezeichne das als „Megatrend“, sagt Daniela Rixen, Sprecherin der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein. „Regionalität wird ein wichtiges Verkaufsargument, da die Verbraucher heimischen Produzenten vertrauen und die heimische Landwirtschaft stärken wollen“, sagt Rixen. Dabei bevorzugten die Verbraucher zum Beispiel heimisches Obst vor Bio-Produkten aus dem europäischen Ausland oder gar aus Übersee. Rixen: „Man stellt also fest, dass Regional hier auch Öko schlägt.“ Gerade frische Produkte wie Kartoffeln oder heimischer Käse direkt vom Erzeuger stünden in Schleswig-Holstein hoch im Kurs.

Mehr Geld für höhere Qualität

„Dass es keine rechtlich verbindliche Definition von Regionalität gibt, verunsichert viele. Wir leisten Aufklärungsarbeit und erklären freiwillige Kennzeichnungen wie das Regional-Fenster oder EU-Siegel mit klaren Kriterien“, sagt Koc. „Viele Menschen sind aus unserer Sicht bereit, für gute Qualität mehr zu bezahlen. Sie müssen allerdings klar erkennen können, wofür sie das tun“, so die Ernährungsexpertin. Transparenz sollte von der Herstellung bis ins Regal geleistet werden, um das Vertrauen zu gewinnen. Produkte aus der Region oder bessere Lebensbedingungen für Tiere seien solche Zusatznutzen. „Wenn sie im Supermarkt aber nicht klar erkennen können, welcher Mehrwert geboten wird, können andere Merkmale zur Orientierung eine Rolle spielen. Das können die Verpackung, der Preis oder andere Label und Siegel sein“, erklärt Koc.

Kriterium kurze Wege

Zunehmend, werde auch darauf geachtet, wie die Produkte verpackt sind, und dass sie kurze Wege zurücklegen und Arbeitsplätze der heimischen Wirtschaft sichern, sagt die Sprecherin der Landwirtschaftskammer. „Auch der Handel profitiert, wenn er Lebensmittel listet, die von der Landwirtschaftskammer mit dem Gütezeichen „Geprüfte Qualität Schleswig-Holstein“ ausgezeichnet sind“, sagt Rixen. Verbraucher hätten öfter den Wunsch zu „ihren Erzeugern“ einen direkten Draht aufzubauen. Zunehmend werde auch darauf geachtet, wie die Produkte verpackt sind, und dass sie kurze Wege zurücklegen und Arbeitsplätze der heimischen Wirtschaft sichern.

Personalisierte Ernährung

Neben Gesundheit und Wellness spiele auch die „personalisierte Ernährung“ in Zukunft eine wichtige Rolle, sagt Prof. Jacobsen von Foodregio. Wie Lebensmittel unterschiedlich auf Menschen wirken, wird an der Uni Lübeck erforscht, das Start-up-Unternehmen Perfood hatte für seine Geschäftsidee vor einem Jahr den LN-Existenzgründerpreis gewonnen. Im Oktober will Foodregio auf der Ernährungsmesse Anuga in Köln die personalisierte Ernährung in den Fokus rücken. „In den USA wird schon viel Geld in diesen Bereich gesteckt“, sagt Jacobsen.

Salat im Supermarkt ernten

Ein interessanter Trend seien sogenannte „Instore-Roboter“, wo Salatpflanzen und Kräuter direkt im Supermarkt wachsen und von Verbrauchern selbst geerntet werden können. Geforscht werde auch zu der Frage, wie Verbraucher künftig an ihre Ware kommen, das Stichwort dazu sei „vertikale Integration“, so Jacobsen. Immer mehr Produzenten könnten zu Händlern werden, also ihre Produkte direkt vermarkten, aber auch der umgekehrte Weg werde schon beschritten: Händler werden zu Produzenten. So baue die Supermarktkette Lidl eine eigene Fabrik für Eisherstellung.

Christian Risch

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