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Nachrichten Norddeutschland Kostenloser Nahverkehr für Lübecks Touristen?
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19:29 29.07.2019
Der Nah- und Fährverkehr könnte in Lübeck für Touristen kostenlos werden. Bürgermeister Jan Lindenau arbeitet an einem Konzept. Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

Kostenlos Fähre, Bus und Bahn fahren ist in Lübeck und Travemünde für viele eine Wunschvorstellung. Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) will das künftig ermöglichen – aber nur für Touristen. „Mein Plan ist, dass wir für Touristen, die nach Lübeck kommen, möglichst einen kostenlosen öffentlichen Nahverkehr anbieten“, sagte er den LN. Ziel sei die Entwicklung einer Gästekarte namens „Ostseecard plus“, deren Kernleistung ein kostenloser Bus-, Bahn- und Fährverkehr sowie die freie Nutzung des Travemünder Strands sein soll. Die Idee: Touristen fahren weniger mit dem Auto und nutzen stattdessen den lokalen Nahverkehr. Das soll die Verkehrslage entspannen und die Umwelt schonen. Lindenau will im Herbst ein Konzept vorlegen, wie er sich die Finanzierung vorstellt.

Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau. Quelle: Lutz Roeßler

Lösungen müssen für Touristen und Bewohner gefunden werden

Schleswig-Holsteins Wirtschafts- und Tourismusminister Bernd Buchholz (FDP) steht der Ankündigung positiv gegenüber: „Dies ist sicher ein guter Weg, die Stadt auf klimaschonende Weise für Urlauber noch attraktiver zu machen und zugleich von noch mehr Autos zu entlasten.“ Genau beurteilen könne man das Vorhaben jedoch erst, wenn alle Einzelheiten klar sind. Auch Bettina Bunge, Geschäftsführerin der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein, hält Lindenaus Vorschlag für einen sinnvollen Ansatz. Sie betont außerdem: „Es ist wichtig, dass Lösungen für Touristen und Bewohner gleichermaßen gefunden werden.“ Zudem müsse das Verbindungsnetz taktisch angepasst werden.

Orte in Schleswig-Holstein machen es schon vor

In einigen Küstenorten Schleswig-Holsteins können Touristen den Nahverkehr bereits kostenlos nutzen. In Grömitz können Urlauber mit der Ostseecard umsonst zum beliebten Lensterstrand fahren. Die Ostseecard erhalten alle, die eine Übernachtung zum Beispiel im Hotel oder einer Ferienwohnung buchen. In Eckernförde fahren Ostseecard-Besitzer kostenlos Bus. „In einer kleinen Stadt wie Eckernförde ist das sehr praktisch, denn die Unterkünfte verteilen sich über das ganze Stadtgebiet“, erklärt Micha Wulf, Amtsleiter der städtischen Kämmerei. „Wir haben damit bisher nur positive Erfahrungen gemacht.“ Dafür sei eine Erhöhung der Kurabgabe um 50 Cent nötig gewesen.

Lindenau findet Zuspruch in Travemünde

In Travemünde findet Lindenaus Vorhaben Zuspruch. Dort erhalten Ostseecard-Besitzer zurzeit nur eine Ermäßigung auf die Nahverkehrspreise. Christian Martin Lukas, Geschäftsführer vom Lübeck Travemünde Marketing (LTM) sagt: „Es ist ein wichtiger Schritt, um die vor allem in der Hauptsaison zum Teil angespannte Verkehrssituation zu entlasten.“ Heike Blankenberg, Stellvertretende Direktorin des Kurbetriebs Travemünde, geht davon aus, dass ein kostenloses Angebot bis nach Lübeck bei vielen Urlaubern begehrt wäre.

„Die Finanzierung muss unbedingt gesichert sein“

Bis 2010 sei die Priwallfähre schon einmal mehrere Jahre lang für Ostseecard-Besitzer kostenlos gewesen. Dafür habe der Kurbetrieb eine Pauschale an den Stadtverkehr Lübeck gezahlt. Das Angebot wurde jedoch wieder eingestellt, da deutlich mehr Menschen die Fähre nutzten als die Pauschale abdeckte. Deshalb rät Blankenberg: „Die Finanzierung muss unbedingt gesichert sein.“ Nach eigenen Angaben arbeitet der Bürgermeister derzeit mit den Kurbetrieben, der LTM, dem Stadtverkehr Lübeck und der Finanzverwaltung an einem geeigneten Konzept inklusive Finanzierung.

Die Grünen fordern günstigeren Nahverkehr für alle

Gegenwind erfährt Bürgermeister Lindenau von Seiten der Lübecker Grünen. Der Fraktionsvorsitzende Bruno Hönel erklärt: „Die Steuerzahler würden das nicht verstehen.“ Er verweist darauf, dass Lübeck bundesweit die Stadt mit dem höchsten Bustarif ist. „Wir setzen uns seit Jahren dafür ein, dass der öffentliche Nahverkehr günstiger wird, aber vor allem für die Lübecker selbst.“ Lindenau betont jedoch, dass Einheimische von seinem Projekt insbesondere durch die Entlastung des örtlichen Verkehrs profitieren würden. „Wir wollen nicht, dass Lübecker unter dem touristischen Aufschwung leiden.“ Zudem würden verbesserte Umweltbedingungen die Lebensqualität der Bürger positiv beeinflussen.

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