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Norddeutschland Junge Familien entdecken den Kleingarten
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12:00 16.06.2019
Monika Quade deckt die Erdbeerpflanzen in ihrem Hochbeet mit einem Netz ab. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Für Güven Gülden (32) und seine Tochter Melek (2) ist die Parzelle in der Lübecker Kleingartenanlage „Besenkamp“ ein kleines Paradies. Melek hat dort eine Schaukel, eine Rutsche und sogar einen kleinen Fußballplatz. „Das muss schon sein“, findet der Vater, der Jugendobmann für Fußball beim TuS Lübeck ist. Und, na klar: Gemüse wächst auch in seinem Gärtchen, genau wie es in einer solchen Anlage vorgeschrieben ist: Erdbeeren, Radieschen, Bohnen, Zwiebeln. „Haben wir alles hier“, bemerkt Gülden zufrieden. „Das macht meistens meine Frau.“

Junge Familien entdecken den Kleingarten für sich

Dem Familienglück im Garten steht also nichts im Wege. Ein Beispiel, das in den letzten Jahren Schule macht, meint Jens Quade (71), Vorsitzender der Anlage und stellvertretender Vorsitzender des Kreisverbandes der Gartenfreunde Lübeck. Die Güldens sind seit drei Monaten im Besenkamp, aber es gebe zunehmend junge Familien, die den Kleingarten für sich entdecken, so Quade. „In Lübeck machen sie inzwischen 30 Prozent unserer Pächter aus.“

Landesweiter Trend zum Kleingarten

Landesweit sei der Trend zum Kleingarten zu beobachten, bestätigt Thomas Kleinworth vom Landesverband Schleswig-Holstein der Gartenfreunde. „Man könnte es schon fast einen Hype nennen. Unsere Neuverpachtungen gehen inzwischen zu rund 50 Prozent an junge Familien.“ Bei der anderen Hälfte seien viele jüngere Paare oder Singles dabei. Der Leerstand liege landesweit im Schnitt bei sieben Prozent.

Im Kleingarten können sich die Pächter selbst verwirklichen, pflanzen und gestalten nach Herzenslust.

Kaum Leerstand in der Anlage „Besenkamp

Leerstand gebe es im „Besenkamp“ kaum, nur wenige Parzellen werden nicht bewirtschaftet. Quade: „Wenn wir feststellen, dass ein Garten verwildert, haken wir nach. Notfalls gibt es eine Kündigung und eine Räumungsklage. Und dann richten wir das Grundstück in Gemeinschaftsarbeit wieder her. Wenn alles ordentlich ist, findet sich meist schnell ein neuer Pächter.“

Anderswo in Lübeck laufe es nicht überall so gut. In den Stadtteilen Eichholz, Lauerhof und Buntekuh gebe es teils Leerstände von 30 Prozent. Aber das sei die Ausnahme. „Im Schnitt kommen wir beim Kreisverband auf etwa zehn Prozent nicht verpachtete Flächen.“

Schrebergärten im Norden

In Schleswig-Holstein gibt es rund 50 000 Kleingärten in über 500 Kleingartenanlagen, die Pächter bewirtschaften insgesamt rund 2000 Hektar Land. Im Landesverband der Gartenfreunde in Schleswig-Holstein sind 35 000 Kleingärtner organisiert. Mit Familienangehörigen und Freunden seien es etwa 100 000 Menschen, die ihre Freizeit regelmäßig im Kleingarten verbringen, schätzt der Verband. Die 200 Mitglieds-Vereine sind in 14 Kreisverbänden und der Arbeitsgemeinschaft Kiel organisiert.

Ein Kleingarten sei gar nicht so teuer, rechnet Gülden vor. Für die 300 Quadratmeter große Parzelle zahlt er im Jahr nur 84 Euro Pacht, hinzu komme eine Versicherung für 250 Euro. Für das Gartenhäuschen zahlte er seinem Vorgänger 500 Euro Abstand. Außerdem ging er Verpflichtungen ein: Vor allem die, vier Stunden Gemeinschaftsarbeit im Jahr zu leisten. Wolle man sich davon freikaufen, koste das 50 Euro, erklärt Jens Quade. Aber Gemeinsamkeit gehöre eben dazu: Wer Kleingärtner wird, tritt in eine Gemeinschaft ein. „Wir helfen uns gegenseitig“, versichert der Spartenchef.

Garten selbst gestaltet

Er selbst sei neun Jahre in der Anlage. Seine Nachbarn Heike und Peter Kranz (76 und 81) haben ihren garten schon 35 Jahre. „Uns reizen die Ruhe und das Grün“, sagt Peter Kranz. „Und dass wir alle so gestalten können, wie wir möchten.“ Die Wege hat der Rentner mit Feldsteinen gepflastert, die Rasenkanten sind gerade abgestochen, überall grünt und blüht es. Kranz nickt seiner Frau zu: „Für die Blumen ist sie zuständig.“ Beide beobachten gerne die Vögel, die im Garten nisten, einige seien auch schon so etwas wie alte Bekannte. Heike Kranz zeigt auf ein Nest: „Hier haben die Amseln gebrütet.“ Leider sei ihr Gelege zerstört worden. Das Ehepaar Kranz bedauert das sehr. Dafür freuen sie sich an ihrem Gemüse: 16 verschiedene Sorten sind es, verrät Herr Kranz. „Vom Apfel über Tomaten und Bohnen bis zu Mangold, Zucchini und Kartoffeln.“

Zeit müsse man schon mitbringen

Vor allem eins müsse man mitbringen, wenn man im Garten ähnlich erfolgreich sein wolle, weiß Quade: Viel Zeit. Er selbst und seine Frau Monika (71) verbrächten täglich vier Stunden mit dem Hegen und Pflegen der Pflanzen. Dieses Jahr lasse sich alles gut an. Es gebe genug Sonne und Regen und kaum Schädlinge. „Neulich hatte ich eine Schnecke – und das im Hochbeet“, berichtet Monika Quade. Manchmal müsse sie Läuse bekämpfen. „Aber alles ohne Gift.“ Zum Düngen verwende sie Hornspäne. „Das ist wirklich Bio. Und nicht so teuer wie aus dem Öko-Laden.“ Auch das, finden die Quades, sei doch ein schönes Argument für die Pacht-Scholle im Verein.

Marcus Stöcklin

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