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Norddeutschland Lohnt sich das Pendeln finanziell?
Nachrichten Norddeutschland Lohnt sich das Pendeln finanziell?
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20:10 15.07.2017
Tausende von Berufspendlern nutzen täglich die Regionalbahnen zwischen Lübeck und Hamburg.
Tausende von Berufspendlern nutzen täglich die Regionalbahnen zwischen Lübeck und Hamburg. Quelle: Foto: Roessler
Lübeck

Der neue Kieler Wirtschafts- und Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) weist allerdings darauf hin, dass nicht nur der Wunsch zu sparen die Menschen zum Pendeln bringe. Marion Köhler, Sprecherin der Metropolregion Hamburg, zweifelt gar an der Aussagekraft der Studie.

Verglichen wurden die Mietpreise in zehn deutschen Städten und jeweils fünf umliegenden Orten. Diese Mieten wurden in Beziehung zu den Fahrtkosten gesetzt. Ziel der Untersuchung war es, die Kostenvorteile beim Pendeln zu ermitteln. Als Referenz wurde eine Wohnung mit drei Zimmern zwischen 60 und 70 Quadratmeter Größe genommen, die Distanz zwischen Wohnort und Arbeitsplatz auf maximal 130 Kilometer festgelegt. Für Fahrten mit dem Auto wurden Durchschnittskosten zu Grunde gelegt, die der ADAC in seiner Fahrtkostenrechnung 2017 aufgestellt hat.

Das Ergebnis: Pendeln lohnt sich finanziell spürbar nur in München und Berlin. Täglich führen mehr als 350000 Menschen aus dem Umland zur Arbeit in Bayerns Hauptstadt, die mit 1322 Euro die höchste Durchschnittsmiete für die Referenzwohnung aufweise, das seien 547 Euro mehr als in Hamburg und 862 Euro mehr als in Bremen. Die preisgünstigste Wohnung finde sich in Leipzig mit 398 Euro.

In allen Städten seien bis auf eine Ausnahme (von Neuss nach Düsseldorf) die Kosten für Miete plus Auto höher als für Miete plus öffentliche Verkehrsmittel. Die höheren Kosten fürs Autofahren würden auch nicht durch Zeitersparnis kompensiert. In Hamburg sparten Pendler mit Bahn und öffentlichem Nahverkehr mit Hin- und Rückweg zwischen 36 und 64 Minuten, in Berlin zwischen 44 und 68 Minuten. „Wer zur Arbeit nach Hamburg pendeln möchte, kann in den umliegenden Orten zwar bei der Miete sparen – in Kombination mit dem Ticket für die öffentlichen Verkehrsmittel ergeben sich aber nur bei genauer Kalkulation, etwa in Norderstedt und Pinneberg, Vorteile. Mit dem Auto zu fahren, ist dabei stets die teurere Option“, heißt es.

„Bei den 170000 Beschäftigten, die täglich aus Schleswig- Holstein nach Hamburg pendeln, spielen nicht nur die finanziellen Erwägungen eine Rolle. Ein großer Faktor ist die Lebensqualität, für die viele einen langen Arbeitsweg in Kauf nehmen“, sagt Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP). Schleswig-Holstein biete zudem ein gutes ÖPNV-Angebot – etwa durch die bald verbesserten Bahnverbindungen zwischen Kiel und Hamburg sowie Flensburg und Hamburg, aber auch auf den Achsen von Lübeck, Kiel, Kaltenkirchen und Itzehoe nach Hamburg.

„Verglichen werden durchschnittliche Mietpreise in Hamburg und wenigen ausgewählten Städten im Umland. Daraus eine pauschale Aussage abzuleiten, ist sehr verkürzt“, sagt Marion Köhler, Sprecherin der Metropolregion. „Insbesondere ist im Umland in der Regel nicht die Miete, sondern der Kauf einer Immobilie die Alternative.“ Auch einige Preise seien nicht korrekt. „Alles in allem enthält die ,Studie’ des Gutscheinportals aus unserer Sicht unzulässige Verallgemeinerungen, Durchschnittsbildungen und Fehler bei den Grunddaten“, kritisiert Köhler. Noch 2017 würden die Metropolregion Hamburg und der HVV mit dem „Wohn- und Mobilitätskostenrechner“ ein Instrument zur Verfügung stellen, das differenzierte Berechnungen der Kosten ermögliche, kündigt sie an.

 C. Risch